Das neue System teilt die Bewerber in vier verschiedene Gruppen ein, je nachdem, welche Ausbildung sie bisher durchlaufen haben: die schwedische Gymnasialschule, den zweiten Bildungsweg, die Heimvolkshochschule oder ein ausländisches Gymnasium. Die Studienplätze pro Gruppe werden je nach Anzahl der Bewerber prozentuell verteilt. In der Praxis bedeutet dies, dass ausländische Studienbewerber oder diejenigen, die den zweiten Bildungsweg durchlaufen haben, mitunter leer ausgehen. Wenn sich etwa für einen Studiengang nur wenige Bewerber mit ausländischen Gymnasialabschlüssen, aber sehr viele mit schwedischem Abschlusszeugnis interessieren, wird es für ausländische Bewerber ungleich schwieriger, den gewünschten Studienplatz zu erhalten.
Trotz bester Noten nicht zugelassen
Bisweilen helfen auch die allerbesten Noten und perfekte Schwedischkenntnisse nichts. Egle Kvederaite war in ihrem Jahrgang eine der fünf besten Abiturienten Litauens. In Schweden möchte sie Medizin studieren. Aber einen Platz hat sie nicht erhalten. Stattdessen studiert sie einstweilen Biomedizin und zweifelt, ob sie das richtige Land für ihr Studium ausgewählt hat: „Ich will ja wirklich hier studieren und werde mich auch noch einmal bewerben. Aber wenn es wieder nicht klappt, versuche ich es natürlich anderswo. In England zum Beispiel, wo man auf die Noten schaut und nicht darauf, woher die Bewerber kommen“, so Egle Kvederaite im Schwedischen Fernsehen.
Gerade für ihren Wunschstudiengang gab es schon in dem alten System nur wenige Plätze für ausländische Studenten. Und diesen Herbst akzeptierte das Karolinska Institutet in Stockholm nur noch einen einzigen ausländischen Bewerber. Egle Kvederaite kann die Logik dieses Systems nicht verstehen: „Ich finde es sehr seltsam, dass man zwischen ausländischen und schwedischen Studenten einen solchen Unterschied macht, dass für ausländische Studenten bei der Bewerbung völlig andere Bedingungen gelten.“
Bevorzugung junger schwedischer Abiturienten
Die litauische Studentin steht mit ihrer Kritik nicht allein da. Auch Lotta Roll vom Studentenwerk VHS stellt im Schwedischen Rundfunk die Bevorzugung junger schwedischer Abiturienten in Frage: „Man erhöht die Chancen von jungen Bewerbern, die direkt von schwedischen Gymnasien kommen. Der Altersdurchschnitt an den Hochschulen war bisher relativ hoch, das ist wohl der Grund für die Änderungen. Wir sind demgegenüber sehr kritisch und finden dieses System nicht zufriedenstellend. Es schafft Probleme für bestimmte Bewerbergruppen und das ist einfach nicht richtig.“

Hochschulminister Tobias Krantz will die Regelungen nun überprüfen
Hochschulminister: gründliche Überprüfung nötig
Die Regierung hat mittlerweile auf die Kritik reagiert. Obwohl die neuen Regelungen gerade erst in Kraft getreten sind, schlägt Hochschulminister Tobias Krantz nun ihre Überprüfung vor: „Wir müssen zugeben können, dass wir vielleicht nicht alle Konsequenzen der neuen Zugangsbedingungen überblickt haben. Und da sollte ein verantwortungsbewusster Politiker sagen können, dass wir diese Regelungen eben noch einmal gründlich überprüfen müssen.“
Nicht mit EU-Recht vereinbar
Zudem könnte geltendes EU-Recht die schwedischen Aufnahmeregelungen zu Fall bringen. Lennart Ståhle von der Hochschulbehörde im Schwedischen Rundfunk: „Dafür müsste dann jemand Schweden wegen Diskriminierung bei der EU anzeigen. Die EU wird das dann überprüfen und mit größter Wahrscheinlichkeit müssen wir dann die Zugangsbedingungen ändern. Aber ich hoffe wirklich, dass wir das selber hinbekommen, ohne dass die EU uns dazu zwingen muss.“
Opposition will Regelungen abschaffen
Und auch im Falle eines Regierungswechsels nach den Wahlen im Herbst steht außer Frage, dass es nicht bei den neuen Regelungen bleiben wird. Die bildungspolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, Marie Grandlund meint: „So wie es jetzt aussieht, herrscht vollständiges Chaos. Wissen und Leistungen werden nicht gleichermaßen anerkannt.“