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Schweden - Land des Schreckens

Publicerat torsdag 14 december 2006 kl 14.29
Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk

In Schweden hatte man ihn wie einen Helden gefeiert: Orhan Pamuk, der diesjährige Träger des Literaturnobelpreises. Doch nicht über all in seiner Heimat löste die Auszeichnung Begeisterungsstürme aus. Denn in der Türkei gehen die Meinungen über den gesellschaftskritischen Schriftsteller weit auseinander. Er hatte den Völkermord der Türken an den Armeniern in der Öffentlichkeit thematisiert und sich dadurch bei den Nationalisten nicht gerade beliebt gemacht. Jetzt hat sich eine türkische Journalistin auf eigentümliche Weise für die Auszeichnung Pamuks revanchiert. In einer Fernsehdokumentation hatte sie den Schweden Völkermord an den Sami unterstellt.

Türkische Journalisten und Akademiker  waren empört. Der türkische öffentlichrechtliche Fernsehsender TRT hatte am Tag nach der Nobelpreisverleihung eine äußerst fragwürdige Dokumentation über Schweden ausgestrahlt. Darin war das Land der Gleichstellung und Demokratie als barbarisch und sozial unterentwickelt dargestellt worden.

Ein Leben in Angst

Yavus Baydar, der selbst eine Zeit lang in Schweden gelebt hatte und heute als Leserbeauftragter bei der türkischen Tageszeitung Sabah tätig ist, kann es kaum fassen:

„Schweden wird als ein Land dargestellt, in dem es unmöglich scheint zu leben, als ein Land, in dem brutale Gewalt herrscht, als ein Land, in welchem Minderheiten in Angst leben. Das Programm bestand von vorn bis hinten aus Lügen und Verleumdungen. So etwas habe ich bisher noch nicht gesehen.“

Unter anderem, so Baydar, werde Schweden in der Darstellung vorgeworfen, bis in die 1980er Jahre aktiven Völkermord an gleich zwei Volksgruppen begangen zu haben - nämlich an den Sami und den Roma.

Zweifelhafte Berichterstattung

Interviewt wurde in diesem Zusammenhang auch Kerstin Brunnberg, Öffentlichkeitsberaterin des Schwedischen Rundfunks.

„Es ist ein unbehagliches Gefühl, nicht zu wissen, wie meine Aussagen verwendet wurden und ob sie vielleicht aus dem Zusammenhang gerissen wurden.” 

Die türkische Journalistin habe vorgegeben, sich über den schwedischen Rundfunk im Allgemeinen informieren zu wollen, sagt Brunnberg. ”Und dann sah ich mich plötzlich mit Fragen zum Volksmord an den Sami konfrontiert.“

Ein nationalistisch motivierter Racheakt

Ingmar Karlsson, schwedischer Generalkonsul in Istanbul, sieht die Dokumentation als Racheakt einer nationalistisch gestimmten Autorin:

„Diese Journalistin hat vielleicht ihr letztes Programm gemacht. Sie war zunächst eine sehr starke Linksradikale und hat jetzt den kleinen Schritt zum Rechtsradikalismus und Nationalismus gemacht. Und ich glaube dieses Programm ist eine Art zweifache Rache. Zum einen dafür, dass Schweden Pamuk mit dem Nobelpreisausgezeichnet hat und zum anderen, weil Schweden ein sehr starker Befürworter des türkischen EU-Beitritts ist.“

Eine solch radikale Berichterstattung sei jedoch eine absolute Ausnahme, betonte Karlsson. Im Übrigen würde Schweden in den türkischen Medien ja sehr positiv dargestellt.

Ein Ausdruck von Meinungsfreiheit

„Von schwedischer Seite werden wir nichts unternehmen. Schließlich kritisieren wir die Türkei für ihre mangelnde Meinungsfreiheit und zur EU und zur Meinungsfreiheit gehört ja auch, dass man Blödheiten sagen darf.“

Ursprünglich waren acht Wiederholungen der Sendung vorgesehen. Nachdem türkische Journalisten und Akademiker mit Protesten reagiert hatten, hatte der Fernsehsender TRT die Dokumentation umgehend aus dem Programm genommen. Ein Zeichen dafür, dass in der Türkei die Medienkontrolle durch die Öffentlichkeit funktioniert.

Birgit Ulrich

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