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Online die Schulden des Nachbarn abrufen

Publicerat fredag 5 januari 2007 kl 11.06

Schulden zu haben, ist schlimm genug. Noch böser wird’s, wenn jedermann, ob nun Nachbar, Kollege oder sonstwer, in Sekundenschnelle per Mausklick erfahren kann, wie hoch Person X oder Y in der Kreide steht. Genau dieser Albtraum für Zahlungssäumige ist nun in Schweden Wirklichkeit.

Die Frau aus dem dritten Stock, selten auf Arbeit, aber stets das teuerste Auto und immer aufgetakelt hoch zehn. Wenn da mal nicht einiges auf Pump gekauft ist. Also geh ich doch mal rein in die Internet-Seite ratsit.se.

Ich gebe Name und Wohnort der Nachbarin ein und frage, ob sie einen Eintrag im Schuldenregister der Schufa hat. Sekunden später weiß ich Bescheid. Schwarz auf weiß stehen hier nicht nur Geburtsdatum und genauer Monatsverdienst der Dame. Eindeutig werden auch meine bösen Unterstellungen Lügen gestraft: Nein, sie ist nicht als Schuldnerin registriert. Schön für sie.

Am virtuellen Pranger

Wer hingegen einen Eintrag im Schufa-Register hat, der steht seit dem Geburtstag der neuen Internet-Seite nun sozusagen weithin sichtbar am virtuellen Pranger. Das Interesse an der eventuellen wirtschaftlichen Misere der Mitmenschen scheint hier in Schweden enorm. Seit dem Start musste die Seite wegen Überlastung schon mehrfach zeitweise geschlossen werden.

Johan Forsberg ist Chef der Ratsit-AB, die die Seite von Göteborg aus betreibt: „Ja, die Seite ist ständig überlastet, unheimlich viele Leute fragen bei uns nach. Schon jetzt haben wir mehr als hunderttausend feste Mitglieder, wir sind ganz begeistert, aber auch überrascht. Der Zuspruch hat unsere kühnsten Erwartungen übertroffen”, freut sich Forsberg.

Vernachlässigte Persönlichkeitsrechte

Weit weniger angetan ist Hans Kärnlöf, Jurist bei der Staatlichen Dateninspektion. Er berichtet seinerseits zwar nicht von hunderttausenden, aber doch sehr vielen Anrufen und Mails empörter Bürger: „Wir finden es sehr bedauerlich, dass diese Art von Information auf der Seite zugänglich ist. Dies ist ein starker Eingriff in die persönliche Integrität. Doch bislang sind uns die Hände gebunden. Einerseits regelt zwar das Verbraucherschutzgesetz, dass nur jemand, der Informationen über eventuelle Schulden wirklich braucht, zum Beispiel eine Bank oder ein Vermieter, solche Informationen abrufen kann. Doch über diesem Gesetz steht wiederum das Grundgesetz zur Meinungs- und Publikationsfreiheit, das solche Aktionen in der Praxis möglich macht.”

Wichtigstes Stichwort hier: das so genannte Öffentlichkeitsprinzip, seit mehr als zwei Jahrhunderten schwedisches Markenzeichen. Es besagt, dass nahezu alle Angaben über jeden Bürger jedem zugänglich sind. So habe ich als Staatsbürger das Recht, nachzufragen, für wie viel Geld mein Regierungschef mit seinem Staatsgast gespeist hat, oder auch Erkundungen einzuziehen, wie viel Steuern mein Nachbar zahlt. Ratsit-Chef Johan Forsberg betont denn auch: „Die Informationen, die wir hier bereitstellen, sind ja sowieso öffentlich. Die Angaben könnten Sie ebenso bekommen, indem Sie den Gerichtsvollzieher anrufen. Das Neue an uns ist lediglich, dass wir das alles umfassend, gebündelt und leicht zugänglich anbieten, und dass wir mit einer zentralen Homepage ein neues Medium gewählt haben. Und natürlich verbindet Ratsit mit seinem Dienst ausschließlich hehre Ziele.”

„Kein Voyerismus”

Er glaube nicht, dass Menschen den Dienst nur aus reiner Neugier und reinem Voyerismus nutzten, sagt Forsberg: „Nein, als redliche Bürger wollten sie sicher gehen, dass sie sich nicht mit dunklen Elementen einließen, zum Beispiel mit einer Handwerkerfirma, die über sämtliche Ohren verschuldet und also ein unsicherer Kantonist sei.”

Hans Kärnlöf von der Dateninspektion sieht das anders. Seine Behörde hat bereits kurz nach der Jahrtausendwende bei der vorigen Regierung eine Untersuchung über die Lücken im Verbraucherschutzgesetz angemahnt. Die Untersuchung, die eigentlich vor zwei Jahren fertig sein sollte, hat sich aber im Akten-Wust verloren. Nun, mit dem Aufsehen erregenden Fall Ratsit vor Augen, will man bei dem neuen bürgerlichen Kabinett erneut vorstoßen.

„Zweite Garnitur in der Gesellschaft”

Sonderlich große Hoffnungen macht sich der Jurist nicht: „Hier in Schweden ist nun mal das Öffentlichkeitsprinzip ganz zentral. Im Grunde ist es gut gemeint, aber in Fällen wie diesen wird es absurd. Vorerst muss ich nur jedem raten: Sieh zu, dass du nicht ins Schufa-Register kommst. Schließlich kann jetzt jeder, zum Beispiel auch ein potenzieller Arbeitgeber oder ein Arzt, der eine hohe Rechnung verlangen will, ganz einfach nachsehen, ob er es mit einem Zahlungssäumigen zu tun hat. So schaffen wir ganz fix eine zweite Garnitur in der Gesellschaft”, warnt Hans Kärnlöf.

Anne Rentzsch

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