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Tulpe - schwedische Frühlingsbotin

Publicerat fredag 19 januari 2007 kl 11.01

Der Baum ist aus dem Fenster geschmissen, die Nadeln sind weggefegt, der Julbock auf den Dachboden gebracht, und auch der Dreikönigstag ist vorbei. Aber Ödnis und Dunkelheit haben keine Chance - in Schweden beginnt sofort die Tulpen-Zeit! Mehr als 14 Tulpen kauft sich jeder Schwede durchschnittlich im Laufe eines Jahres, insgesamt werden 130 Millionen Tulpen angebaut.

Rote, gelbe, lila Tulpen. Tulpen einzeln oder im Strauss, Tulpen als Geschenk, Tulpen als Dekoration. Grosse stolze Blumen mit ausladendem Kelch, zierliche Gewächse mit kleinem Hals: es wächst zurzeit quasi aus jeder Ritze in Schweden eine Tulpe. In der Bibliothek, im Restaurant, bei der Arbeit, auf dem Markt: überall Tulpen. Am 18. Januar feiert man den Tag der Tulpe, schickt sich Postkarten mit Blumen oder lässt die Tulpen gleich per Kurier bringen. Und alle sind sie ganz verliebt, in ihre Tulpen ...

Blumenmarkt Hötorget
Die Blumenhändler in Stockholm stellen Eimer neben Eimer vor die Geschäfte, jeder voll mit Tulpen. Samira verkauft ihre Blumen auf dem Hötorget, direkt vor dem Konzerthaus. Sie weiß, wie die Tulpe überhaupt nach Schweden gekommen ist: „Vor langer Zeit bekam der schwedische König von einem Sultan aus der Türkei eine Tulpe geschenkt. Die gefiel ihm so gut, das er sich die Blumen-Zwiebeln importieren ließ und sie selbst in Schweden anbaute. Die Tulpen wurden schnell sehr beliebt, sie waren aber sehr selten und teuer. Heute kommen viele unserer Tulpen aus Holland. Die Tulpe verkauft sich bei mir im Moment am Besten, es ist ja auch Saison.”

Aber warum sind die Schweden gerade in die Tulpe so vernarrt? Samira begründet das so: „Die Tulpe hat ihre eigene Wirklichkeit: Sie lebt eine Woche, ohne Probleme, ohne Dünger, ohne das man sie künstlich aufpäbbeln muss. Man schneidet sie nur einmal ein, und setzt sie ins Wasser: dann lebt sie eine Woche lang. Es gibt Millionen von verschiedenen Sorten, die die Schweden mögen. Ich verkaufe am Meisten von der ‚Montifarno’, das ist eine gelbe mit zwei Blütenkelchen…”, sagt sie und verkauft das nächste Bündel Tulpen.

„Keine Allergieprobleme”
Auf dem Markt vor dem Konzerthaus laufen jetzt um elf Uhr mittags nur eine Handvoll Menschen herum, aber fast jeder kauft - Tulpen. Und warum? ”Tulpen? Da gibt es keine Probleme mit irgendwelchen Allergien”, meint ein Kunde. ”Ich fahre gleich nach Hause zu meiner Frau und dachte, ich bringe ihr etwas mit, das einfach und hübsch ist”, erklärt ein anderer Kunde. Und eine dritte Kundin meldet: ”Ich finde die Tulpen-Buketts hier so hübsch. Es gibt die ja auch mit Rosen, aber die halten nicht so lange. Es ist einfach eine schöne Blume zu dieser Jahreszeit, und ich dekoriere damit zu Hause.”

Gesundheitsfreundlich ist die Tulpe also, ein gutes Mitbringsel für die Liebste und spitze als Wohnzimmerschmuck. Aber das kann man über viele andere Blumen auch sagen. Es muss also noch etwas anderes geben - etwas, das nur die Tulpe hat.

„Haus der Tulpe”
Das „Haus der Tulpe” hat zur alljährlichen Tea Party geladen, in den Garten des Schlosses Åkeshov im Stockholmer Vorort Bromma. Hier müssen sie es einfach wissen, was die Tulpe so besonders macht: Hausherr Håkan Alverbäck, einer der grössten Blumenhändler des Landes, begrüßt seine blumige Gesellschaft.

In einem zum Café umgebauten Gewächshaus sitzen rund sechzig Tulpen-Liebhaber und Tulpen-Anbauer. Sie trinken Tee und essen britische „scones” mit Marmelade, sie fachsimpeln über besondere Tulpenarten und wie man sie pflegt. An den Wänden hängen gemalte Tulpen, in einem großen Bassin liegen Hunderte echte Tulpen. Håkan Alverbäck sagt, dass niemals zuvor so viele Tulpen in Schweden angebaut wurden wie zu dieser Saison.

Praktisch und einfach zu handhaben
Dann führt die Floristin Mi Holmgren vor, wie man einen Kranz, ein Geflecht, eine Art Kletterbaum aus Tulpen baut. Sie schneidet, biegt, verdreht die Tulpen, klemmt sie mit Draht fest und zerlegt sie in ihre Einzelteile. Aus professioneller Sicht ist diese Blume sehr praktisch und einfach zu handhaben, sagt Miriam, denn: ”Man kann die Tulpe liegen lassen, das Wasser geht dann aus ihr heraus und man kann sie so formen, wie man will. Die Tulpe führt ihr eigenes Leben: Wenn man sie einmal arrangiert hat, dann bleibt sie nicht so, bis sie stirbt, sondern sie sieht jeden Tag anders aus. Sie kann wachsen, sich nach links oder nach rechts drehen. Eine Tulpe scheint wirklich zu leben - im Vergleich zu anderen Blumen, die vielleicht auch lebendig aussehen, deren Blüte aber viel starrer steht -nur nach oben oder nach unten.”

Die Tulpe als Sinnbild fürs Leben an sich: Ist es das, was die Schweden an ihren Tulpen so lieben? Miriam: „Ich glaube ja, wir konsumieren auch die meisten Tulpen in der ganzen Welt, wenn man es pro Person ausrechnet. Wir sind eben ein Land in dem man die Tulpe wirklich liebt und sie richtig genießen will. Man kann sogar sagen, dass die Leute das Geräusch der Tulpen lieben, dieses Rascheln, wenn man die Blume anfasst. Wir lieben diese Blume wirklich.”

Ein Zeichen des Frühlings
Håkan Alverbäck führt die Tea-Party-Gesellschaft durch das neu eingerichtete „Haus der Tulpe”, in dem er eine Ausstellung über die Geschichte der Blume aufgebaut hat, viel Tulpen-Kunst an der Wand, praktische Anleitungen wie der Anbau besser klappt - und natürlich, überall: Tulpen. Als Zwiebel im Beet, als grüner Blattstumpf, kurz vor der Reife und in voller Blüte stehend.

Für Håkan Alverbäck und vielleicht auch für viele andere Schweden ist jede einzelne dieser Blumen eine kleine Hoffnung: „Ich glaube, die Menschen sehnen sich nach dem Frühling. Nach diesem dunklen, ungemütlichen, kalten Winter trägt die Tulpe die Farben des Frühlings und des Lichtes, sie belebt einfach, sie ist frisch und knackig.”

Frisch, knackig, sie ist ein erstes Schimmern des Frühlings: Darum lieben die Schweden ihre Tulpen so sehr.

Markus Flohr

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