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Mit Kopfnoten gegen Störenfriede

Publicerat fredag 26 januari 2007 kl 11.18

Vom nächsten Schuljahr an sollen alle Schüler in Stockholm Zensuren für Ordnung und Betragen bekommen. Dieser Vorstoss des neuen bürgerlichen Stadtparlaments hat hier in den vergangenen Tagen für dicke Schlagzeilen in den Medien und für heftige Diskussionen gesorgt. Kein Wunder: War doch gerade in Schweden ein Wort wie „Disziplin” lange Zeit verpönt. Aber inzwischen hat sich das Blatt gewendet. Die gepanten Änderungen in Stockholm gelten nun als Auftakt jener Wende in der Schulpolitik, die das bürgerliche Kabinett unter Ministerpräsident Reinfeldt angekündigt hat.

1970 hatte Schweden Zensuren in Ordnung und Betragen landesweit abgeschafft. Die „Benimm”-Noten über Bord zu werfen, das galt damals als revolutionär, als Ausdruck der angestrebten Gleichberechtigung zwischen Schülern und Lehrern und der Abkehr von der alten schulischen Kadaverdisziplin. Heute, 2007, kommt der Stockholmer Vorstoss über mehr Strenge im Klassenraum nun wiederum einer kleinen Revolution gleich.

Unter Stockholms Schülern sind die Meinungen geteilt: „Mich macht das unsicher. Soll man jetzt die ganze Zeit mucksmäuschenstill dasitzen, nur noch antworten wenn man gefragt wird und keine eigene Meinung mehr äussern?”, fragt sich Frida Sporroy, während Sam Ekman die Dinge eher gelassen sieht: „Warum nicht. In anderen Ländern sind Betragens-Zensuren ja nicht so ungewöhnlich, also warum sollten wir hier in Schweden das nicht auch haben.”

Schaufenster für bürgerliche Schulpolitik

Die neue liberale Schul-Stadträtin Lotta Edholm will ein Zeichen setzen. Stockholm solle ein Vorreiter, ein Schaufenster für die neue bürgerliche Schulpolitik sein, schrieb sie jetzt auf einem der begehrtesten schwedischen Medienplätze, auf der „Debatten”-Seite der grossen Tageszeitung „Dagens Nyheter”: „Ich halte es für wichtig, dass Eltern und Schüler schwarz auf weiss zu sehen bekommen, was ein Lehrer am Benehmen eines Schülers gut oder schlecht findet”, erklärt Lotta Edholm.

Da ist sie sich einig mit ihrem Parteikollegen, dem liberalen Schulminister Jan Björklund. Die Schule, so der Minister, müsse wieder ein Ort werden, an dem man in Ruhe lernen kann. Das klingt simpel. Aber: Vielerorts in Schweden ist diese Voraussetzung bislang nicht gegeben. Mitte Januar 2007 musste eine Schule im südschwedischen Landskrona zeitweise geschlossen werden, nachdem eine Schüler-Gang Mitschüler und Personal systematisch bedroht und misshandelt hatte. Kein Einzelfall: Laut der internationalen so genannten TIMSS-Studie zum Leistungsvergleich unter Schülern ist das Pippi-Langstrumpf-Land in Sachen schulischer Arbeitsruhe inzwischen absolutes Schlusslicht. Nirgendwo sonst wird demnach so viel gepöbelt, geschwänzt und zu spät gekommen wie in Schweden. Zwischen 2004 und 2006 verdoppelte sich zudem die Zahl der Anzeigen wegen Körperverletzung.

Deutlichere Befugnisse zum Eingreifen

Dazu Schulminister Jan Björklund: ”Die neue Regierung wird das Schulgesetz ändern. Wir werden den Lehrern und den Gemeinden stärkere und deutlichere Befugnisse zum Eingreifen geben. Wir brauchen Schulen, die sicher sind; kein Kind hier in Schweden soll Angst davor haben, in die Schule zu gehen.”

Eben diese Angst begleitet allzu viele noch Kinder Tag um Tag. Und das Tohuwabohu im Klassenzimmer hat nicht zuletzt in punkto Leistung seinen Preis: So sind Schwedens Schüler laut internationalen Studien in Mathematik in den vergangenen Jahren unter das internationale Durchschnittsniveau zurückgefallen. Innerhalb Schwedens sind die Leistungsunterschiede zwischen den Besten und den „Schlusslichtern” zudem seit Mitte der 90-er Jahre markant gestiegen.

Gezielte Förderung

Die bürgerliche Regierung will nun leistungsschwache Schüler gezielt fördern und das Leistungsprinzip stärker betonen, unter anderem mit einer früheren Vergabe von Zensuren - bislang dürfen Noten erst ab der achten Klasse vergeben werden. Lehrer sollen mehr disziplinäre Befugnisse erhalten, Regelverstöße rasch und konsequent geahndet werden - so sollen Mobber umgehend der Schule verwiesen werden können.

Doch Eva-Lis Preisz, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft, ist skeptisch: ”Ich finde es traurig, dass nur Disziplin und Zensuren im Vordergrund stehen sollen. Natürlich brauchen wir Ruhe und Ordnung in der Schule, aber man muss die wirklichen Ursachen der Probleme sehen. Zum Beispiel wäre es dringend geboten, dass ein Lehrer mehr Zeit für jeden einzelnen Schüler hat. Das alles sind sehr komplizierte Fragen.”

Boom für Privatschulen

Doch viele Kinder und Eltern wollen nicht warten, bis sich irgendwann in ferner Zukunft irgend etwas ändert. Sie wollen Änderungen hier und jetzt. Die Unzufriedenheit mit dem schwedischen Schulsystem hat sich in den letzten Jahren in einem Boom für die Gründung von Privatschulen niedergeschlagen, und die angekündigte Kursrichtung der Schule galt als einer der bürgerlicher Trümpfe bei den Reichstagswahlen im Herbst. So hielten bei einer SIFO-Umfrage vom September sieben von zehn Befragten die Einführung von Betragens-Noten für eine gute Idee.

Anne Rentzsch

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