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Lagom - Schweden in einem Wort

Publicerat fredag 26 januari 2007 kl 12.28

Klein und bescheiden und trotzdem ungeheuer bedeutsam: „Lagom”. Diesen Ausdruck verwendet man hier zu Lande gern und oft. Denn er fängt die schwedische Identität sozusagen in der Nussschale ein. Übersetzt bedeutet Lagom in etwa angemessen, gerade richtig.

Lagom bedeutet: nicht zu gross und nicht zu klein, nicht zu kalt und nicht zu warm, nicht zu langsam und nicht zu schnell. Zugegeben, das klingt nicht unbedingt atemberaubend. Nichtsdestotrotz oder wohl gerade drum lieben die Schweden ihr Lagom heiss und innig, wie Åke Daun bestätigt, der bekannteste Forscher in Sachen schwedische Mentalität: ”Der Inhalt dieses Wortes ist für uns Schweden eindeutig und positiv. Im Englischen und im Deutschen beispielsweise spricht man ja sozusagen nur von zwei Masseinheiten, wenn man sagt: nicht zu gross und nicht zu klein. Aber wir haben eben ein ganz eigenes, einzelnes Wort dafür. Und das sicher deshalb, weil wir es einfach gut finden, wenn jemand oder etwas lagom ist. Wir mögen nun mal dass Massvolle, und das bringen wir auf diese Weise zum Ausdruck. So wie es ja in vielen Sprachen Wörter gibt, die die entsprechende Sprachgemeinschaft sehr wichtig findet und die schwer zu übersetzen sind.”

„Gesellschaftskrankheit”

Als weiteres Beispiel solch schwer übertragbarer und ebenfalls mit Lagom korrespondierender schwedischer Wörter nennt Åke Daun „sällskapssjuka”, was wörtlich „Gesellschaftskrankheit” bedeutet. Gemeint ist damit allerdings kein medizinischer Befund, sondern etwas, was anderernorts durchaus als positiv gilt: nämlich jene soziale, offene Art des Umgangs, wie man sie in vielen südlicheren Ländern findet.

Dass man gern und oft mit anderen zusammen ist, dass es dabei ungezwungen zugeht und dass viel und nicht unbedingt in gedämpfter Lautstärke geredet wird, betrachtet man in Schweden jedoch mit gewissem Befremden. In den Urlaubsländern mag es noch angehen, aber ein Schwede, der sich als sällskapssjuk outet, der ist eben schlicht nicht lagom genug.

Laut Sprachwissenschaft kommt der Ausdruck Lagom von „Lag”, also „Gesetz” oder „die rechte Ordnung”. Und bei allem Lagom schlagen sich die Schweden ab und an doch gern an die Brust und behaupten, kein anderes Volk unter der Sonne habe diesen genialen Ausdruck in seiner Sprache. Falsch, sagt Åke Daun. Das Japanische kennt eine Entsprechung, und zwar gleich in zweifacher Form, einer für feierliche und einer für mehr alltägliche Zusammenhänge. Kein Wunder, findet der Forscher, schliesslich seien die Japaner den Schweden in vielem ähnlich.

Das ist Schweden

Dazu Åke Daun: ”Auch bei ihnen zählen Zurückhaltung, Vorsicht und Stille, gerade in sozialen Zusammenhängen. Man sieht das nicht zuletzt in der japanischen Kunst, die, wie auch die schwedische, nach Balance und Harmonie strebt.” Lagom, das ist Schweden, so wie Schweden lagom ist, sagt Åke Daun. Man mag eben nicht die ganz grosse Geste, den ganz grossen Schritt. So gibt es denn auch nirgends sonst so viele Paare, die ohne Trauschein zusammenleben - man ist sozusagen lagom verheiratet, beinahe aber doch nicht ganz, und kann bei Missfallen die Sache mit lagom Aufwand beenden.

Und so leben denn die Schweden lagom bis ans Ende ihrer Tage? Keineswegs, meint der Forscher. Im Gegenteil lebe das Wort Lagom und das was man damit verbinde recht gefährlich im heutigen Schweden, das sich mit einer Geschwindigkeit verändert, die man beim besten Willen nicht mehr als lagom bezeichnen kann. Ein wichtiges Moment dabei: der stete Zustrom von Einwanderern, beispielsweise aus Lateinamerika oder dem Nahen Osten, wo man dem Massvollen keineswegs so massiv huldigt wie hier.

Schweden ist anders geworden

Åke Daun erklärt: ”Als die ersten Einwanderer in grossen Gruppen in den siebziger Jahren kamen, sagten viele Schweden: ”Wir sind ein Volk, das seine Ruhe liebt! Und nun kommen die hier mit ihren lauten Stimmen, sie sitzen in der U-Bahn und schreien einander an.” Aber inzwischen hat ja ein Fünftel unserer Bevölkerung seine Wurzeln im Ausland, da hat sich also einiges verändert. Ich denke aber, die Einwanderung ist gar nicht das Wichtigste. Ohnehin ist Schweden anders geworden. Wir sind stärker in internationale Zusammenhänge eingebunden, die Leute reisen viel mehr, und die Gesellschaft ist inzwischen individualisierter. Man muss sich behaupten und dabei auch mal lauter werden oder jemand anderen in der Diskussion unterbrechen, was vor sagen wir dreissig Jahren ja noch als grosse Sünde galt. Und die jungen Leute, die sind heute definitiv anders als vor dreissig Jahren.”

Weltgewandter, aufgeschlossener, sozialer

Die 18- bis 25 Jährigen seien weltgewandter, aufgeschlossener und sozialer, härter im Geben und im Nehmen als ihre Altersgenossen in früheren Generationen, sagt Åke Daun und verweist auf die nicht unbedeutende Rolle, die die Medien und vor allem das Fernsehen bei diesem langsamen Abschied von der Lagom-Mentalität spielen. Dass die hiesige Version von „Deutschland sucht den Superstar” zu den beliebtesten Programmen zählt, dass weder Publikum noch Darsteller des Mobbing-TVs müde werden, ist dafür wohl deutlicher Beleg.

Anne Rentzsch

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