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„Auch wenn Vati dich nicht sieht”

Publicerat fredag 9 februari 2007 kl 16.18

Die Schwierigkeiten von Jungen, die ohne ihren Vater als männliches Vorbild aufwachsen, sind in Forschung und Medien ausführlich beschrieben und diskutiert worden. Die Probleme, die Mädchen in derselben Situation haben, sind dabei weitgehend unter den Tisch gefallen.

Maria Bäck ist eine von ihnen. Sie hat einen Film gemacht, der Aufsehen erregen und „vaterlosen“ Frauen und Mädchen Mut machen soll:

Dokumentarischer Zeichentrickfilm
„Er hat seine Frau mitgenommen, zu unserer allerersten Begegnung“, erzählt eine zögernde Kleinmädchenstimme zu gezeichneten Bildern. „Das ist tatsächlich wahr! Sie ging hinter uns, als wir auf der Brücke spazieren gingen. Und dann sind wir zurückgegangen. Danach mussten die beiden dann dringend nach Hause fahren. Zweiundzwanzig Minuten. Wir haben uns ganze zweiundzwanzig Minuten getroffen.“

In dieser autobiografischen Episode war Maria Bäck 20 Jahre alt. Das erste und einzige Treffen mit ihrem Vater kam nur zustande, weil Maria versprach, danach nie wieder Kontakt mit ihm aufzunehmen.

Maria ist eine von schätzungsweise hundertausend Töchtern in Schweden, die ohne ihren Vater aufgewachsen sind. Von ihr und sechs anderen jungen Frauen in derselben Lage in Deutschland, Griechenland, Kanada und Spanien handelt ihr Film „Auch wenn Vati dich nicht sieht“. 

Lost daughters united
Die gebürtige Göteborgerin ist inzwischen 25 und wohnt in Kopenhagen und studiert. Sie will Dokumentarfilmerin werden. Maria reist auch durch die Lande, hält Vorträge und zeigt ihren Film. Damit will sie andern Frauen, die ohne Vater aufgewachsen sind, Mut machen. Das Bewusstsein für die Schwierigkeiten vaterloser Mädchen sei in den letzten Jahren größer geworden, versichert sie. Und das liegt sicher nicht zuletzt an der Homepage und dem Netzwerk, beide initiiert von Maria Bäck und beide mit dem Namen „Lost Daughters United“, vereinte, verlorene Töchter. Die Resonanz auf diese Initiative ist enorm. Zum Netzwerk gehören inzwischen mehrere Tausend Frauen und Mädchen.

Die „verlorenen Töchter“ haben vieles gemeinsam. Das zeigen ihre persönlichen Geschichten und Schicksale auf der Homepage:

„In mir ist ein großes schwarzes Loch, das mit der Zuwendung eines Vaters ausgefüllt sein sollte“, schreibt zum Beispiel die vierzigjährige Frederique. „Mein Vater hat uns verlassen, als ich ein halbes Jahr alt war. Meine Mutter war damals 17, er 32. Heute hat er vier Kinder mit vier verschiedenen Frauen.“

„Mein Vater ist so einer, der dich verlässt, sobald er eine neue Freundin hat. Dann existierst du für ihn nicht mehr. Am schwersten ist, dass alle sagen, ich seh’ ihm so ähnlich“, schreibt Rebbii. Als sie vier war, hat sie ein Puppenbett von ihm geschenkt bekommen. „Ich hab meinen Vati wirklich lieb“, schreibt die Zwölfjährige auf der Homepage, „aber manchmal frag ich mich warum.“

Maria Bäck fasst zusammen, was „Lost Daughters“ vereint: „Viele Frauen und Mädchen berichten, wie schwer es ihnen fällt, darüber zu reden, dass sie ohne Vater aufgewachsen sind. Ihren Freunden und Mitschülern mochten sie das meist gar nicht erzählen. Viele erleben auch einen Leistungsdruck. Sie haben das Gefühl, dass sie dem Bild der Tochter, die es wert ist geliebt zu werden, gerecht werden müssen.“

Mut und Trost
Aber, so trösten Maria und ihre Homepage, man kann sich von seinem Frust über die Vaterlosigkeit lösen. Sie selbst habe akzeptiert, dass sie keine Beziehung zu ihrem Vater aufbauen kann. Sie habe aufgehört darüber zu trauern, dass sie nie wirklich einen Vater gehabt hat.

Am wichtigsten sei, sich nicht selbst die Schuld zu geben. „Man darf diesen Mann nicht einfach nur als den Vater betrachten, der einen nicht haben will. Der einem persönlich das antut. Wenn ich schon traurig darüber bin, dass ich ohne Vater aufwachsen musste, dann sollte ich mich doch nicht obendrein noch lebenslänglich dafür bestrafen, indem ich erbärmliche Liebesbeziehungen habe und niemandem vertrauen kann. Das wär’ doch verdammt ungerecht!“

Maria Bäck erklärt, dass ihr eigener Vater ihre Mutter schon verlassen hatte als sie selbst zur Welt kam. Mit ihr persönlich hatte die Kontaktverweigerung des Vaters also überhaupt nichts zu tun. Und dennoch war es so schwer damit zu leben. Aber gerade hier scheint das Netzwerk eine wichtige Rolle zu erfüllen. Es vermittelt den Frauen und Mädchen ein Gefühl der Zugehörigkeit, das viele vermisst haben.

Verantwortung hat der Erwachsene
Auf der Homepage und im Film betont Maria, dass es nicht darum geht, Rache an dem Vater zu üben, der die Tochter nicht haben wollte. Es geht darum, sich nicht selbst für etwas verantwortlich zu machen, was der Vater getan hat. Weg mit allem Selbstmitleid, sagt das kleine Mädchen in ihrem Film: „Seit ich die schwierigste Aufgabe meines Lebens ausgeführt hatte, die Aufgabe, meinem Vater zum ersten Mal zu begegnen, hat sich vieles in meinem Leben verändert. Es fühlt sich so an, als ob ich aufgehört hätte zu warten. Als ob ich meine vermeintliche Schuld und Schande an ihn zurückgegeben hätte. Die Verantwortung, für eine Beziehung, die es nie gegeben hat, hätte ich nie übernehmen dürfen.“

Aber beweisen will Maria Bäck wohl immer noch etwas. Ihren Dokumentarfilm hat sie ganz alleine gedreht, ohne Team. Sie hofft, das er auf Filmfestivals gezeigt wird und damit die Situation der Frauen, die ohne Vater aufgewachsen sind, mehr Menschen zu Bewusstsein kommt. Aber bei allem Engagement, allmählich – so gibt sie zu - hängt ihr das Thema Väter doch ein wenig zum Hals heraus.

Sybille Neveling

http://www.lostdaughtersunited.org/

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