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Krimi-Kurs für künftige Bestsellerautoren

Publicerat fredag 11 maj 2007 kl 14.45

Sie gehört zu den „meistbeachteten Krimi-Schriftstellerinnen”, er ist „schon lange kein Geheimtipp mehr” - wenn es um die Vermarktung schwedischer Krimiautoren geht, kennen die Lobeshymnen der Pressestellen deutscher Verlage keine Grenzen. Und es könnten bald noch mehr schwedische Federn sein, die eifrig das Papier füllen. Jetzt wird das Krimischreiben hierzulande sogar schon in der Volkshochschule angeboten. Dort lernen talentierte Nachwuchsautoren, wie sie das richtige Maß Nervenkitzel in den Text bringen.

Sören Bondeson könnte selbst als englischer Kriminalkommissar durchgehen: kurze graue Haare, schwarzer Rollkragenpullover, schwarzer Aktenkoffer. Aus dem hat der schwedische Dozent gerade einen Stapel Papiere gefischt, Übungsaufgaben zum Romanaufbau für seine eifrigen Schreibschüler.

”Zuerst baut man ein Szenario auf”, erklärt Bondeson. Entweder auf einem großen Blatt Papier oder mit Hilfe kleiner Haft-Zettelchen. Da beschreibt man die Handlung und zeichnet die Charaktere. Dann bricht man das alles runter auf verschiedne Szenen. In einem Roman gibt es vielleicht 150 Szenen, die beschrieben werden müssen. Manche machen das auch mit Exel am Computer, ich nehme ein Blatt Papier, dann fange ich an zu schreiben.”

Spuren, die am Ende zusammen führen

Kursteilnehmerin Viveca Sten hängt an den Lippen ihres Dozenten. Die Schwedin könnte bei Derrick die Ehefrau des Mordopfers spielen: Lila kariertes Wolljackett, Diamanten am Finger, die Nägel klar lackiert. ”Als Juristin interessieren mich Bücher mit einer Struktur. Mit einem Anfang, einem Ende, einer Logik dahinter. Mit einer Anzahl von Spuren, die am Ende zusammen führen”, erzählt sie. 

Viveca Sten hat sich bereits am Schreiben versucht. Die Spuren ihres ersten Romans führen im Wasser zusammen. Davon hat Stockholm bekanntlich reichlich. Im Seglermilieu, zwischen Tausenden von Schäreninseln spielt ihre Geschichte: Ein angesehener Jurist, Teilnehmer der Segelregatta „Gotland runt” wird zeitgleich mit dem Startschuss des Wettbewerbs gemeuchelt - Idylle und Grauen liegen nah beieinander, sagt Sten: ”Wenn man sich irgendwo befindet, wo es sehr schön ist, wo eine entspannte Atmosphäre herrscht - da rechnet man am wenigsten mit dem Verbrechen. Doch hier schlägt der Tod zu. Man ist nirgendwo sicher. Niemals.”

Scheinbar idyllische Oberfläche

Vielleicht ist es das, was die Deutschen an schwedischen Krimis so lieben, das Dunkle, das unter der scheinbar so idyllischen Oberfläche liegt. Vielleicht hängt es aber auch damit zusammen, dass schwedische Literatur in Deutschland überhaupt recht erfolgreich ist, meint Lehrer Bondeson. Doch es gibt mittlerweile auch kritische Stimmen im eigenen Land. Als Nachwuchsautorin Camilla Läckberg jünst ihren jüngsten Kriminalroman „Tyskungen” vorstellte, platzte Rezensentin Maria Edström vom schwedischen Rundfunk der Kragen. Zu viel Windelwechseln und Familienprobleme, zu wenig gute Literatur.

”Camilla Läckberg ist eine dieser neuen Krimiköniginnen, vom Stil her auf dem Niveau eines besseren Schulaufsatzes: Ordentlich, konventionell, rund und klar geschrieben. Ihre Figuren haben Ernst in der Stimme, sehen fragend aus, nicken zustimmend, gucken komisch, sprechen lahm oder rücken irritiert ihre Frisur zurecht und einem selbst kann das noch nicht mal ein ’na sowas’ entlocken”, echauffierte sich Edström.

”Die Regierung vertuscht regelmässig”

Dabei gäbe es durchaus einige unaufgeklärte Fälle aus der Vergangenheit, die die Phantasie der jungen Kriminalisten beflügeln könnten. Nicht nur der Mord an Ministerpräsident Olof Palme, auch der Untergang der Ostseefähre Estonia, die vor ihrem Sinken zum Transport von Militärmaterial aus den alten Ostblockstaaten genutzt wurde.

Der schleppende Einsatz für gestrandete Schweden nach der Tsunamikatastrophe ist ein weiteres Beispiel für schwedische Verdunklungstaktik, sagt Lehrer Sören Bondeson: ”Die schwedische Regierung ist Experte im Vertuschen. Die Elite des Landes ist sehr klein, das ist ein geschlossener Kreis aus Wirtschaft und Politik, der eng miteinander verbandelt ist. Da wurden schon viel unter den Teppich gekehrt. Für schwedische Krimiautoren gibt es da genug Stoff.”

Viel Zeit zum Nachdenken

Die Kursteilnehmer haben inzwischen ihre Texte vorgenommen. Magnus kritisiert Vivecas Kapitel. Der drahtige Enddreißiger lobt die detailgetreue Darstellung, findet aber die Personen zu schwach gezeichnet. Viveca macht sich fleißig Notizen am Rand ihres Manuskriptes. Im März nächsten Jahres kommt ihr erster Kriminalroman in Schweden raus, vielleicht erscheint sie irgendwann sogar einmal in Deutschland.

Dass es immer wieder schwedische Krimiautoren in Deutschland auf die Besteller-Listen bringen, das könnte auch mit dem Klima zu tun haben, so Sten: ”Schweden ist ein ziemlich dunkles Land. Und an diesen dunklen Winterabenden, wenn die Sonne schon um zwei Uhr am Nachmittag hinter dem Horizont verschwindet, da haben wir viel Zeit nachzudenken, über das Gute und das Böse.”

Agnes Bührig

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