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Körperliche Züchtigung - eine rassistische Debatte?

Publicerat fredag 18 maj 2007 kl 10.54
Kinderombudsman Lena Nyberg

Schweden war das erste Land, das die körperliche Züchtigung von Kindern per Gesetz unter Strafe stellte. Seit 1979 sind 19 weitere Länder dem schwedischen Vorbild gefolgt. Doch ausgerechnet in Schweden, dem Musterland der Kinderfreundlichkeit, geht der Trend nun wieder in die andere Richtung. Vor allem in Einwandererfamilien ist das körperliche Züchtigen von Kindern stark verbreitet. Der Kinderschutzverein steht dem Problem machtlos gegenüber - meint er zumindest.

Der 16jährige ‚Liman’, der in Wahrheit anders heißt, stammt aus einer somalischen Familie. Seine Eltern kamen Anfang der 1990er Jahre als Bürgerkriegsflüchtlinge nach Schweden und achten seither besonders darauf, ihre Kinder somalisch zu erziehen. Dagegen ist per se nichts einzuwenden, wenn nicht auch körperliche Züchtigung einen zentralen Bestandteil der Erziehung ausmachte. Denn aus dem geschlagenen Kind könnte bald ein schlagender Vater werden. So war es schon bei ‚Limans’ Vater: „Er selbst wurde als Kind auch geschlagen. Mich schlägt er, damit ich Disziplin lerne und mich anständig benehme.”

Regelmäßig wurde ‚Liman’ von seinem Vater krankenhausreif geprügelt; so oft, dass es ‚Limans’ Geschwister irgendwann nicht mehr mit ansehen konnten und die Polizei riefen. Einsatzleiter Per Solfbergs hatte an dem betreffenden Nachmittag Bereitschaftsdienst: „Wir warteten eine Weile an der Haustür. Als wir nichts hörten, wollten wir das Haus wieder verlassen. Doch da kamen die jüngeren Geschwister hinter uns her und zogen uns flehend ins Haus zurück. Drinnen lag der älteste Sohn auf dem Boden. Er war vor Angst in Ohnmacht gefallen.”

„Die Tränen rannen unter der Mütze hervor”
Auch in der Schule war ‚Limans’ Leiden nicht unbemerkt geblieben. Seine Lehrerin Margareta Spåmans Öst erinnert sich: „Er zog einfach nur seine Mütze ins Gesicht, um seine Tränen zu verdecken. Dann erzählte er, dass ihn sein Vater geschlagen hatte.”

Die Sozialbehörden konnten vor dem Fall nicht mehr die Augen verschließen und heuerten einen Psychologen an - für den Vater, denn der sei offenkundig mit der Erziehung seines Sohnes überfordert. ‚Liman’ selbst aber bedürfe keiner besonderen Hilfe, er könne in der Obhut seines gewalttätigen Elternhauses bleiben, hieß es.

Beifall von somalischen Kulturverbänden
Beifall für diese Entscheidung ernteten die Behörden von einigen somalischen Kulturverbänden. Es sei ungerecht, die Schläge des Vaters mit Kindesmisshandlung gleichzusetzen, argumentiert zum Beispiel Mohammed Huseen, der als Somalischlehrer arbeitet: „Man muss seine Kinder zwar nicht misshandeln, aber wir haben eben andere Erziehungsmethoden als die Schweden.”

Seit 28 Jahren ist das Schlagen von Kindern in Schweden verboten, doch von diesem Pioniergesetz zum Kinderschutz profitieren längst nicht alle Minderjährigen. Vorsichtige Schätzungen lassen erahnen, in welchen Teilen der Gesellschaft körperliche Züchtigung zum Erziehungsalltag gehört: eher bei den Einwanderern als bei den ethnischen Schweden.

Angst, als Rassist zu gelten
Dennoch weigerten sich viele, dieses Problem überhaupt als solches zu erkennen, erklärt der Sozialarbeiter Imre Gungür: „Die Schweden haben Angst, für Rassisten gehalten zu werden. Das macht uns die Arbeit äußerst schwer. Die Leute trauen sich nicht, andere Verhaltensweisen offen in Frage zu stellen.”

Nach Ansicht von Sozialarbeiter Gungür müssen die Kinderschutzorganisation „Rädda Barnen” und andere Interessensgruppen für Kinder endlich Klartext sprechen. Es gehe nicht darum, alle Einwanderer als Gewalttäter über einen Kamm zu scheren, sondern den unterschwelligen Rassismus in der schwedischen Gesellschaft zu bekämpfen. Denn, indem man körperliche Züchtigung in somalischen Familien mit Kulturunterschieden entschuldige, gestehe man Einwandererkindern weniger Rechte als schwedischen Kindern zu, wettert Gungür.

„Nicht unsere Aufgabe”
Solche Kritik hält Lars Carlsson von „Rädda Barnen” für vollkommen überzogen: „Manche verlangen von uns, dass wir einzelne Gruppen an den Pranger stellen. Aber das ist nicht unsere Aufgabe. Wir wollen in erster Linie betroffenen Kindern helfen. Wir werden uns nicht auf die Barrikaden stellen und rufen: Einwanderer schlagen ihre Kinder häufiger als Schweden.”

Auch Kinderombudsman Lena Nyberg weigert sich beharrlich, Gewalt in Einwandererfamilien konkret zu benennen. Sie fürchtet, damit rassistischem Gedankengut Vorschub zu leisten: „Gewalt gegen Kinder wird von der Gesellschaft insgesamt nicht ernst genug genommen. Berichte über geschlagene Kinder könnte man über alle Gesellschaftsgruppen machen. Gleichzeitig trauen sich die wenigsten Bürger, bei Gewalt gegen Kinder einzuschreiten. Wir brauchen zunächst einmal klare Statistiken, welche Gruppen tatsächlich Risikogruppen sind. Dann können wir etwas tun.”

Konkret bedeutet dies: Für geschlagene Kinder aus Einwandererfamilien wird Schweden auch in Zukunft nicht mehr tun. Der Kinderschutz bleibt somit für viele ein pures Lippenbekenntnis.

Alexander Schmidt-Hirschfelder

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