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Ein Alltagsschriftsteller aus Nordschweden

Publicerat fredag 18 maj 2007 kl 11.18
Kann man hier überleben?

Er schreibt Bücher, die man eigentlich nicht lesen kann. Zumindest nicht am Stück. Denn wer schafft es schon, über 400 Seiten durchzuhalten, die sich nur um Schnee drehen, oder Feuer? Yngve Ryd aus Jokkmokk in Nordschweden hat bisher 16 Bücher geschrieben: über Holztransport mit Pferden, den Bau samischer Hütten, Schnee, Feuer und Rentiere. Der 55-Jährige bezeichnet sich selbst nicht als Schriftsteller: Er schreibe ja nur das auf, was andere ihm erzählten.

Das Wasser im Kessel auf dem Herd köchelt. Der Kaffee ist gleich fertig. Zuhause bei Nils-Henrik Gunnare in Jokkmokk. Er serviert Yngve Ryd mal wieder ein Tässchen. Der 80-jährige Rentierzüchter - inzwischen hat er sich zur Ruhe gesetzt - und der 55-jährige Schriftsteller haben ungezählte Tassen Kaffee zusammen getrunken.

„Wir haben oft hier am Tisch gesessen. Herggott, wie oft wohl?”, erinnert sich Nils-Henrik. „Aber, stressig war das nie.” Und Yngve ergänzt: „Ich muss schon sagen, das wäre nicht mit jedem gegangen. Man muss ja gerne erzählen und der ganzen Fragerei nicht überdrüssig werden. Manche nervt das schon. Deshalb war es wichtig, Menschen zu finden, die mit grossem Eifer den Dingen auf den Grund gehen wollen.”

„Genau”; meint Nils-Henrik. ”Man erinnert sich ja nicht an alles mit einem Mal.”

Von Generation zu Generation

Je mehr der neugierige Bücherschreiber fragte, desto besser erinnerte sich der Rentierzüchter. Nils-Henrik hat erzählt und demonstriert, wie man Fische fängt, mit der Schlinge. Das geht nicht überall, der Fisch muss fast stehen, dann kann man sich lautlos nähern und - schwupps - ist er gefangen.

„Dieses alte Wissen ist ja von Generation zu Generation aufgebaut und weiter gegeben worden”, erklärt Yngve Ryd. „Diese Volks-Naturwissenschaft oder das Wissen um das Leben in der Natur, besteht aus unendlichen Details. Und kaum etwas davon ist aufgeschrieben worden.”

Wie das Feuer. Ohne Feuer kein Überleben im Wald und Gebirge. Feuer anmachen, bei Sturm, Regen, Schneefall - allein dies ist eine Natur-Wissenschaft für sich. Yngve Ryd hat versucht, auf 423 Seiten die samische Kunst des Feuermachens zu beschreiben. Dafür war er mit Nils-Henrik und anderen Rentierzüchtern im Wald und im Gebirge, bei jedem Wetter, um es selbst auszuprobieren.

Der beste Brandbeschleuniger

Draussen auf einer kleinen Anhöhe im Wald bei Jokkmokk, nun will Yngve Nils-Henrik auf ein Tässchen Kaffee einladen, gekocht natürlich am Feuer.  „Jetzt hast du das richtige Holz gefunden!” Nils-Henrik hat schon mal mit der Birkenrinde begonnen, während Yngve sich noch am Bach im Gestrüpp zu schaffen macht. „Das Holz legt man so Schicht auf Schicht, dass etwas Luft drunterkommt”, erklärt Nils-Henrik.

Und Yngve kommt etwas atemlos mit einem Arm voll Salweiden-Zweigen zurück. Birke und Weide sind richtig gutes Feuerholz, Birkenrinde der beste Brandbeschleuniger überhaupt. Es nieselt ein bisschen. Das Feuer knistert nach einer Minute. Der Kaffee wird gleich fertig sein.

Es ist das einfachste Feuer überhaupt. Dann gibt es noch Feuer aus Kiefer, damit sollte man vorsichtig sein, weil das schnell Funken schlägt. Wacholderäste eignen sich vorzüglich zum Feuermachen in der Nässe: Das Holz wird nämlich innen nicht feucht. Spendet zuverlässig Wärme im Winter. Und ist ein super Ersatz für Birkenrinde als Anzünder, in kleine Späne geschnitten, Streichholz dran, zündet es direkt.

24 Stunden Wärme

Und dann hat Yngve Ryd in seinem Buch noch ein Feuerchen beschrieben, dass wirklich niemand ohne professionelle Anleitung ausprobieren sollte. „Auf Glut zu schlafen ist eine sehr alte Kunst. Das haben Rentierzüchter über all die Jahrhunderte getan. Im Gebirge gab es keine Hütten, man musste draussen schlafen. Es ist aber auch lebensgefährlich, die Glut kann Feuer zünden. Man schläft auf einem Pulverfass. Ein kleiner Luftzug, das Reisig beginnt etwas zu brennen, und die Flammen zünden sofort. Das Reisig auf der Glut ist wie Dynamit”, erzählt Ryd.

Nils-Henrik Gunnare hat das erste Mal mit zehn Jahren im Glutreisig-Bett geschlafen: „Das macht man im Weidengestrüpp. Man schichtet einen hohen Haufen an Weidenreisig. Die Weidenglut hält 24 Stunden warm, es bildet sich Asche auf der Glut. Darauf wird das Reisig gebettet.”

Was so einfach klingt, hat natürlich noch seine Tücken, wie geschichtet wird, damit kein Luftzug das Bett zum Brennen bringt. Wie bereits erwähnt: Nachahmen ist absolut nicht empfehlenswert.

Teil der ewigen Wahrheit

Der Kaffee ist fertig, der Bücherschreiber und der Rentierzüchter plaudern über Sinn und Unsinn von Überlebenskursen in der Wildnis, und warum so selten das uralte Wissen der Ureinwohner nachgefragt wird. Yngve Ryd jedenfalls tut das. Weil er in den einfachen wie schweren Dingen des Überlebens in der Natur etwas Fundamentales sieht.

„Dieses alte Wissen ist ewig. Tanz und Lieder haben mich nie sonderlich interressiert. Das ist doch beliebig. Man kann ein Lied dichten und ein zweites, was macht das schon. Beim Feuermachen aber, gibt es unendlich viele Details zu beachten und man kann viel variieren. Das kann man aber nicht beliebig machen, dann gibts keine Flammen. Das ist eine Art ewige Wahrheit, und das ist faszinierend.”

Das Feuer verglüht so langsam, es nieselt etwas mehr. Yngve Ryd will noch viel mehr altes Wissen niederschreiben: Wie man über einen Sumpf geht, ohne einzugehen, wie man Wege im Wald findet, die man nicht sieht. Wie man weiterkommt also und einen Teil der ewigen Wahrheit findet.

Katja Güth

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