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Paradigmenwechsel: Immer mehr Schweden wählen Privatversicherung

Publicerat tisdag 22 maj 2007 kl 14.40
Schnelle Behandlung im Krankenhaus: nur noch eine Sache der finanziellen Möglichkeiten?

Wenn es um Gesundheit und Pflege geht, macht Schweden einen äußerst kränklichen Eindruck. Jahrelange Wartezeiten, bis ein Patient überhaupt in die Nähe eines Facharztes kommt, sind keine Seltenheit. In der Folge liegt Schweden an der Spitze bei den Langzeitkrankschreibungen. Wie das Schwedische Fernsehen nun meldet, haben viele Bürger die Warterei satt und lassen sich privat versichern. Die großen Versicherungen verzeichnen insgesamt einen Kundenzuwachs von 50 Prozent. Damit zeichnet sich in Schweden ein Paradigmenwechsel ab, denn normalerweise sind alle Schweden in der allgemeinen Krankenkasse versichert. Privatversicherungen galten bislang als absolut unüblich. Ist Schweden damit in Sachen Gesundheit bei der Zwei-Klassen-Versorgung angekommen?

Bei einem Unfall renkte sich Tobias Manell die Schulter aus, trotz Wiedereinrenken hatte der EDV-Berater weiter starke Schmerzen. „Angerufen habe ich schon vergangene Woche, aber erst diese Woche bin ich dann auch hingegangen. Das ist einer der großen Vorteile einer Privatversicherung, dass man schnell einen Termin bekommt.“

Wirkungslose Pflegegarantie

Ein Termin beim Orthopäden nach ein paar Tagen? Davon kann ein Großteil der schwedischen Bevölkerung nur träumen. Dabei gibt es seit 2006 die so genannte Pflegegarantie. Stolz verkündete die damalige sozialdemokratische Regierung, dass jeder innerhalb von schon 90 Tagen einen Termin beim Facharzt bekommen solle und spätestens nach weiteren 90 Tagen eine entsprechende Therapie.

Im Klartext: Ein Patient verschleppt im Zweifel seine Krankheit bis zu einem halben Jahr. Und noch betrüblicher: Nur in dreiviertel der Krankheitsfälle können die Provinzialregierungen die Pflegegarantie überhaupt einhalten. Trauriges Schlusslicht ist die Region Gävle: Ganze drei Jahre wartet dort ein Patient auf den Termin beim Facharzt.

Immer mehr Arbeitgeber – darunter auch Kommunen - versichern nun ihre Angestellten privat. In manchen Fällen muss der Arbeitnehmer zuzahlen, in anderen übernimmt der Arbeitgeber die gesamte Versicherungsprämie. Bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Öhrlings sind das immerhin gut 300 Euro pro Arbeitnehmer und Jahr.

„Auf lange Sicht führt das hoffentlich dazu, dass wir gesündere Mitarbeiter haben“, meint Personalchefin Petra Schedin Stergel. „Wir halten das für eine sinnvolle Investition. Einerseits kümmern wir uns um die Angestellten, andererseits können wir zeigen, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind. Dafür lohnt sich die Ausgabe.“

„Stopp-Gesetz” abgeschafft

Etwa 260.000 Personen haben in Schweden inzwischen eine Privatversicherung – mehr als doppelt so viele wie noch vor zweieinhalb Jahren. Und auch bei den Krankenhäusern tut sich einiges in Sachen Privatisierung. Kürzlich entschied der Reichstag, das so genannte „Stopp-Gesetz“ abzuschaffen. Damit dürfen ab Juli auch Universitätskliniken gewinnorientiert arbeiten, sie waren bislang in öffentlicher Hand. Und damit sei der Kampf um den bestzahlenden Kunden eröffnet, klagen besonders die Sozialdemokraten.

„Gute Krankenpflege für alle”

Für den christdemokratischen Sozialminister Göran Hägglund nichts als Schreckpropaganda: „Mein Ziel ist nicht eine schlechte Krankenpflege für alle, sondern ich will, dass sie für alle gleich gut ist und alle gleichermaßen Zugang dazu haben. Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass verschiedene Akteure ihren Beitrag leisten können – ideelle Organisationen wie Privatunternehmen.“ 

Ob tatsächlich nur die Dicke des Portemonnaies über Krankheit und Gesundheit entscheidet, wie von Kritikern befürchtet, wird sich zeigen. Über mehr Möglichkeiten für schnellere Behandlung dürfte sich der einzelne Patient jedenfalls freuen.

Liv Heidbüchel

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