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Wie die Blume, so der Mensch

Publicerat fredag 29 juni 2007 kl 12.45

Topfblumen spielen eine größere Rolle als wir uns das vielleicht vorstellen. Sie geben nicht nur Küchen und Wohnzimmern Stil und Ambiente, sie sagen auch viel über die Gesellschaft aus. Das hat der Ethnologe Clas Bergvall von der Universität Umeå in seiner Doktorarbeit über die kulturelle Bedeutung von Topfpflanzen herausgefunden.

„Die Menschen bilden ihr Leben in ihren Topfpflanzen ab und das Leben spiegelt sich in den Topfpflanzen wider”, erklärt der Ethnologe Clas Bergvall die Symbiose. „Die meisten pflegen ihre Blumen gern und empfinden das auch als sinnvoll. An sich haben diese Gewächse ja keine Bedeutung. Aber sie werden wichtig, weil wir ihnen eine Bedeutung zuschreiben.”

Und wenn wir einer Sache Bedeutung zumessen, dann geben wir auch Geld für sie aus. Ein Durchschnittsschwede kauft 14 Pflanzen pro Jahr. Kostenpunkt rund 80 Euro.

Ihre Rolle als Statussymbole haben Topfpflanzen lange ausgespielt. Die hatten sie im 18. Jahrhundert, als der Adel stattliche Orangerien für exotische Zitronenbäume, Palmen und Orchideen bauen ließ. Allmählich sickerte das grüne Wohngefühl auch zu den unteren Gesellschaftsschichten durch und Anfang des vorigen Jahrhunderts brauchte ein Fikus im Salon dann auch nicht mehr auf einem wackeligen Blumentisch zu balancieren. Die Fensterbank war erfunden und die Normalschwedinnen Frau Svensson und Frau Johansson schafften sich Topfpflanzen an, meist indem sie Ableger schnorrten und Gewächse tauschten und verschenkten.

Trophäen und Erinnerungsstücke

Als Trophäen und Erinnerungsstücke gewannen die Blumen zunehmend Bedeutung. Nicht selten werden die Gewächse mit bestimmten Familienereignissen verbunden: „Topfpflanzen die man zur Hochzeit bekommt sind keine Seltenheit. Ihre Besitzer pflegen sie oft hingebungsvoll als Symbole der gemeinsamen Beziehung.”

Hibiskus, Myrte, Fuchsie, Geranie, Fleißiges Lieschen, Usambarafeilchen und Kaktus gehören zu den Klassikern in Schweden. In jeder schwedischen Wohnung stehen im Durchschnitt 30 Topfpflanzen. Clas Bergvall stützt seine Untersuchung teils auf Material, das das Nordische Museum in den Siebzigerjahren gesammelt hat und teils auf eigene Interviews. Und so beschrieben einige Blumenliebhaber ihr Verhältnis:

„Meine Topfblumen sind wie alte Freunde für mich.”
„Eine Halb-tote darf man nie wegwerfen! Sie lebt ja noch ein bisschen.”
„Auf künstliche Blumen zuhause würde ich allergisch reagieren.”
„Es tut gut, sich mit Topfpflanzen zu umgeben. Dieses Djungelgefühl bringt mich der Natur näher.”

Clas Bergvall erzählt, dass ein Gespräch über Topfblumen oft ein unerwartet direkter Einstieg ins Seelenleben einer an sich fremden Person ist. Viele Menschen haben ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Topfpflanzen und wenn sie über ihre Gewächse sprechen, erzählen sie auch viel über sich selbst.

Mit Pflanzen sprechen

Besprühen, Begießen, Düngen und Umtopfen, die meisten Menschen empfinden diese Tätigkeiten nicht als mühsam, hat der Ethnologe festgestellt. Im Gegenteil, die Pflanzen zu umhegen ist für viele reine Entspannung. Und noch ein Vorteil: „Mit Pflanzen zu sprechen ist interessant! Sie widersprechen einem nicht. Eigentlich ist es ja ein Gespräch, das man mit sich selbst führt. Gleichgültig um welche Pflanzenarten es sich handelt, sie wecken Reaktionen bei uns. Die einen duften, die anderen pieken, und sie verändern ihr Aussehen. Sie geben uns immer neue Eindrücke und das aktiviert uns.”

Die Beziehung zu Topfpflanzen ist so wie die zu allem anderen Lebendigen: Manche Beziehungen pflegen wir sorgfältig, andere lassen wir langsam einschlafen - sei es aus Uninteresse oder aus Abneigung. Persönlich mag Clas Bergvall Geranien und viele Schweden möchten - genau wie er - einfache und rustikale Topfblumen, die Knospen bekommen, blühen und verwelken. Die man leben und altern sieht. Was hat der Ethnologe selbst zuhause auf der Fensterbank?

„Das hier ist ein Cissus. Und hier ein Geldbaum. Und ein Benjaminfikus. Und hier mit den knallroten Blüten eine Flamingoblume. Die hab ich von meinen Eltern zum Geburtstag bekommen. Und was das hier ist, das weiß ich auch nicht”, gibt er bedauernd zu.

Damit ist es also wissenschaftlich bewiesen: Topfpflanzen haben eine existentielle Bedeutung für unser Dasein - auch wenn wir sie nicht alle beim Namen kennen.

Sybille Neveling

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