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Kurdischer Comedian: (un-)korrekter Spaß

Publicerat fredag 17 augusti 2007 kl 12.43

Özz Nûjen war acht Jahre alt, als seine Familie Anfang der 80er Jahre vor türkischer Unterdrückung nach Schweden floh. Heute wird der gebürtige Kurde, Jahrgang 1975, von seinen Fans als hemmungsloser Standup-Komiker verehrt. Mit politischen und zum Teil auch harten Scherzen über Muslime, Alltagsrassismus und Geschlechterfragen, hält er seinen von Harmonie und Anpassung geprägten Schweden den Spiegel vor.

Vom Schimpansen hat der Kurde das Fell geerbt, freut sich Özz Nûjen und streift sich feixend das T-Shirt hoch. Für eine gute Pointe bringt der Komiker den vollen Körpereinsatz. Mit Erfolg: Das Publikum im Stockholmer Club Tivoli zeigt sich von der imposanten Brustbehaarung schwer beeindruckt.

Özz ist nichts heilig, aber auch gar nichts. Er macht sich über die Königsfamilie lustig, das Luciafest, die Nobelpreise, schwedisches Mittelmaß. Und liebend gern auch über die eigene kurdische Verwandtschaft.

Schwerer Beginn

Özz Nûjen in seinem Lieblingscafé im Stadtviertel Kungsholmen, ganz entspannt und mit einen dampfenden Café Latte vor der Nase. Der Anfang war nicht leicht, erzählt der athletische Mittdreißiger. Seine vier jüngeren Geschwister haben es zu Ärzten, Anwälten und Bankern gebracht. Der Vater fährt Taxi und zeichnet am Abend Karikaturen für kurdische Zeitungen. „Er hat sich für uns aufgezehrt und selbst immer nur zurückgesteckt”, sagt Özz und schiebt sich eine dunkle Strähne aus dem Gesicht. Die Berufswahl des Sohnes gefiel dem Vater erst gar nicht.

Doch inzwischen habe er sich daran gewöhnt, dass der Sprössling Geld damit verdient, ausgelacht zu werden: ”Standup-Comedy ist eine schwierige aber auch ungemein faszinierende Bühnenkunst. Da bist nur du und dein Material. Der Funke muss überspringen. Mein erster Auftritt lief wunderbar, der zweite war eine Katastrophe. Wenn man Scherze macht, dann muss man über sämtliche Grenzen gehen. Aber immer mit einem Funkeln in den Augen. Ich will nicht einfach nur unterhalten, sondern die Leute auch in Aufregung versetzen. Hinter vielen meiner Scherze steckt ein tiefer Gedanke.”

Brücken bauen

Das Lachen und die politisch inkorrekten Witze über Einwanderer und ihre unzähligen Kinder, ihre für schwedische Ohren seltsame Musik und Aussprache, das baut Brücken, meint Özz: ”In der Wahrnehmung der Schweden sind Einwanderer entweder bedauernswerte Flüchtlinge oder finstere Banditen aus der Sendung ’Efterlyst’, dem schwedischen Pendant von ’Aktenzeichen XY ungelöst’. Wenn ich meine Witze über Muslime und Kurden reiße, dann hören mir die Leute zu. Der Humor ist für mich ein Schlüssel zur Integration.”

Am Abend sitzt Özz im Schneideraum seiner Produktionsfirma und begutachtet die jüngste Episode seiner Sendung „Veteran-TV” im schwedischen Schulfunk UR. Das unermüdliche Energiebündel führt viele Leben: Özz ist nicht nur Komiker, sondern auch als Schauspieler, Moderator und Filmemacher präsent. In der Fernsehserie begegnet der Reporter Özz der 75-jährigen Rentnerin Johanna: ”Wir folgen der alten Dame in ihre Laube in der Kleingartenkolonie, wo sie im Sommer einige Monate lang lebt. Wir wollen zeigen, dass alte Leute auch ein Leben haben. Die werden in Schweden einer ungeheuren Diskriminierung ausgesetzt. Keine Reklame richtet sich an sie, mal abgesehen von den Windeln gegen Inkontinenz. Immer kreist alles nur um die Jugend. Ich hoffe, unsere Einstellung zum Alter verändert sich.”

Kreativität und Beharrlichkeit 

Die populäre Serie ist nur eine der vielen Ideen, die dem Multitalent Özz Nûjen im Kopf umgehen. Auch in den Medien, freut er sich, seien die neuen Schweden gewaltig auf dem Vormarsch: ”In den letzten Jahren hat sich viel getan. Das liegt auch daran, dass es solche wie ich ins Fernsehen geschafft haben. Das haben wir unserer Kreativität und Beharrlichkeit zu verdanken. Niemand hat uns was geschenkt. Leicht ist das nicht, in ein Land zu kommen, es zu seiner Heimat zu machen und dann Marktanteile zu besetzen. Ich will mich einmischen und meinen Platz einfordern. Denn wenn ich ein Teil dieser Gesellschaft bin, dann will ich das auch im Programm sehen.”

Alexander Budde

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