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Schweden hinter der harmlosen Fassade: Lars Noréns „Fördold” im Dramaten

Publicerat tisdag 18 september 2007 kl 15.41

Lars Norén heißt Schwedens berühmtester Dramatiker. Gesellschaftskritisch, düster, oftmals bitter sind seine Stücke. Wenn die Schweden Worte für eine schlechte Ehe suchen, sagen sie: Es ist wie bei Norén. Nun hat im Königlichen Dramatischen Theater in Stockholm Noréns jüngste Milieustudie Premiere gefeiert. In „Fördold” („Verborgen”) heftet Norén einmal mehr seinen scharfen Blick auf die Abgründe der schwedischen Gesellschaft.

Vergessen sind die Zeiten als die Vorstadt noch für den unaufhaltsamen Fortschritt stand, für Wohlfahrt und Moderne. Im Schweden von heute haben sich die sozialen Utopien der Stadtplaner längst in einen Stein gewordenen Alptraum verwandelt.

Die Siedlungen des so genannten „Millionenprogramms” wurden zu Symbolen für gescheiterte Integration, Einsamkeit und Verwahrlosung, den sozialen Abstieg auch der Mittelklasse.

Auf der Bühne des Dramaten markieren Schiebetüren vor schwarzer Kulisse Fassaden und U-Bahn-Schächte. Noréns Drama kreist um drei Paare, Nachbarn in einem Vorort der Mittelklasse, wo die Wohnsilos so grau sind und so verwirrend gleich, dass man sich darin verlaufen kann. 49 kurze Szenen enthüllen auf den ersten Blick Alltägliches: Begegnungen im Hausflur und im Supermarkt, Streit um den Elterntreff und die Flugpreise von Ryanair.

Eine Grausamkeit jagt die nächste
Doch hinter der trivialen Blitzbelichtung bricht immer wieder das Verborgene durch, in seltsamen Regungen und regelrechten Alptraumszenen. Allzu vieles hat Norén in die drei Stunden hineingepackt: Alkoholismus, Untreue, Spielsucht und verwahrloste Kinder. Da ist der arbeitslose Vater, der die Nächte mit Webcam-Pädophilie im Internet verbringt, mit der eigenen Frau im Bett aber nicht mehr viel anfangen kann.

Dafür nehmen die Übergriffe auf die minderjährige Tochter zu und bestürzt fragt man sich, wo als nächstes die Psychose ausbricht und ob die Inzest-Phantasien wohl im Kopf bleiben. Und da sind Metta und Mehmet, die zwischen hysterischer Leidenschaft und gekränkter Sprachlosigkeit hin und her pendeln, vereint in Trauer um ein nie geborenes Kind. Und doch ein Paar, mit dem man hoffen darf, meint Livia Millhagen, die im Stück die Metta gibt: ”Sie wollen sich erreichen, sie interpretieren die Worte buchstäblich ohne darauf zu achten, was der andere wirklich tut. Beide plagen sich mit diesen Todespfeilen und sind doch unglaublich abhängig voneinander.”

Sie ist egozentrisch bis zum Abwinken. Er auf der anderen Seite muss den Märtyrer geben. Dabei versuchen sie immer, sich nahe zu kommen, wenn auch auf eine überaus ungeschickte Weise.

Stich ins Herz der schwedischen Sozialdebatte
Als Theater-Berserker ist Norén vor allem ein Meister des hyperrealistischen sprachlichen Pingpong-Spiels, mit einem ausgeprägten Gefühl für die Nuancen und Wendungen der Wörter, schwärmt Regisseur Staffan Roos: ”Lars Norén untersucht, welche Strategien wir Menschen im Umgang miteinander haben, wie wir miteinander überleben. Das ist in seinen Stücken fast immer ein beklemmendes Gefühl, denn er hat ein unglaubliches Gespür für das Wort und in diesem Fall für die Lügen, die wir brauchen, um andere anzugreifen oder ihnen weiß zu machen, dass etwas nicht stimmt. Das ist das Verborgene in diesem Stück.”

In den 80er Jahren thematisierte Lars Norén die Verlogenheit bürgerlicher Familien, in den 90er Jahren konzentrierte er sich auf das Leben der sozial Ausgestoßenen, Anfang des neuen Jahrhunderts beschäftigte sich der wichtigste schwedische Dramatiker mit dem Thema Auslöschung - Tod und Abschied. Auch mit seinem neuen Stück trifft er wieder einmal ins Herz der schwedischen Sozialdebatte.

Noch düsterer: Stück über Anna Politovskaja
Der Premiere konnte Norén übrigens selbst nicht beiwohnen. Der Meister weilt in Paris zu Proben seines jüngsten Werkes, das am 2. November im Theatre National in Brüssel zur Aufführung kommen soll. Das Stück über die russische Journalistin Anna Politovskaja, den Krieg in Tschetschenien und Putins Russland soll den berühmten Terminal-Zyklus, eine Zustandsbeschreibung des modernen Menschen und des Menschlichen, abschließen. „Anna Politovskaja”, so ließ Norén in diesen Tagen verlauten, sei das „Dunkelste was er je geschrieben habe.”

Alexander Budde

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