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Für die Freiheit ihrer Schwestern

Publicerat fredag 21 september 2007 kl 14.46

Nach einer Studie des UNO-Weltbevölkerungsberichts werden jedes Jahr etwa 5 000 Mädchen und Frauen weltweit von Familienangehörigen ermordet. Die meisten dieser Verbrechen ereignen sich in islamisch geprägten Ländern. Doch auch im schwedischen Migrantenmilieu wurde schon im Namen der Ehre gemordet.

Zwar gibt es heute besseren Schutz, Notrufstellen und Zufluchtsorte für die meist weiblichen Opfer familiärer Gewalt. Den jungen Männern und potentiellen Tätern wurde zunächst jedoch kaum Beachtung geschenkt. Bis im Herbst 2003 Arhe Hamendnaca vom Jugendzentrum „Fryshuset” in Stockholm auf die Idee kam, junge Muslime zu einem Gespräch einzuladen. Daraus entstanden ist die Organisation „Sharaff hjältar”. Jugendliche Migranten, die durch die Schulen tingeln, um für die Freiheit ihrer Schwestern zu kämpfen.

Ein Gymnasium im Osten Stockholms: Charbel, Hakan, Ali und Ahmet erzählen ihren Zuhörern von der so genannten Ehrenkultur, die mit dem Islam nichts, mit Unfreiheit dagegen umso mehr zu tun hat: ”In Schweden werden schätzungsweise 50.000 Mädchen und Frauen unterdrückt. Bei neun Millionen Einwohnern ist das keine Bagatelle. Stellt Euch vor, ihr seid das! Ihr dürft eure Freunde nicht frei wählen, werdet zu Hause eingesperrt, dürft nicht baden gehen, könnt nicht studieren, was Euch gefällt. Wollt Ihr so leben? Jede Frau, die unterdrückt wird, ist eine zuviel!”

Zwei Dutzend junge Männer in der typischen Einheitskluft der 16 bis 19-Jährigen - Baseball-Mütze, Sweat-Shirt, Baggy-Jeans und Sportschuhe - rutschen auf ihren Stühlen herum und versuchen trotzdem, einen entspannten Eindruck zu machen. Ihre Familien stammen aus dem Irak, der Türkei, dem Libanon oder Bangladesh. Die meisten der Teenager sind in Schweden geboren, sie sprechen die Sprache perfekt, genießen eine hervorragende Ausbildung, sind gut integriert.

Die Konflikte nehmen zu

Aber genau wie in Deutschland auch nehmen die Konflikte in schwedischen Einwandererfamilien zu. Mehrere junge Mädchen wurden in den vergangenen Jahren von Familienangehörigen ermordet: Weil sie sich in einen Schweden verliebt hatten, sich einer arrangierten Ehe widersetzten oder weil sie schlicht wie ihre gleichaltrigen schwedischen Freundinnen leben wollten. Für die acht stolzen jungen Männer, die sich zu den „Sharaf Hjältar”, zu den „Ehren-Helden”, zusammengeschlossen haben, bedeutet Mut, für die Freiheit ihrer Schwestern zu kämpfen:

”Sharaf ist das arabische Wort für Ehre”, erklärt Charbel. ”Alle arabisch sprechenden Menschen wissen, was Sharaf bedeutet. Wir meinen, der Begriff „Ehre” darf nicht mehr missbraucht werden, indem man Mädchen und Frauen unterdrückt. Ehre soll etwas Gutes und Positives, nicht etwas Böses sein.”

Auch junge Männer sind Opfer

”Ehrenwahn hat es zu allen Zeiten und in allen Kulturen gegeben”, sagt Arhe Hamendnaca. Der graumelierte Mittfünfziger kam 1985 aus Eritrea ins winterkalte Schweden. Ein halbes Leben lang hat er für die linksgerichtete Guerilla ELF gekämpft. Auch junge Männer sind Opfer, weiß er heute, wenn sie erst einmal in den Strudel der Gewalt hineingeraten.

”Die Sharaff Hjältar sind junge Burschen. Die haben totale Freiheiten. Wo sind die Väter? Die sitzen im Vereinslokal und spielen Karten. Die Jungs sind der verlängerte Arm der Väter. Wir müssen diese Verbindung kappen. Die Jungs entwickeln sich, sie sind die Väter von morgen. Das ist der Gedanke, der mich antreibt. Frauenhäuser und Sozialarbeiter allein helfen nicht weiter. Wir müssen langfristig arbeiten”, fordert Hamendnaca.

Ein selbstbewusster Auftritt

Vor ihrem Einsatz in der Schule wurden die Ehrenhelden 6 Monate lang geschult. Ihr selbstbewusster Auftritt kommt beim Publikum gut an. Drei Stunden lang wird geduldig und aufmerksam zugehört und sogar diskutiert: Über Gleichberechtigung, Demokratie, patriarchalische Gesellschaften, Religion und Kultur. Einige sind sehr nachdenklich geworden.

Mamoud, dessen Familie aus Indien stammt, sieht die Sache so: ”Ich bin Moslem, verstehst Du. Und nach unserer Religion dürfen auch Jungs vor der Ehe keinen Sex haben. Ich finde, für Mädchen wie Jungen sollten die gleichen Rechte gelten, bei der Ausbildung, im Beruf. Ich will ja selbst gleichberechtigt sein. Ich finde es gut, was die Sharaf Hjältar sagen, aber man darf das den Familien nicht aufzwingen, die Leute müssen selbst zur Einsicht kommen.”

”Widersetze Dich Deinem Vater”

Solange wollen die Sharaf Hjältar nicht warten, deswegen reisen sie durch Schweden, halten Vorträge in Schulen und Jugendzentren, erzählen, dass sie selbst früher keine Engel waren und ihre Schwestern kontrollierten. Aber es gibt Hoffnung, sagt Charbel: „Wenn wir uns geändert haben, schaffen andere das auch”: Ohja, ohja! Die Mehrheit sagt hinterher, das hat uns wirklich viel gebracht. Nur wenige kommen nach unseren Vorträgen nach vorn und sagen: Ab heute schließe ich mich euch an, ich probe zu Hause den Aufstand und widersetze mich meinem Vater! So funktioniert das nicht und das ist auch nicht unser Ziel. Die Jungs sollen nachdenken, über falsch verstandene Ehrenkultur ins Gespräch kommen. Genau das wollen wir erreichen.”

Und genauso ist es. Nach drei Stunden schlendern die Teenager auf den Flur und reden, reden, reden.

Alexander Budde

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