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Horizont-Erweiterung: Einwandererautoren mischen Literaturszene auf

Publicerat onsdag 26 september 2007 kl 16.46

Bei schwedischer Literatur denkt der deutsche Leser wohl als erstes an die Krimi-Könige und –Königinnen wie Henning Mankell, Håkan Nesser und Liza Marklund. Und an die älteren Klassiker natürlich wie Selma Lagerlöf und August Strindberg oder die jüngeren wie Lars Gustafsson und P.O. Enquist. In Schweden jedoch spielt auch immer mehr die so genannte Einwandererliteratur eine bedeutende Rolle. Nicht nur in der Literatur, sondern auch in Theater und Film. Zeit nachzufragen, was Einwandererliteratur eigentlich genau ist.

Im zum Film gewordenen Roman „Ett öga rött” von Jonas Hassen Khemiri wettert der 16-jährige Halim gegen die typischen Schweden, gegen Schweden und seine Integrationsbemühungen und dagegen, wie sein Vater seine marokkanischen Wurzeln loswerden will. Das Schwedisch ist zwar angelehnt an den Schnack der Jugendlichen in einwandererstarken Vororten Stockholms wie Rinkeby oder Botkyrka, aber Autor Khemiri hat die Sprache noch weitergedreht und ein literarisches, phantasievolles Schwedisch kreiert.

„Erweiterung unseres Horizonts”

Vor vier Jahren erschien der Roman „Ett öga rött“, der in der deutschen Übersetzung den Titel „Das Kamel ohne Höcker“ trägt. Seitdem ist Khemiri in Schweden ein gefeierter Schriftsteller. Und sein Erfolg ist nur ein Beispiel dafür, dass die schwedische Literatur- und Kulturszene aufgemischt wird, erklärt Stephan Larsen, Literaturdozent an der Stockholmer Universität.

„Das bedeutet natürlich eine Erweiterung unseres Horizonts. Zum einen ist die Sicht auf das Leben eine ganz andere als die gängige schwedische. Zum anderen gibt es eine Bereitwilligkeit, mit der schwedischen Sprache zu experimentieren. Dadurch dass diese Autoren eine andere Sprache im Gepäck haben, gehen sie viel mutiger mit dem Schwedischen um und schaffen sprachliche Mischformen. Und die werden auf lange Sicht vermutlich die schwedische Sprache bereichern. Im Ansatz kann man das heute schon erkennen.“

Auch im deutschen Buchhandel sind die Rubriken bekannt: Belletristik, Krimis, junge Literatur. Das ist aber inzwischen das Äußerste, worauf sich die Buchläden festlegen lassen. Denn zu starke Einschränkungen verderben nur das Geschäft. Frauenliteratur etwa – längst aus dem Sortiment. Eine Reihe „Einwandererliteratur“ gibt es folglich auch nicht - wen sollte das ansprechen und welche Autoren sollten damit gemeint sein?

Darüber herrscht in weiten Kreisen Unklarheit, meint auch Literaturdozent Stephan Larsen. Manche Experten meinen, dass Einwandererautoren in ihrer Muttersprache für Landleute in Schweden schreiben. Andere wiederum finden, dass der Begriff besser zu eingewanderten Schriftstellern passt, die auf Schwedisch über klassische Einwandererthemen schreiben.

Jan Guillou, ein Einwandererautor?

„Es gibt aber auch viele Schriftsteller, die weder von der Allgemeinheit noch von den Rezensenten als Einwandererautoren gesehen werden, obwohl sie einen entsprechenden Hintergrund haben“, gibt Literaturwissenschaftler Larsen zu bedenken und nennt etablierte Autoren wie Sigrid Combüchen, Ernst Brunner und Jan Guillou, die wohl jeder Schwede nur als schwedische Autoren wahrnimmt.

„Dann gibt es die Schriftsteller, die Einwandererautoren genannt werden, sich gegen diese Kategorisierung aber wehren, Theodor Kallifatides gehört zu dieser Gruppe.“ Kallifatides ist in Griechenland geboren, kam allerdings schon in den 60ern nach Schweden. Unter anderem war er Chefredakteur der führenden Literaturzeitung im Land, kein Wunder, dass ihn Lobeshymnen auf sein gutes Schwedisch inzwischen ermüden.

Dozent Larsen macht noch eine weitere Kategorie im Dschungel der Einwandererliteratur aus: „Diese Schriftsteller werden von Allgemeinheit und Kritikern als Einwandererautoren bezeichnet und sie nennen sich auch selbst so, weil sie sich thematisch immer wieder mit Einwanderung befassen. Das Risiko dabei ist, dass man über diese Bücher zwar schreibt, dass sie sich mit einer interessanten Lebenserfahrung befassen, doch dabei schon das Aber mitdenkt. Dass nämlich diese Bücher literarisch nicht sonderlich anspruchsvoll sind.“

Hitzige Debatte geht weiter

Die Debatte jedenfalls darüber, was einen Einwandererautor ausmacht, ist noch lange nicht zu Ende, meint der Literaturwissenschaftler. So lange wird der Begriff schwammig bleiben und die Diskussion hitzig, denn die Materie hat – da bildet auch das Einwanderungsland Schweden keine Ausnahme - soziopolitische Sprengkraft.

Liv Heidbüchel

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