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Brandt-Ausstellung

Europa in Schweden vorgedacht

Publicerat måndag 1 oktober 2007 kl 12.43
Willy-Brandt-Ausstellung über die Zeit des jungen Brandt in Skandinavien
(4:13 min)
Entspannungspolitiker Willy Brandt nahm 1972 in Oslo den Friedens-Nobelpreis von der Vorsitzenden des Nobelkomitees Aase Lionaes entgegen (Foto: EPU / Scanpix Schweden)
Willy Brandt nahm 1972 den Friedens-Nobelpreis für seine Entspannungspolitik entgegen (Foto: EPU / Scanpix Schweden)

Als man sich im Frühjahr 1967 daran machte, die Kelleräume der Stockholmer Gewerkschaftszentrale LO aufzuräumen, fand sich zwischen allerhand Kisten und Kartons auch das verschollene Exilarchiv der deutschen Sozialdemokraten aus den 30er Jahren. Kein Zufall: Die Flüchtlinge durften auf die Unterstützung ihrer skandinavischen Parteifreunde bauen.

Auch Willy Brandt lernte in Norwegen und Schweden die offene Atmosphäre der Konsensgesellschaft schätzen, bevor er als Bürgermeister des eingekesselten Berlins und als weltweit geachteter Entspannungspolitiker in die Geschichtsbücher einging. Brandts frühe Jahre und seine Begegnungen mit Weggefährten wie Bruno Kreisky, Tage Erlander, Olof Palme und den Myrdals sind Thema der Ausstellung „Willy Brandt - Staatsmann und Europäer” der Friedrich-Ebert-Stiftung im Stockholmer ABF-Haus.

Nichts habe ihn so beeindruckt wie die Jahre im skandinavischen Exil, hat Willy Brandt einmal gesagt. Im Norden lernte der junge Wilde, dem die SPD lange Zeit zu zahm war, die Vorzüge einer offenen Gesellschaft schätzen, sagt Franz Müntefering, deutscher Vizekanzler und ein SPD-Urgestein aus der Enkelgeneration:

„Er ist 1913 geboren, da gab es in Deutschland noch das Kaiserreich. Er hat die erste deutsche Demokratie erlebt, die bald zerbröselte. Er ist vor den Nazis geflohen, hat also den aufsteigenden Nationalismus in Deutschland erlebt. Und war 18, 19 Jahre alt, als er dann nach Norwegen kam. Und hat hier die Idee von der Freiheit vom Individuum kennen gelernt. Und vom Sozialstaat, von der gemeinsamen Verantwortung.

Skandinavische Kompromissfähigkeit importiert

„Und diese skandinavische Art, miteinander die Dinge auszukämpfen, kompromissfähig zu sein, aber auch zu streiten um den richtigen Weg und doch den Einzelnen als Individuum zu respektieren, das hat ihn geprägt”, erzählt Vize-Kanzler Müntefering. „Und diese Idee der Sozialdemokratie, die hat er mitgebracht nach Deutschland und hat geholfen, sie in Deutschland zu verbreiten. Und das war immer wieder sein Bezugspunkt, wenn man ihn erlebt hat, diese Idee, die aus dem Skandinavischen kam.”

Allerhand Fotos und Dokumente dokumentieren diese Lehr- und Wanderjahre des Europäers Willy Brandt. Da ist der Fischkutter, auf dem er sich nach Norwegen absetzte. Da ist der unbeugsame Flüchtling auf einer Maikundgebung in Stockholm. Da sind die Kaffeekränzchen mit Tage Erlander, Olof Palme und Bruno Kreisky in der schwedischen Sommerresidenz Harpsund.

Politische Entscheidungen in Schweden vordiskutiert

Die europäische Einigung ist das gemeinsame Ziel dieser Weggefährten aus Kriegstagen, betont Uwe Optenhögel, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung, der die Bilderschau nach Stockholm geholt hat.

„Ich denke, das war vor allem eine sehr vertrauensvolle Zusammenarbeit, weil die Leute, die in der Zeit als das Foto hier erstanden ist - Mitte der 70er Jahre - alle Ministerpräsidenten waren. Die kennen sich aber vom Fußballspielen und zum Teil aus der Illegalität und zum Teil eben aus dem Exil. Und es war ein großes Vertrauensverhältnis, weil man praktisch die europäische Nachkriegsordnung schon in der Exilzeit hier in Schweden diskutiert hat.”

Und viele der politischen Entscheidungen in den 60er und 70er Jahren, als sie führende Staatsmänner in Europa waren, sind praktisch hier vordiskutiert worden.

1972 reist Brandt, der fließend norwegisch sprach und viele Jahre in Norwegen und Schweden als Journalist gearbeitet hatte, noch einmal gen Norden. Als damals schon weltberühmter Entspannungspolitiker will er seine Norweger für den EU-Beitritt gewinnen.

„Europa: Ein Projekt der Linken”

Doch zu seiner großen Enttäuschung entscheidet sich das stolze Volk gegen die Mitgliedschaft. Den Beitritt Schwedens 1995 hat der Altkanzler nicht mehr erlebt. Und doch auf seine Art dazu beigetragen, dass sich die skeptischen Schweden am Ende doch für die Einigung des Kontinents begeistern konnten, vermutet der langjährige sozialdemokratische Regierungschef Ingvar Carlsson.

„Für mich war es wichtig in der Debatte, ob Schweden Mitglied der EU werden sollte, auf solche Lichtgestalten wie Willy Brandt hinzuweisen. Denn Europa ist ein Projekt der Linken. Und bis heute ist eine große Mehrheit der Schweden der Ansicht, dass wir in der EU gut aufgehoben sind. Das wird in der Hitze der Debatte oft vergessen. Wir sind und bleiben Europäer, auch wenn es in vielen Ländern eine gewisse Verunsicherung gibt, wie wir damit umgehen sollen, wenn der Vorschlag für eine gemeinsame Verfassung keine Mehrheit findet.”

Vorbild Norden

Willy Brandt weiterdenken - für die angereiste Politprominenz aus Deutschland bedeutet das vor allem, gemeinsam die Probleme der globalisierten Welt in Angriff zu nehmen - von der Umweltzerstörung bis zur Reform des Sozialstaates.

Und die Musterländer im Norden sind noch immer Vorbilder, meint Uwe Optenhögel von der Ebert-Stiftung: „Wenn Sie sich die nordischen Länder angucken, dann haben eigentlich alle Anfang der 90er Jahre eine ziemliche Wirtschaftskrise und auch soziale Krise gehabt. Und die haben sich daraus mit eigenen Kräften durch kluge Politik wieder auf den Weg von Wachstum und sozialer Gerechtigkeit zurückbegeben können. Und das sieht man in Deutschland mit Begeisterung. Und vielleicht kann man sich hier was abgucken.”

„Willy Brandt - Staatsmann und Europäer” ist noch bis Ende des Jahres im ABF-Haus am Sveavägen in Stockholm zu sehen. Ausstellung und Katalog sind in schwedischer und deutscher Sprache.

Alexander Budde


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