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Die Arbeit hinter dem Literaturnobelpreis

Publicerat onsdag 3 oktober 2007 kl 14.31
Suche Literaturnobelpriesträger
(5:27 min)

Am Donnerstag den 11 Oktober wird bekannt gegben, wer in diesem Jahr den Literatur-Nobelpries erhält. Und wie jedes Jahr wird in den Tagen und Wochen davor wieder viel über den Namen spekuliert. „Es müsste mal wieder ein Amerikaner sein”, heißt es dann zum Beispiel.

Oder: „In diesem Jahr wird es sicher kein Dramatiker werden.” Oder es werden aktuelle politische Entwicklungen zu Rate gezogen. Meistens liegen die Spekulationen aber daneben und in Stockholm gibt es eine Überraschung.  

Professor Kjell Espmark ist 77 Jahre alt, Literaturwissenschaftler im Ruhestand, Schriftsteller, Vorsitzender des Nobelkomitees der Schwedischen Akademie; und verschwiegen. Wer in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur bekommt?

Für diese Frage hat Kjell Espmark nur ein weises Lächeln übrig: „Das kann ich nicht sagen. Wir sind geschlossen. Das soll ein Geheimnis sein. Und das ist sehr wichtig, glaube ich. Zum Beispiel in Frankreich, die großen Preise da: die Kandidaten sind bekannt. Wenn man weiß: ich bin Kandidat – man hat mich nicht genommen – das ist doch ein wenig hart, nicht?”

Deshalb also die Geheimniskrämerei: damit es keine Enttäuschungen, kein böses Blut und keine Einflussversuche gibt, bleibt selbst die Liste mit den Vorschlägen für den Nobelpreis unter Verschluss; für fünfzig Jahre. Und die Kandidatenliste ist lang: über zweihundert Namen stehen jedes Jahr drauf.

Die Vorschläge kommen aus aller Herren Länder: von Literaturwissenschaftlern, von Schriftsteller-Verbänden, und natürlich von der Schwedischen Akademie selbst.

Vorschläge eindampfen

Auch dort sitzen Fachleute: die achtzehn Mitglieder sind entweder selbst Autoren oder Universitäts-Professoren. Fünf der achtzehn Mitglieder bilden das so genannte Nobelkomitee. Sie treffen eine erste Auswahl und dampfen die umfangreiche Liste der Nobelpreis-Kandidaten so lange ein, bis jedes Jahr im Mai noch fünf Namen übrig sind.   

Dann kommt die heiße Phase der Auswahl. Den Sommer über lesen die Akademie-Mitglieder alle verfügbaren Werke der fünf verbliebenen Kandidaten. Oft genug geschieht das im Original, denn einige Mitglieder sprechen selbst ausgefallene Sprachen wie arabisch oder chinesisch.

”Harry Potter” auf der Leseliste

Die Arbeit der älteren Damen und Herren erinnert manchmal an die von Geheim-Agenten. Wenn sie im Café ein Buch lesen, versehen sie es schon mal mit einem falschen Umschlag, um Neugierige in die Irre zu führen. Kandidatenlisten werden nach den Sitzungen verbrannt. Und die Kandidaten selbst erhalten Decknamen. Der vorletzte Preisträger „Harold Pinter”, H. P., kursierte als „Harry Potter”.

Für Komitee-Chef Kjell Espmark jedenfalls ist die jährliche Debatte um den Literatur-Nobelpreis eine gute Werbung für das Lesen. Dabei ist es für ihn egal, ob die Menschen einen Krimi in die Hand nehmen, ein Gedicht, ein Essay oder einen schöngeistigen Roman. 

„Ich finde, ein gutes Gedicht, ein guter Roman gibt uns eine kleine Welt, einen Mikrokosmos. Das hilft uns besser, den Makrokosmos zu verstehen. Die kleine Welt erklärt die große Welt. Zum Beispiel die Romane Kafkas. Wer den Prozess gelesen hat, kann niemals durch einen Gerichtssaal gehen, ohne etwas anderes zu sehen. Wer das Schloss gelesen hat, hat eine andere Idee von der Autorität. Genau darum waren Kafkas Bücher im Osten verboten, weil diese Bücher die Leute helfen können, zu sehen, was ringsherum ist. 

Politik spielt keine Rolle

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk zum Beispiel, der Literaturnobelpreisträger des vergangenen Jahres, hilft mit seinen Romanen zu einem besseren Verständnis seiner Heimat, deren Kultur und Gesellschaft. Keine Rolle spielen dagegen laut Espmark politische Ereignisse. 

„Es gibt viele Missverständnisse in dieser Sache. Zum Beispiel sagt man immer: der Preis ist politisch geworden, und das ist absolut fehl. Wenn einer meiner Kollegen ein politisches Argument benutzen wollte, dann sagt man: hier gibt es nicht so was, absolut nicht”, so Espmark.

Als 1970 der russische Dissident Alexander Solschenizyn den Nobelpreis erhalten sollte, äußerte ein Vertreter der schwedischen Regierung Bedenken. Der Diplomat befürchtete, dass sich die Beziehungen zwischen Schweden und der Sowjetunion verschlechtern könnten. Solschenizyn erhielt den Preis trotzdem.

Ähnlich zehn Jahre später: 1980 ging der Literaturnobelpreis nach Polen; just in dem Jahr, als sich im Sommer in Danzig die Arbeiterbewegung Solidarnosc organisierte. Die Ereignisse hatten aber keinen Einfluss auf die Entscheidung, sagt Akademiemitglied Kjell Espmark:„Als Czeslaw Milosz 1980 den Preis bekommen hat, da sagte der „Tagesspiegel”: das war eine politische Sache, völlig klar. Was man nicht wusste war, dass, wenn man den Preis im Oktober erhält, dann muss man auf der Liste im Mai sein. Die Geschehnisse in Danzig im August waren nicht relevant zu dieser Zeit.”

Espmark geht sogar noch einen Schritt weiter. Kurzzeitig habe man sich im Komitee überlegt, den Preis 1980    n i c h t    nach Polen zu vergeben. Dann, so erläutert er, wäre die Entscheidung aber eine politische gewesen. Das wollte man aber vermeiden, ganz im Sinn des Stifters Alfred Nobel. Er legte in seinem Vermächtnis fest, dass der Preis vergeben werden sollfür eine hervorragende und idealistische Leistung auf dem Gebiet der Literatur.

An einem Donnerstag im Oktober, dieses Jahr wahrscheinlich der 11. oder der 18. Oktober, wird bekannt gegeben, wer den Literatur-Nobelpreis bekommt. Und wie jedes Jahr wird in den Tagen und Wochen davor wieder viel über den Namen spekuliert. „Es müsste mal wieder ein Amerikaner sein”, heißt es dann zum Beispiel. Oder: ”In diesem Jahr wird es sicher kein Dramatiker werden.” Oder es werden aktuelle politische Entwicklungen zu Rate gezogen. Meistens liegen die Spekulationen aber daneben und in Stockholm gibt es eine Überraschung.  

Markus Wetterauer

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