Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/

Scham und Schande: Untersuchung blickt Schweden in die Seele

Publicerat onsdag 3 oktober 2007 kl 16.08
Jetzt bloß nicht erwischen lassen

Was bedeuten Scham und Schuld in der heutigen Gesellschaft? Das wollten das Kirchenmagazin „Existera” und das Zentrum für Gegenwartsanalyse herausfinden und befragten dazu 1.215 Schweden per Email. Fazit: Klauen, Onanieren, Fahrerflucht - und dabei erwischt werden, dafür schämen sich die Schweden am meisten, zeigt die Studie. Das heißt: Die soziale Kontrolle macht also eine Handlung überhaupt erst moralisch verwerflich. Doch die Schweden schämen sich noch für ganz andere Dinge.

Das Cover des Kirchenmagazins zeigt einen Mann in der Schämecke. Dem Betrachter den Rücken zugewandt, die Schultern hängend, der Kopf gebeugt. Hat er sich nur weggedreht wegen einer kleineren Peinlichkeit oder drückt ihn die Schuld? Scham und Schuld hat das Magazin untersucht und der Unterschied zwischen diesen beiden Gefühlen ist wichtig, meint Pfarrerin Annika Borg.

„Scham reicht von Peinlichkeiten bis zum Gefühl, nicht zu genügen. Schuld dagegen bezeichnet, dass man einen schwerer wiegenden Fehler gemacht hat, dass man gegen eine Regel verstoßen hat. Das können auch selbst gesetzte Regeln und Werte sein. Aber natürlich ist die Grenze zwischen Scham und Schuld nicht immer eine so deutlich.”

85 Prozent der Befragten zwischen 16 und 85 Jahren würden sich am meisten schämen, wenn man sie beim Klauen erwischen würde. 81 Prozent schämen sich für Fahrerflucht vor Augenzeugen. Und immerhin noch 68 Prozent finden die Vorstellung peinlich, auf einer Party so betrunken zu sein, dass sie sich an nichts mehr erinnern können. Der stetig ansteigende Alkoholkonsum der Schweden deutet dagegen nicht darauf hin, dass die Schweden wirklich Angst vor Vollrausch haben.

Schweigen über Peinlichkeiten

Auf der Straße angesprochen, spricht kein Schwede übers Klauen oder Sex am Arbeitsplatz und wie unangenehm es wäre, dabei erwischt zu werden. Da nennt man lieber kleinere Vergehen, die aber ebenfalls die Schamesröte ins Gesicht treiben.

„Zuspätkommen finde ich etwas peinlich”, sagt eine Frau, und das ist im pünktlichkeitsversessenen Schweden fast ein Klassiker. Eine andere Schwedin schämt sich, wenn sie fies zu jemandem war. Ein älterer Herr schämt sich, wenn er die Tüte für den Hundekot zu Hause vergessen hat. Und ein Mädchen schämt sich gleich für mehrere Dinge:

„Ich schäme mich, wenn ich zu spät zur Schule komme, ich schäme mich für meinen Papa, und ich schäme mich für ganz viele verschiedene Sachen, aber das sind dann auch ganz verschiedene Arten von Schämigkeiten.”

Absurd: Jeder Zweite schämt sich für Übergewicht 

Schämigkeiten, also vielleicht ein unterschiedlicher Grad an Peinlichkeit, das entspricht der Meinung der meisten Befragten, wie aus der Untersuchung hervorgeht. Alle diese Antworten sind repräsentativ, sagt Dag Tuvelius, Chefredakteur des Kirchenmagazins „Existera”.

„Man schämt sich bei Normverstößen wie Zuspätkommen. Aber dann schämt man sich auch für ganz unlogische Sachen, zum Beispiel für seinen Papa, wie das Mädchen sagt. Viele schämen sich für ihre Eltern. Oder für ihr Äußeres. Es ist doch absurd, dass sich 40 Prozent der Bevölkerung dafür schämen, dass sie zu dick sind.”

Tuvelius sieht allerdings auch ein deutliches Altersgefälle beim Schämen: „Junge Menschen schämen sich insgesamt mehr als ältere und am meisten schämen sie sich beim Gedanken, dass sie uninteressant wirken könnten. Es ist also nicht leicht, jung zu sein. Ab 70 schämen sich die Leute dagegen für fast gar nicht mehr. Man ist dann viel gelassener und hat ein viel besseres Selbstbewusstsein. Die Menschen ab 70 kümmern sich mehr um soziale und weltpolitische Fragen, während die Jungen sich mit ihrem Äußeren beschäftigen. Interessanterweise schämen sich die jungen Leute auch, wenn der Garten unordentlich ist.”

Schmutzige Wohnung, vernachlässigte Kinder

Und das fällt natürlich wieder auf die Eltern zurück, die selbst peinlich sind und zu allem Übel noch nicht mal den repräsentativen Garten in Schuss halten können. Über die Altersgrenzen hinweg schämen sich die Schweden, wenn unangekündigter Besuch die Wohnung in einem ungeputzten Zustand sieht.

Die Hälfte der befragten Eltern gab zu, sich gegenüber ihren Kindern schuldig zu fühlen: Sie meinen, sie verbringen zu wenig Zeit mit ihren Kindern. Interessant dabei: Frauen empfinden stärkere Schuld- und Schamgefühle als Männer. Pfarrerin Annika Borg führt das darauf zurück, dass Frauen oftmals mehr Verantwortung übernehmen und das bedeutet auch, dass sie sich öfter schuldig fühlen, weil sie eine Aufgabe nicht zur vollsten Zufriedenheit ausgeführt haben.

Schamgefühle verbinden

Dass sich so viele Menschen für dieselben Dinge schämen oder Schuld empfinden, ist für Annika Borg aber auch ein gutes Zeichen. Es zeige, dass es in Schweden noch eine intakte und zumindest für die meisten verbindliche Norm gibt.

„Das gehört zu unserer Grundausstattung als Menschen. Eine Gesellschaft ohne Regeln will wohl niemand. Wichtiger ist das Thema Einsamkeit. Viele Menschen, mit denen ich spreche, fühlen sich alleingelassen mit ihrer Last. Wenn man aber merkt, dass es anderen ganz ähnlich geht, wird die Last leichter. Dazu trägt die Untersuchung hoffentlich auch bei. Dass Menschen sehen: Ich bin nicht allein. In einer Gesellschaft, die weder Scham noch Schuld empfindet, möchte ich nicht leben, aber es ist wichtig dabei zu erkennen, wann diese Gefühle gesund sind und wann sie gefährlich werden.”

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".