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Die Landesflucht des Ingmar Bergman

Publicerat fredag 19 oktober 2007 kl 18.24
Ingmar Bergman

Als der schwedische Regisseur Ingmar Bergman im Juli verstarb, zollte man ihm in der ganzen Welt Tribut. Nicht zuletzt in seinem Heimatland war und ist sein Tod Anlass für zahlreiche Veranstaltungen zur Würdigung von Leben und Werk eines der bekanntesten Schweden der vergangenen Jahrhunderte.

Schon zu Lebzeiten galt Ingmar Bergman als schwedische Ikone – allerdings war das nicht immer so.

Der Missklang zwischen dem Land und seinem berühmten Sohn kulminierte in den 70-er Jahren in Bergmans Flucht nach Deutschland.

„Ingmar Bergman hat Schweden endgültig verlassen“, berichtet die Rundfunk-Nachrichtensendung Ekot am 22. April 1976. „Sämtliche Filmproduktionen in Schweden werden eingestellt, Bergmans Firma in Stockholm wird abgewickelt, der geplante Umbau des Ateliers auf der Ostseeinsel Fårö findet nicht statt.“ Zu diesem Zeitpunkt befindet sich Bergman in einem von der Weltpresse belagerten Hotel in Paris.

Doch vorerst schweigt er. Wenig später erklärt er auf einer Pressekonferenz in Los Angeles: „In den vergangenen drei Monaten habe ich keinen einzigen vernünftigen Gedanken fassen können… Ich war vollständig leer und hatte gleichzeitig enorme Angst, dachte, tja Bergman, jetzt ist Schluss, du hast die längste Zeit gedacht und gearbeitet.“

Im Verdacht der Ermittler
Was war passiert? Ein Anruf der zentralen Steuerbehörde hatte bei Bergman den letzten Anstoß zum Verlassen des Landes gegeben. Vorausgegangen waren drei Monate intensiver Nachforschungen des Amtes darüber, ob die Überführung von Geldern zwischen Bergmans Firmen in Schweden und in der Schweiz ordentlich und rechtens zugegangen sei. Ja, war sie, stellte sich Jahre später heraus. Doch vorerst also ist der Meister der Steuerhinterziehung verdächtig – im Hochsteuerland und Wohlfahrtsparadies ein Verbrechen schwersten Grades. So schwer, dass das Amt im Januar zu einer drastischen Maßnahme gegriffen hatte: Mitten in einer Probe im Königlichen Dramatischen Theater Stockholm rückt ein Polizeikommando an, um Bergman zum Verhör zu holen. Das Ereignis weckt weltweit Aufmerksamkeit.

Der amerikanische Filmstar Jack Nicholson, der sich anlässlich der Schweden-Premiere des Films „Einer flog über das Kuckucksnest“ gemeinsam mit Regisseur Milos Forman in Stockholm aufhält, kann sich einen Kommentar nicht verkneifen: „Als Künstlerfreunde wollen wir unsere Solidarität mit Ingmar Bergman in seiner gegenwärtigen Situation hier in Schweden zum Ausdruck bringen. Dieser Mann, der auf so lyrische Weise darstellen  kann, wie er dem Leben Tribut zahlen muss, dieser Mann darf nicht auf eine Art behandelt werden, die es ihm unmöglich macht, sich in Harmonie mit seiner Umgebung auszudrücken.“

Doch dergleichen Sympathiebekundungen halten die Steuerfahnder natürlich nicht von ihrer verantwortungsvollen Arbeit ab. Immer wieder rücken sie zu Verhören und Prüfungen an. Bergman, der ohnehin aus seinen Ängsten und zeitweisen schweren psychischen Problemen nie ein Hehl gemacht hat, gerät immer mehr in Panik, fühlt sich verfolgt.

Gösta Ekman, Generaldirektor des Steueramtes, sieht keinen Grund zur Aufregung: „Mir scheint, hier besteht ein Verdacht, dass es sich von unserer Seite aus um eine Art Rache handelt. Davon kann überhaupt keine Rede sein. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass sich die Behandlung der Angelegenheit lange hinziehen wird. Aber das ist notwendig, das ist eine Frage der Rechtssicherheit.“

Aufbruch ins Ungewisse
Doch Bergman will und kann nicht länger warten. Der Regisseur, der wie kaum ein anderer bekannt ist für sein minutiöses, über Monate hinaus geplantes Arbeitsschema, der auf Farö seine ganz persönliche Ruheinsel gefunden hat und den vor allem die berühmte schwedische Schwermut inspiriert, entschließt sich zum Aufbruch ins völlig Ungewisse. Erstes Teilziel also Paris, das nächste Los Angeles. Die Landesflucht des berühmten Schweden wird zum Titelstoff für Zeitungen aus aller Welt. In der deutschen Presse sinniert man angesichts des astronomisch hohen schwedischen Steuerdrucks darüber, ob zur Charakterisierung des Landes der Begriff „Steuerhölle“ nicht besser passe als „Wohlfahrtsparadies“.

Man fragt sich, ob die Bergman-Affäre in diesem schwedischen Wahljahr 1976 gar den Sturz der nunmehr 44-jährigen Herrschaft der Sozialdemokratie nach sich ziehen könnte. Das wird Bergman, bisher für seine sozialdemokratischen Sympathien bekannt, auch in Los Angeles gefragt: „Ich habe noch keinerlei Beschluss gefasst, was mein künftiges Verhältnis zur Sozialdemokratie angeht”, entgegnet er. ”Natürlich ist mir klar, dass die Angelegenheit im Wahlkampf instrumentalisiert werden kann. Aber das hilft nichts. Ich musste gehen, um meinen Verstand zu bewahren, musste retten, was zu retten war.“

Daheim in Schweden wird der Auszug des Künstlers keineswegs unisono beweint. In diesen Nach-68-er-Zeiten gilt Bergman so manchem im Kunstetablissement als nicht volkstümlich, nicht politisch genug, als überschätztes Symbol verstaubter Institutionskultur. Bergman betont unterdessen, dass sein Weg ins Exil allein eine Angelegenheit zwischen ihm und dem Fiskus sei, dass seine Flucht oder gar sein Hass nicht Schweden gelte, dem Land, so schreibt er in einem offenen Brief in der Zeitung „Expressen“, „das für mich das beste der Welt ist – vielleicht, weil ich so wenig über andere Länder weiß.“

Kein Geringerer als Ministerpräsident Olof Palme verabschiedet ihn mit den Worten: „Ich finde das zutiefst bedauerlich. Er ist mein Freund, und er ist ein großer Künstler. Ich hoffe, ich bin sicher, dass ihm Gerechtigkeit widerfahren wird. Und ich hoffe, dass er zurückkehrt nach Schweden, wo er seine Wurzeln hat.“

Neuer Start in Deutschland
Doch das wird dauern. Zunächst einmal erlebt Schweden seine eigenen Dramen: Ob nun wegen der Bergman-Affäre oder nicht, jedenfalls verlieren die Sozialdemokraten die Wahlen im Jahr 1976. Bergman lässt sich in der Bundesrepublik nieder, wird am Residenztheater München angestellt, wo er mal mehr, mal weniger Erfolg hat, vor allem aber mit der Inszenierung von Ibsens „Hedda Gabler“ Furore macht. Ebenfalls in München dreht er mit Liv Ullman den Film „Das Schlangenei“. Zu seiner eigenen Erleichterung und zur nicht ungeteilten Freude der schwedischen Kunstkritik wird deutlich, dass Bergman auch außerhalb des heimischen Kokons achtbare Arbeit abliefern kann.

Als schwedische Presse-Abgesandte in München den Meister drängen, doch Schattenseiten der Arbeit in Deutschland zu beleuchten, tut ihnen Bergman diesen Gefallen nicht: „Sicher, wir gehen hier härter miteinander um, das gesamte Klima, auch das Kulturklima ist aggressiver. Die Leute zeigen deutlicher ihre Wut. Und auf einer Theaterpremiere kann man als Regisseur die Freude haben, sogar Buh-Rufe und andere Missfallensäußerungen zu hören. In Schweden ist es ja hingegen so, dass man den Saal nicht verlässt, solange kein Feuer ausgebrochen ist. Auf diese Weise macht die Arbeit hier schon mehr Spaß. Die Leute nehmen unheimlich aktiv am kulturellen Leben teil. Und ich habe auch keinerlei Begrenzungen erlebt oder erhobene Zeigefinder gesehen.“

1979 wird Bergman ganz offiziell von jeglicher Schuld in der Steueraffäre freigesprochen. Doch vorerst will er nicht zurück, wenn auch das Heimweh bleibt. 1981 dann die vorsichtige Wieder-Annäherung an Schweden: Bergman beginnt er in seinem Heimatland die Drehaufnahmen zum Film „Fanny und Alexander“, für den er später den „Oscar“ als bester ausländischer Film erhält. 1983 kehrt er endgültig nach Schweden zurück.

Anne Rentzsch

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