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Frauenhäuser müssen nochmals bangen

Publicerat onsdag 14 november 2007 kl 12.32

Das Handeln im guten Glauben ist im Allgemeinen nicht strafbar. Doch heute steht ein besonderer Fall bereits zum zweiten Mal auf dem Prüfstand der schwedischen Gerichte. Es handelt sich um die Mitarbeiterinnen eines Frauenhauses, die eine Mutter mit zwei Kindern sechs Jahre lange versteckt hielten. Dass der Vater das Sorgerecht hatte, wussten sie angeblich nicht. Ein wichtiger Fall für die Arbeit der Frauenhäuser, der im Mai zu Gunsten der Frauen entschieden wurde. Jetzt geht er jedoch in die nächste Instanz. Die Staatsanwaltschaft hat neue Zeugen aufgerufen.

Im Mai dieses Jahres hatte das Landgericht im südschwedischen Eksjö vier Mitarbeiterinnen des Frauenhauses in Tranås freigesprochen. Damals war die Mitangeklagte Ingela Ekstrand sehr erleichtert.

„Es ist eine Bestätigung, dass wir richtig gehandelt haben“, sagte Ekstrand damals. Das Gericht sah es als nicht erwiesen an, dass die Angeklagten gewusst hatten, dass der Vater das Sorgerecht für die beiden Kinder hatte, die sie zusammen mit der Mutter sechs Jahre lang versteckt hielten.

Die Erleichterung war damals nicht nur in Tranås riesengroß. Sämtliche Frauenhäuser in Schweden hatten mitgefiebert. Der Fall war von grundlegender Bedeutung für die Arbeit aller Frauenhäuser. Er sollte Aufschluss über die Frage geben, inwieweit sich die Frauenhäuser über die tatsächliche Situation der Frauen, die zu ihnen kommen, Kentnisse verschaffen müssen. Damals stellte das Gericht fest, dass die Angeklagten im guten Glauben gehandelt hätten und, da es sich hier auch nicht um eine Behörde handelt, der Sache nicht weiter nachgehen mussten.

Neue Zeugin

Bei der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht hat die Staatsanwaltschaft jetzt jedoch einen neue Zeugin berufen. Sie war damals ebenfalls im Frauenhaus und kann laut Staatsanwaltschaft bestätigen, dass die Mitarbeiterinnen sehr wohl gewusst haben, dass die von ihnen versteckte Frau eben nicht das Sorgerecht hatte.

Staatsanwalt Erik Handmark räumt ein, dass es sich um einen einzigartigen Fall handelt: „Ich kann nur feststellen, dass dies kein leichter Fall ist. Da kann man schon unterschiedlicher Auffassung sein. Viel wird davon abhängen, was die beiden Seiten zu sagen haben und was in der Untersuchung herauskommt. Da ich in die Berufung gegangen bin, habe ich natürlich die Hoffnung, dass das Urteil revidiert wird.“

Den Angeklagten drohen Freiheitsstrafen bis zu sechs Monaten. Die Verhandlungen sollen bis Ende der Woche dauern. Der Termin für die Urteilsverkündung wurde noch nicht bekannt gegeben.

Falls der Staatsanwalt sich mit seiner Auffassung durchsetzt, erfährt der Vater, der sechs Jahre lang seine Kinder nicht sehen durfte, Genugtuung. Die Arbeit der Frauenhäuser in Schweden würde jedoch in Zukunft sehr erschwert.

Dieter Weiand

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