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Disziplin ist Hoffnung in Rosengård

Publicerat torsdag 29 november 2007 kl 09.02

Das Viertel Rosengård im Süden Malmös ist ein Sinnbild für gescheiterte Integration, Einsamkeit und Verwahrlosung. In der tristen Plattenbau-Siedlung leben Menschen aus 165 Nationen. Von den 8 000 Jugendlichen im Kiez ist ein Großteil ohne Arbeit. Immer wieder entladen sich Perspektivlosigkeit, Frustration und Langeweile in hemmungsloser Gewalt gegen Autos, Schaufenster, Polizisten, Nachbarn.

Nur wenige wagen es, sich den meist jugendlichen Tätern in den Weg zu stellen. Dabei ist es gerade diese Apathie und Gleichgültigkeit der Erwachsenen, die dem Nachwuchs jede Hoffnung nimmt. Davon kann ein Mann erzählen, der vor einer kleinen Ewigkeit selbst aus Afrika ins winterkalte Schweden kam. Als Sozialarbeiter und Freizeitpädagoge hat er sich buchstäblich durchgeboxt. Alt und grau geworden, dürfte er sich eigentlich zur Ruhe setzen. Würden sie ihn nur lassen, die Kinder von Rosengård.

Diabaté Dialy Mory, den sie alle nur „Dallas” nennen, hat die Statur eines Bären. An diesem Abend trägt der Trainer Jeans und Turnschuhe, über den Bauchansatz spannt sich ein Carohemd, um den kräftigen Nacken pendelt die Trillerpfeife, das graue Kraushaar ist von einer Schirmmütze bedeckt.

Markerschütternde Rap-Musik schallt durch die Turnhalle von Rosengård, dem Einwandererviertel im Süden Malmös. Unter kalten Neonleuchten baumeln Sandsäcke von der Decke herab. In der Ecke lagern Hantelstangen, Medizinbälle, Autoreifen.

Strenges Regiment

Ein Dutzend junger Männer in den knappen Leibchen der Boxer plagt sich auf dem giftgrünen PVC-Boden. Keuchend stemmen sie sich aus ihren Liegestützen hoch, bis die von allerhand Tätowierungen verzierten Muskeln zittern. Wer nicht spurt, lernt  die verbale Knute des Trainers fürchten. „Dallas” führt ein strenges Regiment.

In seinem Club boxen Bosnier, Somali, Iraker. Doch seine Kommandos bellt der Trainer grundsätzlich nur auf Schwedisch: „Ich erwarte Disziplin. Ich verlange Respekt. Ich lehre sie Geduld und Toleranz.

Wir verständigen uns auf Schwedisch. Das ist wichtig, denn wer hier lebt und vorankommen will, der muss auch die Sprache beherrschen.“

„Dallas”, vor 65 Jahren im Senegal geboren, kam 1964 als Trommler einer afrikanischen Musiktruppe ins Land, tauchte eine Zeit lang unter und heiratete eine Schwedin. Als unerschütterlicher Lokalpatriot erlebte er den sozialen Abstieg des Viertels, die wachsende Isolation der Zugewanderten, ihre Frustration und Gewaltausbrüche. Viele seiner Schützlinge gerieten schon in Konflikt mit dem Gesetz, wurden ihrem Ruf als Räuber, Dealer und Schläger gerecht.

”Niemand reagiert” 

„Die gehen hin, schlagen ihre Nachbarn nieder, belästigen Frauen - und niemand reagiert! Die Leute haben Angst vor ihnen. Aber die Jugendlichen sind nicht von Natur aus gefährlich. Es ist unsere Gleichgültigkeit, die sie zu dem macht, was sie sind“, sagt er.

Viele Eltern verhalten sich gleichgültig, Jugendliche treiben sich bis spät in die Nacht auf der Straße herum. Immer wieder macht Rosengård mit Gewaltausbrüchen Schlagzeilen. Oft traut sich die Feuerwehr nur unter Polizeischutz ins Quartier. Gewaltsame Ausschreitungen sind im Quartier an der Tagesordnung.

Der 10-jährige Ali ist es gewohnt, dass seine Kumpels aus bürgerlichen Vierteln die Nase rümpfen, wenn er von seiner Herkunft erzählt: „Die Leute sagen, Rosengård ist kein guter Ort zum Leben. Weil es viel Randale gibt und die Bewohner hier Steine und Eier auf die Polizei schmeißen. Wenn es in den Mülltonen brennt, versucht die Feuerwehr zu helfen. Und dann gibt es Krach. Ich mag Rosengård, aber ich mag die Vorurteile nicht.“

Mit Gewalt nicht abfinden 

Mit der Gewalt im Viertel will sich „Dallas” nicht abfinden. Er ist einer der zuhört.
Und für viele Jugendliche aus zerrütteten Familien gar die einzige wirkliche Verbindung zur schwedischen Gesellschaft: „Ich zeige ihnen wie man ein Konto eröffnet, mache jede Woche einen Drogentest, beschaffe ihnen die Papiere für die Führerscheinprüfung, für eine Ausbildung, für die Anmeldung beim Arbeitsamt. Ich gehe auch in die Bibliothek und ins Restaurant mit ihnen, was für viele ein völliges Novum ist. Ich will auch, dass sie studieren, einen Beruf ergreifen. Durch das Boxen erfahren sie zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Erfolg und Bestätigung.“

Handgemalte Plakate, vergilbte Zeitungsartikel, Medaillen und Diplome an den Wänden rundum zeugen von den drei Jahrzehnten stolzer Vereinsgeschichte.

Die Meisterboxer heißen Paolo Roberto, Mohammed Ali, Bashir Hassan, Abdi Nasser. Seine größten Talente schickt „Dallas” zum Feinschliff auf die Karibikinsel Kuba.

Omar ist seit sieben Jahren dabei und hofft, bis ganz nach oben in den Olymp der unsterblichen Sporthelden aufzusteigen. Ohne den Trainer, meint der kräftige Teenager mit reichlich Pomade im Haar, hätte er nie erfahren was in ihm steckt: „Er ist ein Engel für mich, ein zweiter Vater. Er packt uns hart an, aber so ist das beim Boxen. Es geht nicht nur darum, in den Ring zu gehen und zu kämpfen. Du musst auch deine Gedanken im Kopf ordnen. Eines Tages soll auch mein Foto hier an den Wänden kleben. Und er wird mir dabei helfen.“

Der so Gepriesene ist ein gläubiger Muslim, der die Gebetsvorschriften streng befolgt. Doch dem toleranten Familienvater sind auch die Mädchen und jungen Frauen aus Rosengård willkommen. Geboxt wird mit Kopftuch oder ohne.

„Ich habe tausend Kinder”, lacht „Dallas”. Zehn leibliche hat er großgezogen.

Vielen anderen Halt gegeben und Mut gemacht. 
„Ich bin ein großer Egoist. Es bedeutet mir sehr viel, meine Zeit mit diesen Kindern zu verbringen. Sie sind offen mit ihren Ansichten und ehrlich in ihren Taten. Sie schenken mir soviel Freude. Ich kann ohne sie nicht sein.“

Alexander Budde

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