Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/

Beutekunst der Großmachtszeit:

Publicerat tisdag 4 december 2007 kl 17.40
Reiche Beute

Beim Begriff „Beutekunst” denkt der Deutsche wohl unweigerlich als erstes an die Verbrechen der Nationalsozialisten, die während des Krieges unzählige Kulturschätze aus ganz Europa an sich rissen. Dabei ist das Prinzip „Beutekunst” viel älter. In Schweden etwa bedienten sich die Herrscher während der Großmachtszeit, nicht zuletzt während des Dreißigjährigen Krieges, ebenfalls freimütig bei Kirchen, Privatsammlungen und Bibliotheken in den besiegten Ländern. Welche Güter die schwedischen Könige und besonders Königin Kristina mit nach Hause schleppten, das gibt es jetzt in der Königlichen Leibrüstkammer im Stockholmer Schloss zu sehen.

Die viel zitierte schwedische Bescheidenheit hat ihren Ursprung definitiv nicht in der Großmachtszeit. Aus dieser Zeit stammen die meisten Kulturgüter und Schätze, die Schweden überhaupt erst zu einer kulturellen Größe aufsteigen ließen. In nur einem Jahrhundert schleppten die Könige von ihren Siegeszügen Beutekunst heim, einen Bruchteil davon zeigt nun die Leibrüstkammer in Stockholm.

Reich verzierte Schmuckwaffen sind darunter, Porzellan, Malerei, wertvolle Teppiche und goldene Kreuze aus katholischen Kirchen, aber auch Bücher - erst durch sie konnte Schweden überhaupt seine erste Bibliothek in Uppsala bestücken. Es ist die erste Zusammenstellung schwedischer Beutekunst in Schweden ihrer Art, erklärt Museumsdirektorin Barbro Bursell.

„Wir wollen vermitteln, dass wir diese Gegenstände als Teil eines europäischen Kulturerbes betrachten, für das die Länder gemeinsam Verantwortung tragen. Unsere Aufgabe besteht darin, die Gegenstände für die Länder zu pflegen, von denen wir sie einst genommen haben. Außerdem sollen diese Schätze für die Öffentlichkeit und natürlich für Forscher aus den anderen Ländern zugänglich sein. Und dann haben wir den Traum, dass auch andere Länder sich mehr Überblick über Beutekunst verschaffen. Wir wissen nur sehr wenig darüber, wie es andernorts aussieht.”

Hemmungsloser Griff zur Macht

Mit der Thronbesteigung Gustav II. Adolf im Jahr 1611 etablierte sich Schweden als eine dominierende Macht in Europa, und diese Stellung hielt das Land bis 1718, das Jahr in dem Karl XII. in der legendären Schlacht zu Poltava in der heutigen Ukraine fiel. Adlige Zurückhaltung stand naturgemäß nicht an der Tagesordnung. Vielmehr galt: Je mehr Beutekunst man nach Hause schleppte, umso größer die Macht. Denn, so die damalige Sicht auf die Dinge: Der ehemalige Besitzer wurde gedemütigt und seines Ansehens beraubt - und in gleichem Maß gingen Ruhm, Ansehen und Devisen auf den neuen Besitzer über.

Trotz Religionskonflikt hatten die protestantischen schwedischen Könige auch keinerlei Berührungsängste mit Gegenständen aus katholischen Kirchen, erklärt Ausstellungsmacher Carl Zarmén.

„Ganz offensichtlich war das eine einfache Möglichkeit, die recht leeren schwedischen Kirchen zu schmücken. Heute sind die Gegenstände ja natürlicher Bestandteil des Kircheninneren. Niemand denkt mehr darüber nach, dass das einmal Beutekunst war und vielleicht durch eine blutige Schlacht in die Kirche gekommen ist.”

Sicht auf Beutekunst hat sich gewandelt

Sicher gab es auch damals schon einen Kodex, doch gleichermaßen bindend wie die Haager Konvention heute war er nicht. Beutekunst früher und heute, das kann man nicht direkt vergleichen, meinen die Ausstellungsmacher. Deshalb gibt es unter Forschern und Museumsmitarbeitern auch kaum Diskussionen darüber, ob man bestimmte Gegenstände vielleicht zurückgeben solle, obwohl Museumsdirektorin Barbro Bursell vollstes Verständnis dafür hat, wenn etwa Anfragen aus anderen Ländern kommen.

„Wir haben uns in Schweden bislang etwas bedeckt gehalten mit der Ausstellung von Beutekunst, weil wir natürlich die Vorbehalte kennen, dass man Dinge zurückgeben sollte. Die Vorstellung hält sich, dass die Beutekunst vielleicht doch Diebesgut ist, das wir an uns gerissen haben und wofür wir uns schämen sollten. Wir wissen, dass man das damals anders sah und freuen uns einfach, dass wir diese fantastischen Gegenstände jetzt zeigen und auch ein bisschen Ordnung in die Begrifflichkeiten bringen können.”

Tatsächlich ist oftmals gar nicht klar, wem die Gegenstände ursprünglich gehörten. Beispielsweise die fast schon sagenumwobene Silberbibel aus dem 6. Jahrhundert: Dieses wertvollste Buch Schwedens kam kurz vor Ende des Dreißigjährigen Krieges aus Prag in den Besitz Königin Kristinas. Nach ihrer Abdankung gelang die Bibel über mehrere Hände schließlich als Geschenk in die Bibliothek zu Uppsala. Dort ist sie ganz rechtmäßig und vom Stempel der Beutekunst befreit, meinen die Ausstellungsmacher, denn wer kann schon ausmachen, wo das Buch war, bevor es irgendwann in Prag aufbewahrt wurde?

Bürokratie-Passion lohnt sich

Zu sehen gibt es die Silberbibel in der Ausstellung der Leibrüstkammer aber nicht, dafür den Helm von Ivan, dem Schrecklichen. Ganz sicher können sich die Forscher nur selten sein, wem was zu welchem Zeitpunkt gehört hat. Gut, dass wenigstens die Schweden einen ausgesprochenen Hang zur Bürokratie haben, bestätigt Ausstellungsmacher Carl Zarmén.

„In Schweden sind wir anerkanntermaßen gut darin, über alles Buch zu führen. Wir können auf alte Inventarverzeichnisse zurückgreifen und genau sehen, was es in bestimmten Sammlungen gab. Gerade was Prag angeht, wissen wir sehr gut darüber Bescheid, was alles nach Schweden gelangt ist. 1652, also kurz nach dem Feldzug in Prag, machte man eine Inventur von Königin Kristinas Kunstsammlung. Dieses Verzeichnis kann man vergleichen mit einem Verzeichnis vom Anfangs des 17. Jahrhunderts über die Sammlung Rudolf II. in Prag. Mit dieser Ausschlussmethode kommt man weit.”

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min Lista".