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Die Geijer-Affäre

Alter Polit-Skandal erneut Zündstoff

Publicerat onsdag 5 december 2007 kl 14.46

Alte Skandale haben die Tendenz, wieder hervor zu kriechen, wenn sie unter den Teppich gekehrt werden. Eben dies geschah heute (Mittwoch) mit der so genannten Geijer-Affäre. Eine lange Reihe Politiker aller Parteien, darunter der sozialdemokratische Justizminister Lennart Geijer, standen im Verdacht, ein Bordell frequentiert zu haben. Heute (am Mittwoch) forderten zwei Frauen, die damals zur Prostitution gezwungen wurden, auf einer Pressekonferenz öffentlich je 100 000 Euro Schadenersatz. 

Eva Bengtsson und ihre Kusine waren erst 14 und 15 Jahre alt, als sie von einer Bordellmama zur Prostitution gezwungen wurden. Die Kupplerin flog im Frühjahr 1976 auf und wurde verurteilt.

Doch die Freier kamen ungeschoren davon. Juristisch sowieso, weil der Besuch bei Prostituierten damals nicht – wie heute in Schweden - strafbar war. Doch auch gesellschaftlich wurde der Skandal vertuscht – und dabei ging  wohl auch unter, dass einige der Mädchen noch halbe Kinder waren. In Tränen forderte Eva Bengtsson, heute Ende 40, jetzt für sich und ihre Kusine Gerechtigkeit:

„Ich will dieser Sache endlich ein Ende machen, um weiterleben zu können. Die Geschichte ist die ganze Zeit vertuscht worden, und uns hat man vergessen. Deswegen gehe ich jetzt an die Öffentlichkeit“.

Die polizeilichen Ermittlungen gegen das Bordell waren 1976 in größter Verschwiegenheit abgewickelt worden. Denn – und darüber hatte die Sicherheitspolizei die Regierung informiert- in die Geschichte waren Politiker verwickelt. Der prominenteste unter ihnen, Justizminister Lennart Geijer, wurde aufgrund der Geschichte als nationales Sicherheitsrisiko klassifiziert. Denn in dem Bordell hatten auch Mädchen aus Osteuropa gearbeitet, und damals herrschte Kalter Krieg. Justizminister Geijer verschwand von der politischen Szene, ansonsten ging die Regierung Palme zur Tagesordnung über.

Doch im Herbst 1977 explodierte die Bombe, als die Tageszeitung Dagens Nyheter den Skandal enthüllte. Heftige Dementis und allerhand Verzögerungstaktiken führten jedoch dazu, dass nie genau festgestellt werden konnte, welche Politiker eigentlich zu den Kunden gehört hatten.

Ihr Vergehen an Eva Bengtsson und den anderen Teenagern - „Unzucht mit Minderjährigen“, wie es damals noch hieß, konnte daher nie verfolgt  werden. Niclas Karlsson, Rechtsanwalt der beiden Frauen, will dafür nun den Staat in die Pflicht nehmen:

„Der Staat hat diese beiden Frauen im Stich gelassen, was ihnen psychisches Leid zugefügt hat, das sie immer noch plagt und ihr Leben deformiert hat. Eva Bengtsson und ihre Kusine fordern eine Entschuldigung und je eine Million Kronen Schadenersatz“.

Karlsson fordert, dass die Regierung Anstand zeigt, obgleich der Fall juristisch seit über 20 Jahren verjährt ist.

„Wenn Personen in Führungspositionen und mit Verantwortung selbst Übergriffe begehen, und der Staat wissentlich beide Augen zudrückt, dann muss sich der Staat schämen und in keinem anderen Fall ist seine Verantwortung größer, soweit wie möglich für Entschädigung zu sorgen.“

Wie die heutige bürgerliche Regierung, deren Minister zum Zeitpunkt des Geschehens selbst Teenager waren, auf die finanzielle Forderung der beiden Frauen reagieren wird, ist völlig offen. Allerdings ist das Geld ja nur ein Teil, daneben haben die beiden Cousinen von den noch lebenden damaligen Freiern eine Entschuldigung verlangt. Auf vermeintlichen Kundenlisten war damals unter anderem der spätere Umweltminister und Vorsitzende der Zentrumspartei, Olof Johansson, aufgetaucht. Sein Dementi ist weiterhin ungebrochen:

„Ich habe das ja schon früher kommentiert. Und ich kann nur feststellen: Damals handelte es sich um Lügen. Ich konnte mithilfe meines Kalenders und der Reiseabrechnungen des Außenministeriums beweisen, dass ich mich zu den angegebenen Zeitpunkten anderswo aufgehalten habe.  Dass dieselben Anschuldigungen nun wieder auftauchen, erzürnt mich. Denn Lügen werden ja nicht wahr, nur weil sie immer und immer wiederholt werden.“

Laut Anwalt Niclas Karlsson sind neue Fakten ans Tageslicht gekommen. Für einige ehemalige schwedische Politiker besteht also Grund zur Unruhe.

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