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Computerspiele: Geschäfte mit virtuellem Massentod

Publicerat onsdag 12 december 2007 kl 10.07

15 000 Menschen, eingepfercht in drei finsteren Messehallen - das Computerfestival „Dreamhack” im südschwedischen Jönköping schrieb sich Anfang Dezember als größte LAN-Party der Welt ins Guinness Buch der Rekorde ein. Stolze 92 Terabit wurden dem Router abverlangt, um genügend Kapazität für die Gefechte bereit zu stellen. Auf den Massentod der Avatare reagiert die schwedische Gesellschaft gelassen. Kein Wunder: das Land hat sich dank liberaler Gesetze und einer technikbegeisterten Bevölkerung zu einem Zentrum der Spieleindustrie entwickelt. Auf den Kulturseiten der Zeitungen werden neue Produktionen wie Hollywood-Filme rezensiert. Und das Gesundheitsministerium lobte Computerspiele unlängst sogar, weil sie Reaktionsfähigkeit, Spracherwerb und Teamgeist der Jugendlichen förderten.

Das Computerspiel „Just Cause” ist die Heimat des Geheimagenten Rico Rodriguez. Im Alleingang muss er die Bananenrepublik San Esperito von ihrem Diktator befreien. Dass dabei auch allerhand Feuerwaffen zum Einsatz kommen und Fäuste fliegen, hält Linus Blomberg, Chef der Produktionsfirma Avalanche, für unbedenklich: ”Das Spiel ist eine Satire auf die US-Politik. Der Diktator hat zwei eklige Söhne und es gibt eine Menge Parallelen zu den Vorgängen im Irak. Aber hier ist alles so maßlos übertrieben, das kann man gar nicht ernst nehmen.”

Das Spiel hat Avalanche binnen kurzer Zeit zu einem der größten Studios Skandinaviens gemacht. 150 Mitarbeiter sind heute am Firmensitz im Zentrum Stockholms beschäftigt, vom Programmierer bis zum Drehbuchschreiber.

Die neuen Medien haben den 34-jährigen Firmengründer schon immer fasziniert: ”Mein Bruder und ich, wir haben unsere ganze Jugend in einem dunklen Kabuff vor dem Computer verbracht (lacht). Von Alkohol und Mädchen blieben wir so verschont. Unsere Eltern waren nicht immer nur begeistert. Sie haben aber bald eingesehen, dass unser Hobby auch ziemlich lehrreich und nützlich für die Zukunft war.”

Wachstumsbranche
Blomberg spricht für eine in Schweden rasant wachsende Branche, die der erfolgreichen Musikindustrie des Landes schon bald den Rang ablaufen könnte. Ein wesentlicher Standortvorteil ist die breite Auswahl unter jungen, hochqualifizierten Arbeitskräften.

Auf Computer-Festivals wie der „Dreamhack” im südschwedischen Jönköping lässt die umworbene Zielgruppe ihrer Leidenschaft für Ballerspiele freien Lauf.

Im spärlichen Licht Abertausender Monitore sitzen die Spieler an langen Tischreihen mit wild verkabelten Computern. In lässiger Körperhaltung, Kopfhörer auf den Ohren, zielt Maik Ulmer mit seinem virtuellen Gewehrlauf auf streitsüchtige Avatare: ”Das ist Warcraft 3, ein Strategiespiel, in dem man seine Stationen aufbaut und seine Schergen losschickt. Man besiegt den Gegenspieler. Und man hört drei Reihen weiter wie einer aufspringt. Nicht so wie im Internet, so alleine.”

Umstrittenen Gewaltspiele
Man merkt wirklich, dass man da mitten drin ist. Der weit gereiste Mechatroniker aus der Pfalz bringt sich mit reichlich Koffein durch die Nacht. In Jönköping werden unter anderem Wettbewerbe in dem Spiel „Counter Strike” ausgetragen. Der Ego-Shooter ist in Deutschland wegen seines gewalttätigen Inhalts umstritten.

Auf der „Dreamhack”, die vor 15 Jahren noch eine beschauliche Demoparty der Hacker war, inszenieren heute gesponserte Profispieler ihren Auftritt. Das kleine Schweden ist eine Supermacht des E-Sport. Von den Gamern werden die Gladiatoren wie Sportikonen verehrt.

Von solchen Höchstleistungen ist Karin Andersson noch meilenweit entfernt. Die Lehrerin Mitte 40 wandert mit ihrem Mann Bengt und den beiden halbwüchsigen Kindern am liebsten durch die Phantasiewelten des Strategiespiels „World of Warcraft”: ”Ich mag das Spiel, denn man zieht gegen Monster zu Felde und nicht gegen einen Gegner, der wie ein Mensch aussieht. Meine Lieblingsfigur ist diese kleine Kuh hier, die so niedlich mit dem Schwanz wedelt, wenn sie läuft.”

Zwangsgewahrsam
Auch in Schweden wird über die Auswirkungen von Killerspielen auf die jugendliche Psyche diskutiert. Unlängst nahm die Sozialbehörde einen 17-Jährigen im südschwedischen Falkenberg in Zwangsgewahrsam, weil die Eltern mit der Spielsucht des Sprösslings überfordert waren. Doch anders als in Deutschland sind Computerspiele in Schweden gesellschaftsfähig. Gut ein Viertel aller Jugendlichen zwischen 13 und 20 Jahren spielt täglich am Computer, stellte der unabhängige Medienrat in einer Studie fest.

Für einen Zusammenhang zwischen echter und virtueller Gewalt sehen die Experten bislang keinen wissenschaftlichen Beleg. David Garpenstål, Organisator der Dreamhack verfolgt die deutsche Debatte denn auch mit Unverständnis: ”In meiner Jugend war es der Hardrock. Da gab es auch viele, die meinten, man wird zum Teufelsanbeter, wenn man solche Musik hört. Und heute wissen wir, dass wilde Musik durchaus eine entspannende Wirkung hat. Wenn es wirklich einen Zusammenhang zwischen Spiel und Aggression gäbe, dann hätten wir hier auf der Dreamhack enorme Probleme. Aber es geht überaus friedlich zu.”

Alexander Budde 

12.12.2007

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