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Mehr Stadtjeeps

Trotz Klimawandel weiter aufs Gas

Publicerat måndag 18 februari 2008 kl 13.35

Die Statistik für den Verkauf von Neuwagen in Schweden für das Jahr 2007 ist da. Mehr als 300.000 neue Personenwagen wurden gemeldet, viele davon gelten als besonders umweltfreundlich. Andererseits zeigen die Zahlen, dass das Umweltbewusstsein der Käufer von Prestigeautos auch im vergangenen Jahr zu wünschen übrig ließ: es sind wieder mehr treibstoffintensive Geländewagen für den Stadtverkehr gekauft worden. Allein Porsche Cayenne konnte seinen Anteil mit 67 Prozent steigern. Aber vielleicht brauchen Umweltfreunde nicht völlig zu verzagen, die Autohändler in und um Stockholm wollen auch bei dieser Kundengruppe ein gewisses Interesse für Umweltfragen festgestellt haben. 

„Also Motormenschen, die richtig starke Motoren mögen, denken vermutlich nicht an die Umwelt. Im Gegensatz zu diesen Umweltmenschen, die können sich auch mit dem Gedanken anfreunden, ein kleineres Auto zu kaufen. Die denken da anders”, sagt Frank, Mitarbeiter in einem Autohandel an der E4 bei Stockholm.

Wer hierher kommt, um sich ein Großraum Cityjeep, eine Mischform zwischen Limousine und Geländewagen anzuschaffen, ist Motormensch. Diese meist sehr schicken, schweren Fahrzeuge verfügen über sehr große Leistung und haben deswegen eben auch einen hohen Energieverbrauch. Die Folge sind erhebliche Treibhausgasemissionen.

Wie sieht man hier im Mekka der Autokäufer den Verbrauch dieser umweltschädlichen Fahrzeuge? Vor genau einem Jahr hat der Schwedische Rundfunk sich schon mal bei den großen Autohändlern erkundigt, damals verkauften sie mehr Geländewagen für den Citygebrauch als je zuvor. Da klang das so:

„Die Größe ist entscheidend. Ein wichtiger Mann braucht ein großes Auto. Ein Cityjeep sieht teuer und flott aus.” In der Autohalle ziehen die potentiellen Käufer ihre Kreise um die breiten, blanken, glänzenden Autos mit Allradantrieb.

„Das ist eine Statusfrage, glaub ich. In den Achtzigerjahren war ein Porsche das Non plus Ultra, jetzt fährt man einen verteufelt feinen Stadtjeep. Damit signalisiert man Erfolg. Eine gute Uhr, ein guter Anzug und ein gutes Auto.” Johan Bondbjär, Verkäufer beim Autohandel Haglund och Hellberg, hat so seine Erfahrungen. „Wer bei uns einen Wagen kauft, fragt nicht viel nach den Konsequenzen für die Umwelt.”

Gerade bei Großstädtern ist der sogenannte „Känguruschutz” besonders beliebt. Er ist entwickelt worden, um den Wagen in der Savanne vor wilden Tieren zu schützen. „Ich glaube, der wird gekauft, weil die Leute kompensieren wollen, dass sie nicht raus in die Natur kommen. Ungefähr so wie sie grüne Gummistiefel kaufen, obgleich sie nie im Wald spazieren gehen”, mutmaßte Johan Bondbjär.

Autohäuser reiben sich die Hände

Ein Jahr später scheint die Lage trotz aller Klimawarnungen ähnlich. Hyundays große Wagenhalle sieht noch genauso aus. Die Lifestyle-Diesel-Laster stehen immer noch aufgereiht. Aber Verkaufschef Anders Rydheimer beteuert, die Lage sei verändert: „Wir reden mehr mit der Familie darüber, dass es in diesem Jahr nicht geschneit hat. Wir fangen an, den Klimawarnungen zu glauben. Grad gestern hab ich zu meiner Frau gesagt, dass wir den Handtuchtrockner abschalten müssen. Der verbraucht zu viel Strom. Außerdem sortiere ich unseren Hausmüll und installiere Energiesparlampen. Ich hab ein recht gutes Umweltgewissen.”

Und was ist im vergangenen Jahr mit den Verkaufszahlen passiert? Die Statistik zeigt, dass alle Hersteller dieser Sport Utility Vehicles mehr umgesetzt haben. Volvo XE90, Honda CRV, BMW x5, x3, Porsche Cayenne und wie sie alle heißen. Alle haben sie ihre Verkaufszahlen verbessert.

Im Porschecenter nebenan streicht ein potentieller Käufer, der nicht namentlich genannt sein möchte, um einen gigantischen Porsche Cayenne. „Wenn man einen Stadtjeep haben will, dann denkt man nicht an die Umwelt. Man denkt daran, dass es einem selbst gut geht. Wer so einen Wagen haben will, kauft einen. Ich denke jedenfalls nicht an die Umwelt, wenn ich Auto fahre. Aber ich sortiere meinen Haushaltsabfall, das reicht an Umweltbewusstsein! Ich finde ganz und gar nicht, dass man sich schämen muss einen Stadtjeep zu kaufen. Man ist eher stolz, da ist man ganz egoistisch. Die Umweltkatastrophe sieht man erst, wenn es zu spät ist. Zuallererst mal denkt man an sich selbst.”

Die meisten Stadtjeeps haben äußerst trinkfeste Motoren und stoßen im Durchschnitt 240 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer aus. Also fast doppelt so viel wie die Vorgabe der EU von 130 Gramm. In einem der Autohäuser sitzt Jerry Forsberg umgeben von Autopostern an den Wänden. Er findet, wir sollen aufhören darüber zu klagen, dass die schwedischen Autos so groß sind und so viel Kohlendioxid ausstoßen. Schließlich sei China ein viel größerer Umweltsünder als Schweden.

„Ich mag Motoren, wie alle Männer. Ich finde, man legt sein Augenmerk auf die falschen Dinge. In den Nachrichten sieht man ja, wie die in China alle Abgase ungereinigt rausblasen. Richtige Dreckschleudern! Ich finde, man sollte den Hebel lieber dort ansetzen und reinigen.”

Müllsortieren soll Umweltbelastung aufwiegen

Nach den Zahlen der Naturschutzbehörde hat Schweden den benzinintensivsten PKW-Park der gesamten EU. Und der Kohlendioxidausstoß von neuen Benzin- und Dieselfahrzeugen ist demnach besonders hoch. Verkaufschef Stefan Hed meint, dass schwedische Geländewagenliebhaber nicht ohne weiteres auf ein kleineres Auto umzusteigen. „Also, ich glaub ja, dass es schwer ist, von einem so großen Wagen auf einen ganz Kleinen zu wechseln. Das tut man vermutlich nicht.”

Stefan Hed verkauft fahrdynamische Klimakiller. Der Umweltpflege widmet er sich auf anderem Gebiet. „Ja also persönlich ist der größte Teil meines Umweltengagements Müllsortieren. Darin werde ich immer besser. Ich trag meine Tüten dahin wo sie hin gehören, spüle meine Konservendosen aus und bringe die Plastikflaschen weg. Margarine- und Milchverpackungen alles muss ausgewaschen werden… auf der anderen Seite verbrauchen wir vielleicht mehr Wasser als früher. Aber das ist nun mal so, alles soll sauber werden. Das ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit für mich.”

Fahren aus Spaß

Sein großes Auto mit dem Trennen seiner Haushaltsabfälle zu verteidigen, scheint in den Autohäusern ein Mantra zu sein... Dass der Absatz von Cityjeeps gestiegen ist, findet Verkaufschef Stefan Hed nicht verwunderlich. „Einen solchen Wagen in der Stadt zu fahren, ist kein Problem. Er fährt sich ja so leicht! Es macht enorm viel Spaß ihn zu fahren. Warum also sollte man es nicht tun? Wer heute einen solchen Wagen kauft, will die Fahrfreude haben. Das muss man ausnutzen solange es geht. Man soll sich ja auch was gönnen. Ich glaube nicht, dass den Käufern das peinlich ist.”

Sybille Neveling

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