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Stiefmütterliche Behandlung: Nur jede zweite Kommune bietet Muttersprachenunterricht an

Publicerat torsdag 21 februari 2008 kl 12.43

Der 21. Februar ist der internationale Tag der Muttersprachen und da lohnt sich ein Blick auf die schwedische Gesetzgebung. In Schweden nämlich hat jedes Kind, das zu Hause eine andere Sprache als Schwedisch spricht, Recht auf Unterricht in eben seiner Muttersprache. Dafür reicht es, wenn nur ein Elternteil eine andere Sprache als Schwedisch spricht. So steht es im Schulgesetz. Doch in der Wirklichkeit klappt der Unterricht keineswegs so tadellos. Viele Kommunen kommen ihren Pflichten bei weitem nicht nach.

Märchenstunde auf Russisch, zur Einstimmung gibt es einen Zeichentrickfilm. Der achtjährige Andrej ist eins von rund 1.500 Kindern in der nordschwedischen Kommune Luleå mit einer anderen Muttersprache als Schwedisch, 53 verschiedene Sprachen kommen zusammen. Rein theoretisch hat jedes Kind Recht auf Muttersprachenunterricht, doch das ist kaum zu bewerkstelligen. Für Andrej läuft es gut. Nach eineinhalb Jahren spricht er, so sagt seine Lehrerin, Schwedisch und Russisch. Und das ist auch Andrej wichtig:

„Ich will russisch lernen, damit ich mit meinen Großeltern sprechen kann und der Verwandtschaft und meinen Freunden, die in Russland wohnen. Weil, als ich nach Schweden kam, hab ich russisch ein wenig vergessen.”

Der Wille ist da, sicherlich auch bei den Kommunen. Doch als die Schulbehörde kürzlich 168 Kommunen inspizierte, musste sie feststellen, dass es in mehr als der Hälfte der Kommunen gravierende Mängel beim Muttersprachenunterricht gibt. Entweder findet der Unterricht überhaupt nicht statt oder aber die Kommunen erkundigen sich gar nicht erst nach dem Bedarf oder bieten den besonderen Unterricht gar an.

”Mangelndes Engagement”

Als Entschuldigung hört die Schulbehörde oft, dass sich für so viele Sprachen erst einmal Lehrkräfte finden lassen müssen. Alf Johansson, Jurist bei der Schulbehörde, findet das fadenscheinig.

„Sicher gibt es besonders in ländlichen Gebieten ein Personalproblem, aber die Kommunen müssen auch beweisen, dass sie sich ernsthaft um die Einstellung von Lehrkräften bemüht haben. Unterricht kann ja auch kommunenübergreifend stattfinden. Aber noch nicht einmal in den Großstadtregionen mit Universitätsstädten wird Muttersprachenunterricht angeboten wie es das Gesetz fordert. Da gewinnt man schon den Eindruck, dass es an Engagement fehlt.“

Besser läuft der Unterricht in den fünf Minoritätssprachen Samisch, Romanisch, Finnisch, Jiddisch und Tornedals-Schwedisch. Bei diesen Sprachen nämlich gibt es die Mindestteilnehmerzahl fünf nicht. Dass es bei den meisten anderen Sprachen so schleppend läuft, hat laut Alf Johansson von der Schulbehörde noch andere Gründe.

„Viele Muttersprachenlehrer kritisieren, wie Schulen und Kommunen den Unterricht organisieren. Die Lehrkräfte fühlen sich bei der Planung außen vor und auch nicht als Teil des Kollegiums.“

In Zukunft Fernkurse

Der Muttersprachenunterricht liegt stets außerhalb der normalen Unterrichtszeiten, die Lehrer müssen viel pendeln, um zu ihrem Grüppchen zu gelangen, alle anderen sind dann längst zu Hause. Damit mehr Kinder künftig ihr Recht auf Muttersprachenunterricht wahrnehmen können, soll die Schulbehörde im Auftrag von Schulminister Jan Björklund nun die Möglichkeit von Fernkursen untersuchen. Eine Idee, die längst nicht von allen Lehrern mit Begeisterung aufgenommen wird. Nabil Hagi unterrichtet in einem Vorort Stockholms kurdische Kinder in ihrer Muttersprache, Fernkurse kann er sich nicht vorstellen.

„Beim Muttersprachenunterricht geht es um soviel mehr als nur eine Sprache zu lernen. Es geht um Kultur, Tradition und auch Soziales. Wir versuchen im Unterricht Brücken zu bauen  – zwischen den Kulturen, aber auch zwischen den Schülern. Viele nehmen sich auch ein gutes Beispiel an den Lehrern, die sich gut in die schwedische Gesellschaft integriert haben. Also, mit dem physischen Kontakt und der direkten Ansprache kann so ein Fernkurs nicht mithalten.“

Bislang haben nur vereinzelte Gymnasien von dieser Alternative Gebrauch gemacht. Eine Schule in der Stockholmer Innenstadt bietet sogar erfolgreich schwedische Fernkurse für schwedische Muttersprachler im Ausland an. All diese zaghaften Versuche könnten nun Schule machen.

Liv Heidbüchel

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