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Neue Runde im Riccardo-Prozess

Publicerat måndag 3 mars 2008 kl 16.10
Demonstration gegen gewalt in Stockholm

Riccardo Campogiani wurde nur 16 Jahre alt. Im Oktober vergangenen Jahres starb er, zu Tode misshandelt von Gleichaltrigen. Drei junge Männer wurden im November in erster Instanz zu Jugendstrafen verurteilt, einer der Angeklagten wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. An diesem Montag nun ging der viel beachtete Prozess in die nächste Runde. Was ist ein Menschenleben wert? Diese Frage wird jetzt vor dem Oberlandesgericht Svea verhandelt.  

Schon Stunden vor Beginn des Prozesses am Vormittag hatten sich vor dem Gerichtsgebäude in einem kühlen, verregneten Stockholm beachtliche Menschenschlangen gebildet, darunter viele Jugendliche. Das Interesse ist groβ – das Gericht kommt dem nach und hat wider Erwarten beschlossen, der Öffentlichkeit Zutritt zur Hauptverhandlung zu gewähren. Im Gegensatz zu den Verhandlungen im Amtsgericht werden diesmal also auch die Verhöre mit den Angeklagten vor Publikum ablaufen.


Wer ist schuld am Tod von Riccardo? Sprich: Wer von den jungen Männern, die nach einem Fest Riccardo niedergeschlagen und dann auf seinen Kopf eingetreten hatten, wer von ihnen hat nun wirklich den tödlichen Tritt ausgeteilt? Das Amtsgericht hatte bei dieser Frage gepasst und keine Tötungsabsicht unterstellt, hatte die Täter also nur wegen Misshandlung verurteilt beziehungsweise einen Angeklagten freigesprochen. Dies legen Angeklagte und Staatsanwaltschaft jetzt jeweils höchst unterschiedlich aus: Die Verurteilten fordern Freispruch; die Staatsanwaltschaft hingegen will das bisherige Strafmaβ verschärfen:

“Ich habe beim Oberlandesgericht beantragt, sämtliche vier Angeklagte wegen Mordes zu verurteilen“, erklärt Staatsanwalt Jens Nilsson. „Und wenn dies nicht möglich ist, dann zumindest wegen Totschlags. Das Strafmaβ muss in diesem Fall natürlich verschärft werden, da ist dann eine längere Jugendstrafe angezeigt als die bisherigen drei Jahre.“

Die vier Täter seien absolut gleichgültig gegenüber dem Schicksal von Ricardo gewesen, so Staatsanwalt Nilsson. Mehrfach hätten sie auf ihn eingetreten, ohne jegliche Rücksicht darauf, dass ihr Tun zum Tod des Opfers führen konnte. Verteidiger Leif Silbersky wiederum pocht darauf, dass keiner der Männer als d e r Mörder auszumachen und also für alle Freispruch angezeigt sei. Am Abend wird das Gericht auf Ersuchen der Verteidigung hin eine Tatortbesichtigung vornehmen. Das Ziel: nochmals deutlich zu machen, dass unter den gegebenen Lichtverhältnissen auch für Zeugen schwer zu sehen war, wer denn nun genau wo trat.

Doch geht es wirklich darum? Bei diesem Prozess werden keine neuen Zeugen aufgerufen, keine neuen Beweise vorgelegt werden. Verhandelt wird die Frage gemeinschaftlicher Verantwortung für das, was nicht mehr rückgängig zu machen ist: für den Tod von Ricardo, einen jungen Mann, der ebenso wie die mutmaβlichen Mörder eben nicht dem Vorortghetto entstammt, sondern der schwedischen Mittelklasse. Nicht zuletzt diese Tatsache hat zu dem enormen Interesse an dem Fall beigetragen.

Peter Althin vertritt als Anwalt Ricardos Familie. Die Vorstellung, dass möglicherweise sämtliche vier Prügler den Gerichtssaal als freie Männer verlassen, findet er absurd. Auch er fordert eine Strafe für Mord.
“Und zwar deshalb, weil ich finde, genau dies, Mord, ist die Tat, die sie begangen haben. Sie tun so, als hätten sie mit dem Ganzen nichts zu tun: niemand hat irgendetwas gemacht. Aber das Geschehene ist geschehen! Für die Familie des Toten sind solche Argumente schwer erträglich“, sagt Peter Althin.

Anne Rentzsch

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