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Strafvollzug

Überfordertes Personal bei Selbsttötungsversuchen: Insasse bekam keine Hilfe

Publicerat torsdag 10 april 2008 kl 14.03
Sanitäter standen vor abgeschlossener Tür

Gefängniswärter in der Strafvollzugsanstalt Mariestad haben nicht eingegriffen, als sich ein Gefängnisinsasse das Leben nehmen wollte. Im Gegenteil: Sie sollen den Mann sogar wissentlich seinem Schicksal überlassen haben. Das ergaben Nachforschungen des Schwedischen Rundfunks. Angehörige des Verstorbenen fragen nun laut nach, warum das Gefängnispersonal die Selbsttötung nicht verhindert hat.

Als die Gefängniswärter am 1. Februar dieses Jahres die Tür zur Zellentoilette öffneten, sahen sie den 23-jährigen Insassen an einer Schlinge hängen – und schlossen die Tür. Neun Minuten später waren die Sanitäter zur Stelle. Sie waren es, die die Schlinge zerschnitten und den Mann wieder belebten. Zu spät. Der Häftling starb zwei Tage später an den erlittenen Verletzungen. Der Bruder des Verstorbenen stellt nun das Verhalten des Personals in Frage:

„Es dauert neun Minuten, bis der Krankenwagen kommt, und mein Bruder hängt da diese neun Minuten lang! In der Zeit tun die Gefängniswärter rein gar nichts. Und was das Schlimmste ist: Nach diesen neun Minuten kriegen die Sanitäter sein Herz wieder in Gang. Das heißt doch, dass er noch nicht so lange gehangen haben kann.“

”Es gibt klare Routinen”

Der Chef der Strafvollzugsanstalten, Lars Nylén, will erst die Obduktion und ein genaueres Gutachten über den Fall abwarten. Schon jetzt jedoch stellt er klar, dass es natürlich klare Routinen im Strafvollzug gibt.

„Natürlich soll man einem Menschen helfen, der versucht hat, sich das Leben zu nehmen. Wenn es keine offenkundigen Zeichen gibt, dass der Mensch tot ist, soll man versuchen, den Menschen wieder zu beleben und damit Leben zu retten. Das ist Teil der Grundausbildung für alle Neuangestellten und auch älterer Mitarbeiter, die diese Ausbildung nicht mitgemacht haben.“

Ganz offensichtlich waren die Gefängniswärter am betreffenden Abend überfordert – sofern sie dem Insassen nicht aus anderen Gründen mutwillig die Hilfe versagten. Mit dem Schock allein jedenfalls lässt sich das Verhalten des Personals laut Psychiater Ulf Åsgård nicht erklären: „Arbeitet man im Strafvollzug, muss man sich auf so manches gefasst machen. Wenn jemand am Arbeitsplatz stirbt, rechtfertigt das keineswegs, dass man in eine derartige Idiotie verfällt.“

”Bemerkenswerter Vorfall”

Ebenfalls belastend für die Wärter ist die Tatsache, dass sie die Angehörigen offen belogen haben sollen: Sie hätten alles getan, um das Leben des 23-Jährigen zu retten, hieß es.

Gerade weil es glasklare Regeln für die Angestellten im Strafvollzug gibt, wie sie sich bei Selbstmordversuchen zu verhalten haben, ist der ehemalige Chef des Gefängnisses Kronoberg in Stockholm, Lars-Åke Pettersson, bestürzt. Während seiner 19 Jahre als Chef in der Haftanstalt hat es 25 Selbsttötungsversuche durch Erhängen gegeben. Nicht einmal hätten sich seine Angestellten so verhalten wie im jetzt bekannt gewordenen Fall: „Wenn sich der Verdacht bestätigt und alles so abgelaufen ist wie jetzt beschrieben, dann ist das natürlich bemerkenswert.“

Bereits kürzlich war ein Fall bekannt geworden, in dem ein Häftling unter bisher nicht näher geklärten Umständen ums Leben gekommen war. In beiden Fällen handelte es sich um Insassen mit Migrationshintergrund.

Liv Heidbüchel

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