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Notwendige Richtschnur oder einschränkende Zwangsjacke?

Kanon nordischer Literatur

Publicerat onsdag 4 juni 2008 kl 12.00

Als vor einigen Jahren der deutsche Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki seinen Kanon der deutschen Literatur vorstellte, löste dies eine heftige Debatte aus. Denjenigen, die wie Reich-Ranicki eine normative Zusammenstellung der wichtigsten Werke forderten, wurde Kulturkonservativismus, ja sogar -faschismus vorgeworfen. Eine ähnliche Diskussion wird derzeit in Schweden geführt. In diesen Tagen ist ein nordischer Literaturkanon herausgekommen, dessen schwedische Ausgabe nun in Stockholm präsentiert wurde. Von einigen als längst überfällige Richtschnur für die Schule begrüßt, von anderen als einschränkende Zwangsjacke abgelehnt.

„Im Dienste der nordischen Literatur” - so lautet der Titel der Sammlung der wichtigsten skandinavischen Werke. Die dänischen Redakteure, beide Literaturwissenschaftler an der Universität Kopenhagen, wollen die Sammlung bewusst nicht als Kanon verstanden wissen. Redakteur Anders Juhl Rasmusson meint: „Eigentlich ist es nur eine Literaturanthologie. Nur die Politiker haben beschlossen, dass es ein nordischer Kanon sein soll. Für mich ist es eine Anthologie.”

Zielgruppe der Anthologie sind die skandinavischen Oberstufenschüler. Auf 700 Seiten sollen sie vertraut gemacht werden mit der Sprache und Literatur ihres eigenen Landes und ihrer nordischen Nachbarländer. Die im Buch gesammelten Texte sind teils in der Originalsprache, teils in Übersetzung abgedruckt. Die schwedische Ausgabe wird in etwa 350 Schulbibliotheken im ganzen Land zugänglich sein. Etwa zwanzig schwedische Autoren sind in der Anthologie vertreten, unter ihnen Klassiker wie Carl Michael Bellmann, Selma Lagerlöf und August Strindberg, aber auch die zeitgenössische Schriftstellerin Kerstin Ekman.

Schwedischer Kanon fehlt nach wie vor

Initiiert wurde der gemeinschaftliche Kanon von dem dänischen Bildungsminister Bertel Haarder. Mit den beiden dänischen Redakteuren und nur wenigen Beratern aus den nordischen Nachbarländern ist die Sammlung in erster Linie ein dänisches Projekt. Erst im Nachhinein hat der nordische Ministerrat die Finanzierung übernommen.

Vor einigen Jahren hatte bereits die liberale schwedische Politikerin Cecilia Wikström einen Literaturkanon für die schwedischen Schulen gefordert. Ihr Vorschlag wurde allerdings nie in die Realität umgesetzt. Dass nun von dänischer Seite ein Kanon vorgelegt worden ist, begrüßt die Politikerin. Doch entspricht die Ausgabe ihren ursprünglichen Vorstellungen? 

„Nein, das tut sie nicht. Ich hatte mir vorgestellt, dass Schweden im Mittelpunkt stehen sollte und insbesondere die schwedische Schule. Für uns wäre eine Sammlung schwedischer Autoren, eine schwedische Literaturgeschichte wichtig gewesen, zusammen mit einigen Vertretern der nordischen und der europäischen Literatur und einigen Werken aus der ganzen Welt. Daraus wurde eine Diskussion über Nationalismus, Protektionismus und Kulturrelativismus. Das war gar nicht beabsichtigt. Ich wollte nur die Bedeutung des Lesens betonen.”

Lehrer befürchten Einschränkungen

Was ursprünglich als Hilfestellung für Lehrer und als Anregung für Schüler gedacht war, wird von Kritikern als Einschränkung empfunden. Vor allem Lehrer pochen auf ihr Recht, ihre eigenen Literaturlisten für ihre Schüler zusammenzustellen. Schließlich würden sie die Bedürfnisse und Interessen ihrer Schüler ja am besten kennen, so die Lehrerin Stella Sjögren: ”Kanon - das Wort ist belastet, meine ich. Aber selbstverständlich kann man eine Liste mit Autoren haben, als Vorschlag. Sofern ich nicht gezwungen werde, diese Liste vollständig zu verwenden oder einen bestimmten Autor zu besprechen.”

Von Zwang kann aber laut den dänischen Redakteuren keine Rede sein. Einen Dienst wollen sie der nordischen Literatur vielmehr erweisen. Und ein Kanon ist schließlich besser als gar kein Kanon, meinte auch Marcel Reich-Ranicki, als er seinen umfassenden Kanon der deutschen Literatur vorlegte. Auf einen Kanon zu verzichten, das, so Reich-Ranicki, wäre „ein Rückfall in Willkür und Beliebigkeit, in Chaos und Ratlosigkeit, ein Rückfall in die Barbarei”.

Clarissa Blomqvist

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