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Gleichberechtigung

Sportreporterinnen unbeliebt

Publicerat tisdag 17 juni 2008 kl 17.07

Schweden ist die Nummer Eins in Sachen Gleichstellung. So ist es jedenfalls in internationalen Vergleichen zu lesen, und das nicht zu unrecht: Das Parlament besteht inzwischen fast zur Hälfte aus Frauen, die Erwerbsquote ist bei beiden Geschlechtern ebenfalls nahezu gleich. Doch wehe, wenn eine Frau in eine echte Männerdomäne vordringen will: Wenn sie zum Beispiel wagt, Sportreporterin zu werden und vielleicht gar ein Fuβballspiel zu kommentieren. Angesichts solcher Dreistigkeit ist dann auch im gleichberechtigten Schweden die Toleranzgrenze überschritten - am Rande der Fuβball-EM lässt sich das erneut in Augenschein nehmen.

Bei der Europameisterschaft sind natürlich sämtliche groβe Sportredaktionen aus Schweden vor Ort. Nur ein paar vereinzelte Frauen fallen dabei auf in dem ansonsten fast geschlossen männlichen Heer von Berichterstattern. Alles also in bester Ordnung - jedenfalls nach Meinung der schwedischen Leser, Hörer und Zuschauer. Die nämlich lässt eine Fuβball-Kommentatorin rot sehen. Das sagen die, die es wissen müssen: jene tollkühnen Frauen, die sich trotz Häme und Mobbing in eine Sportredaktion vorgewagt haben.

Annika Greder Duncan ist Sportjournalistin beim Schwedischen Rundfunk. Auch für sie gehören Beleidigungen durch Hörer zum Alltag. Oft bekommt sie Mails mit sexistischem Inhalt. ”Wenn die Überschrift schon lautet: „Nehmt die Idiotin weg, Frauen haben von Fuβball keine Ahnung”, dann braucht man die Mail eigentlich gar nicht zu öffnen. Da weiβ man vorher schon, worauf die Sache hinausläuft”, sagt sie. Beliebt bei den Mailschreibern seien auch ganz persönliche Gemeinheiten und Beleidigungen. ”Ich will nicht behaupten, dass alle, die sich über mich aufregen, vor allem etwas gegen mich als Frau haben. Aber oft habe ich schon diesen Eindruck. Und gerade Fuβball ist eben eine sehr männliche Domäne. Da sollen Frauen nicht reinreden, jedenfalls nicht, wenn Männer spielen”, so Annica Greder Duncan. Auch wenn die Zahl der Sportreporterinnen in den vergangenen Jahren ein klein wenig gewachsen ist, bleibt der Fuβball ein hoch sensibles Thema.

Blickpunkt Europameisterschaft: das öffentlich-rechtliche Schwedische Fernsehen hat überhaupt keine Frau vor Ort, die groβe Tageszeitung „Dagens Nyheter” ebenso wenig. Quoten-Sieger eines Vergleichs, den der Schwedische Rundfunk anstellte, wurde der Privatfernsehkanal TV4 mit immerhin drei Frauen von insgesamt 16 Reportern. Im Gegenzug müssen sich die TV4-Damen des öfteren den Vorwurf gefallen lassen, lediglich als schmückendes Beiwerk fürs männliche Publikum zu dienen. Laut Suzanne Sjögren von TV4 ist die Zuschauerkritik gegen sie als Frau von ganz anderem Kaliber als jene, die gegen männliche Reporter gerichtet wird: „Es geht da weniger um das, was ich leiste, sondern um andere Dinge. Ich habe zum Beispiel Artikel über mich gelesen, da ging es darum, dass mich jemand in der Stadt gesehen und festgestellt hat, ich hätte einen total fetten Hintern. Solche Sachen sind also offenbar von Interesse und nicht etwa, wie ich zum Beispiel die Begegnung zwischen Real Madrid und Real Sociedad kommentiert habe.” Ebenso wie Annica Greder Duncan glaubt auch Suzanne Sjögren, dass der raue Ton und die vielen verbalen Angriffe die meisten Frauen davon abhalten, sich zum Ressort Sport oder gar in den Fuβball vorzuwagen. ”Oft herrscht ein sehr harter Jargon, und die Arbeitbedingungen sind hart. Und insgesamt ist die Situation schwieriger geworden, man ist beispielsweise über Mails für jedermann zugänglich geworden, und jeder hat das Recht, sich über einen im Internet auszulassen. Ich verstehe, wenn das abschreckt.”

Wenn Frauen Fuβball kommentieren, dann sei das Toleranzniveau enorm niedrig, bezeugen mehrere Reporterinnen. Ein ständiges Spieβrutenlaufen, die stete Angst, Fehler zu machen und zum allgemeinen Gespött zu werden, das hielten nur Menschen mit stählernen Nerven aus. ”Ich glaube, viele Frauen sind vergrault worden von der unerhörten Aggressivität, die in einigen Reaktionen lag, von den Forderungen des Publikums, das von einer Frau verlangt, immer und überall top-informiert zu sein”, sagt Suzanne Sjögren. „Im Sport gibt es immer noch eine Menge Sexismus - es ist also kein Wunder, dass das im Publikum nicht anders ist. Die Frauen sollen lieb und niedlich im Hintergrund stehen und die Männer vorne machen lassen.”

Anne Rentzsch

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