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Holocaust

Schwedens Lehrer brauchen Nachhilfe

Publicerat onsdag 20 augusti 2008 kl 09.55

Schwedische Lehrer wissen wenig über den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg. Das geht aus einer am Mittwoch in Stockholm vorgestellten Studie des Forums für lebendige Geschichte hervor. Viele der befragten Lehrer verwechselten beispielsweise die sowjetischen Gulag-Gefangenenlager mit den deutschen Konzentrationslagern in der Zeit des Zweiten Weltkriegs. 

Elf Fragen sollten sie beantworten, die schwedischen Lehrer. Nur zwei wussten alle Lösungen. Zwei von 5000. Wäre der Test des Forums für lebendige Geschichte eine Klassenarbeit gewesen: Zweidrittel aller Lehrer hätten die Note 6 bekommen.

”Es wäre schon recht wichtig, mehr über den Holocaust zu wissen”, sagt Eskil Frank, der Vorsitzende des Forums am Mittwoch in Stockholm. Schließliche gebe es auch in Schweden Neonazis und Menschen, die den Holocaust leugnen. ”Gerade Lehrer müssen denen mit Wissen begegnen können.”

Lehrerausbildung an den Universitäten trägt Schuld

Vor einer Woche war bekannt geworden, dass die Zahl rechtsextremer Vereinigungen in Schweden in jüngster Zeit markant gestiegen ist. Auch vor diesem Hintergrund sei eine bessere Lehrerausbildung an Schwedens Universitäten dringend geboten, meint Frank.

”Ich denke die Hochschulen tragen eine Hauptschuld an dem Ergebnis unserer Umfrage”, sagt Frank. ”Die Lehrerausbildung muss jetzt auf den Prüfstand – gerade was Geschichte angeht”.

Ein Vorwurf, den Tord Österberg zurückweist. Er bildet Lehrer an der Universität Uppsala aus, wo es eine eigene Forschungseinrichtung zum Thema Holocaust gibt: ”Bei uns ist genügend Wissen vorhanden. Aber ich stelle eine Gegenfrage: Müssen auch Sportlehrer an einer Grundschule bis ins kleinste Detail Bescheid wissen über den Holocaust?”

Zu schwere Fragen: Was geschah in Hadamar?

Denn nicht nur Geschichtslehrer, sondern Lehrer für alle Fächer wurden in der Studie des Forums für lebendige Geschichte befragt. Kritiker der Studie bemängeln vor allem, dass die Fragen allzu schwer gewesen seien. So wussten beispielsweise viele Lehrer nicht, dass Dachau nicht hauptsächlich ein Vernichtungslager für Juden war, sondern dass dort vorwiegend politische Gefangene inhaftiert waren. Und dass das Euthanasie-Zentrum der Nationalsozialisten Hadamar in Hessen war, war den meisten Befragten auch nicht bekannt.

Diese Kritik nimmt Eskil Frank, der Vorsitzende des Forums für lebendige Geschichte, an. Und dennoch ist er besorgt – vor allem über ein Ergebnis der Untersuchung: ”Rund jeder fünfte Lehrer sagt, er habe während seiner Ausbildung nichts über Demokratie gelernt – obwohl das im Studium laut Lehrplan vorgesehen ist. Das finde ich am schlimmsten.”

Lehrerverband fordert Aufklärung vor nächster Wahl

Eine Einschätzung, die auch Metta Fjelkner teilt. Sie ist die Vorsitzende des schwedischen Lehrerverbandes und denkt schon heute an die nächste Wahl in zwei Jahren: ”Viele Schüler, die dann zum ersten Mal wählen dürfen, brauchen Lehrer, mit denen sie diskturieren können. Dazu bedarf es Wissen um Themen wie den Holocaust - aber auch Fremdenfeindlichkeit und Integration.”

Denn solche Themen würden im Wahlkampf sicher eine große Rolle spielen.


Dominik Rzepka

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