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Kampagne soll helfen

Unkenntnis über Schütteltrauma bei Babys

Publicerat torsdag 28 augusti 2008 kl 11.53
Bitte nicht schütteln!

Jedes Jahr werden in Schweden 100 Säuglinge schwer misshandelt. Die meisten werden von ihren Eltern so stark geschüttelt, dass sie ernste - teilweise tödliche Schäden davontragen. Schütteltrauma nennen die Fachleute solche Schäden im Zentralnervensystem. In Schweden soll jetzt eine Kampagne auf die Folgen des Schüttelns aufmerksam machen.  

Die schwedische Kinderschutzbund „Rädda Barnen” kämpft zusammen mit Medizinern vom Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus in Stockholm gegen das Schütteltrauma. „Krama mig försiktigt”, ungefähr: „Halte mich vorsichtig”, heißt ihre Aufklärungskampagnen bei Kinderärzten, Klinik-Medizinern, Medien-Öffentlichkeit und Eltern.

„Keine geplante Kindesmisshandlung”

Yvonne Gedin, Psychologin von „Save the children”, kennt die Situationen, in denen Kinder bis zu einem Jahr ein Schütteltrauma riskieren: „Es handelt sich in vielen Fällen nicht um geplante Kindesmisshandlung. Wenn Eltern ihre weinenden Kinder schütteln sind die Gründe vielmehr häufig Erschöpfung, Schlaflosigkeit Frustration, Stress - und nicht zuletzt fehlende Entlastung durch andere Erwachsene. Wenn Babys zum Beispiel Kolik haben, schreien sie ja verzweifelt lange. Wir gehen davon aus, dass alle Eltern in eine Situation kommen können, in der sie ihr Kind einfach nicht mehr ertragen. Manche Eltern fühlen sich den Anforderungen nicht gewachsen.”

Überforderte, schlaflose Eltern versuchen, ihr pausenlos schreiendes Baby zum Schweigen zu bringen, indem sie es heftig durchschütteln. Das Ergebnis solcher Behandlung sind schon nach wenigen Sekunden innere Blutungen, Gewebe- und Knochenverletzungen, sagt Olof Flodmark, Professor für Kinderneuroradiologie in Stockholm:

„Wenn man das Baby schüttelt, schlägt sein Kopf ungeschützt hin und her. Das Gehirn des kleinen Kindes ist sehr zart und verletzlich, es hat noch nicht so viel Stützgewebe entwickelt. Durch das Schütteln reißen Blutgefäße und Gewebe im Gehirn.”

Schütteln ist also lebensgefährlich! Aber auch wenn die Folgen nicht tödlich sind, können ernste Schäden im Zentralnervensystem entstehen, die erst nach Jahren und manchmal nie wieder heilen. Die Kinder bekommen zum Beispiel Entwicklungsstörungen mit Seh-, Hör- oder Sprachausfällen.

Symptome, die auf ein Schütteltrauma hinweisen können sind Schlappheit, Schläfrigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle oder Atmungsaussetzer.

Häufige Folge: Tod oder neurologische Schäden

Eine kanadische Studie hat ergeben, dass zwei Drittel der überlebenden Kinder schwere Langzeitschäden zeigen. Schlimmer noch, die Mediziner stellten fest, dass jedes fünfte Kind, die mit Schütteltrauma in eine Klinik eingeliefert wurden, an den Verletzungen starben. Von den Überlebenden behielt mehr als die Hälfte bleibende neurologische Schäden zurück.

Schütteln ist also Kindesmisshandlung. Aber diese Art von Gewalt ist für Kinderärzte und -krankenschwestern schwer zu diagnostizieren. Man will die Babys nur ungern belastenden Untersuchungsmethoden wie Röntgen aussetzen, und das Krankenhauspersonal kann sich oft nicht vorstellen, dass Eltern gegen das Tabu, Kleinstkinder zu misshandeln, gebrochen haben. Hier sind einerseits gezielte Schulung, aber auch der Mut nötig, um die entsprechenden Untersuchungen einzuleiten, sagt Flodmark.

Deshalb hat eine Gruppe von Fachleuten am Astrid-Lindgren-Kinderkrankenhaus in Stockholm ein Programm ausgearbeitet, das medizinische Ratschläge gibt und Polizei und Sozialbehörden hilft, mögliche Fälle von Schüttelsyndromen zu prüfen.

Gravierende Unkenntnis nicht nur bei Eltern

Fachleute interpretieren die erschreckende Zahl der Kinder, die am Schütteltrauma leiden, vor allem als ein Zeichen von Unkenntnis bei Eltern und Betreuungspersonen.

Deshalb müssen Eltern, Babysitter und andere Aufsichtspersonen über die bleibenden körperlichen Schäden aufgeklärt werden, die beim Durchschütteln von Kleinkindern entstehen können. Dabei sollten nicht zuletzt die öffentlichen Mütterberatungsstellen und Stellen für die medizinische Versorgung von Kindern im ganzen Land beteiligt werden, wünscht sich Ivonne Gedin von „Rädda barnen”:

„In unserer Untersuchung hat die Hälfte der befragten Eltern angegeben, dass sie nicht die nötigen Ratschläge bekommen hat, wie man Säuglinge tröstet und beruhigt. Deshalb fordern wir, dass die Beratungsstellen die Eltern aktiv informieren, was man tut, wenn man sein Kind beim besten Willen nicht länger erträgt.”

Baby hinlegen, weggehen, durchatmen

Thomas Arvidsson, Verantwortlicher für die öffentliche medizinische Versorgung von Kindern in Göteborg, gibt ihr Recht. Glückliche, frischgebackene Eltern können sich meist gar nicht vorstellen, wie anstrengend ihr Dasein sich gestalten kann und fragen deshalb nicht nach Verhaltensmaßregeln für Krisensituationen. Da müsse das Personal vorbeugen, mit dem Rat:

„Wenn man wirklich nicht mehr kann, dann ist es am besten, das Kind auf den Boden, auf einen Teppich zu legen und wegzugehen. Dabei kann dem Baby nichts passieren. Und dann ruft man jemanden an, den man bittet, eine Zeitlang auf das Kind aufzupassen.”

Sybille Neveling

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