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Bräuche

Nicht ohne meinen Junggesellinnenabschied: Heiraten liegt im Trend - mit allem, was dazu gehört

Publicerat torsdag 28 augusti 2008 kl 12.05

Statistisch betrachtet mögen schwedische Ehen von kurzer Dauer sein, doch Heiraten liegt im Trend: 1998 gaben sich 31 000 Menschen das Jawort, acht Jahre später waren es schon 14 000 mehr. Die schwedische Hochzeitsindustrie setzt alljährlich umgerechnet rund 630 Millionen Euro 6 Mrd. Kronen um.

Die angehende Braut muss darauf gefasst sein, kurz vor der Hochzeit von ihren Freundinnen entführt zu werden. Möhippa nennt sich dieser Brauch, der auf eine Tradition aus dem 17. Jahrhundert zurückgeht. Doch auch heute wird eine Möhippa in Schweden regelrecht zelebriert.

Maria Johansson ist völlig überrumpelt. Gerade wollte die Juristin mit ihrem Verlobten ein gemütliches Sonntagsfrühstück auf dem Balkon einnehmen, da taucht plötzlich eine Rotte von Freundinnen auf. Zwei Wochen vor ihrer Hochzeit ist die Brautentführung angesagt, dämmert es der 30-Jährigen, verbunden mit den schlimmsten Befürchtungen: ”Das fühlt sich gut an, aber jetzt muss ich sicher eine Menge Jungs in der Stadt küssen.”

Doch bevor Maria eine Reihe großer Abenteuer bestehen muss, wird sie erstmal standesgemäß aufgedonnert: Um die Hüfte schlingen ihr die Freundinnen einen Tüllrock, auf den Kopf kommen Schleier und Krönchen - fertig ist das Möhippa-Kostüm. Noch ein paar Löffel Müsli zur Stärkung, dann geht es raus auf die Straße.

Ratschläge für die Ehe sammeln - ob’s hilft?

Auftrag Nummer eins lautet: Ehetipps sammeln. Zielstrebig geht Maria auf ein älteres Paar zu. 43 Jahre sind Lotta und Göran schon verheiratet:

”Seht zu, dass ihr viel Spaß zusammen habt. Und einen großen Freundeskreis”, sagt Lotta. ”Kämpft dafür, dass Eure Beziehung funktioniert”, rät ihr Mann Göran.

Maria zückt ihren rosa Feenstift und schreibt eifrig mit. Ihr nächstes Opfer ist eine Frau Mitte 50, die mit ihrer Tochter unterwegs ist: ”Sprich niemals mit deinem Mann über Probleme, bevor ihr gegessen habt. Keine Diskussionen auf nüchternen Magen”, empfiehlt die erfahrene Ehefrau - das Gejohle der Freundinnen lässt nicht lange auf sich warten.

Abenteuer zu bestehen ist eine der wichtigsten Zutaten für eine gelungene Möhippa. Die künftige Braut muss Küsse verkaufen, wildfremde Männer ansprechen oder ihre Flirtfähigkeiten unter Beweis stellen. Denn das Wort „Mö” bedeutet Jungfer. „Hippa” steht für festliches Zusammenkommen und das wird von den Freundinnen meist mit einem Zwischenstopp in einer schicken Bar oder im Restaurant verbunden.

Brautentführung: self-made oder professionell?

Je nachdem, was zur Braut passt, werden ein bis zwei Aktivitäten gebucht, sagt Jonas Eriksson, der mit seinem Unternehmen Northern Hemisphere professionelle Brautentführungen vorbereitet: ”Bei der Möhippa geht es darum, sich etwas Witziges einfallen zu lassen. Wir fahren zum Beispiel raus auf eine Insel im Schärengarten und verbringen einen Tag in der Natur. Dort gibt es einen Hochseilparcour, wo man in sechs bis 19 Metern Höhe von Baumwipfel zu Baumwipfel balanciert. Man kann in einem holzgefeuerten Eichenfass baden oder im Nomadenzelt, der Kote, übernachten.”

Um den schönsten Tag im Leben besonders persönlich und stressfrei zu gestalten, nehmen immer mehr Brautpaare professionelle Hilfe in Anspruch. Zwischen 2000 und 6000 Euro kosten Heiratsberater, je nach Aufwand, Empfehlungen für die Brautentführung inklusive. Für Marias Freundinnen war jedoch klar, dass sie ihre Möhippa selbst planen.

Singen vor versammelter Mannschaft

Maria und ihre Freundinnen sind auf dem Weg zu Vispråmen, dem Liederkahn, der unweit der Altstadt am Kai liegt. Herausforderung Nummer zwei hat sich Jugendfreundin Henrika ausgedacht. Sie hat einen Lied rausgekramt, das die beiden als Viertklässler zusammen komponiert haben. ”Hier werden wir Bier und Wein trinken, gute Musik hören und dann werden wir Maria auf die Bühne scheuchen”, kündigt Henrika lachend an. ”Das hat sie auch mit mir gemacht, auf meinem 30-Geburtstag - jetzt werde ich mich rächen.”

Die Freundinnen der Möhippa sitzen schon unten, im schummrig beleuchteten Bauch des Schiffes bei Bier und Wein und lauschen den Sängern, die einer nach dem anderen zur Klampfe greifen. Dann ist es soweit, Maria und Henrika erklimmen die Bühne und stimmen ihr Jugendlied an. Die Jugendfreundinnen singen von der Natur und den Sehnsuchtsgefühlen, die sie auslöst - Themen von Neunjährigen. Maria ist froh, als es vorbei ist: ”Aufregend, vor so vielen Leuten zu singen! Mir haben allerdings ein paar Tänzer im Hintergrund gefehlt - dann wäre es noch besser gewesen.”

”Jetzt kann nichts mehr schief gehen!”

Ausklingen lassen die Freundinnen den Abend auf der Terrasse des Seefahrtshotels unweit der Stockholmer Innenstadt. Das Gespräch dreht sich jetzt um Beziehungsprobleme und die richtige Härte im Nagellack. Maria Johansson hat es sich auf einem Rattanhocker bequem gemacht und nippt am Sektkelch. Den Tag zu ihren Ehren hat sie sehr genossen: ”Es war ein wunderbarer Tag! Ich bin allen sehr dankbar, dass sie das für mich organisiert haben und ich bin sehr glücklich. Und mit den vielen guten Ratschlägen, die ich bekommen habe, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen.”

Alexander Budde

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