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Altenpfege

Dement und unterversorgt: Personalmangel und Unkenntnis führen zu Unterernährung

Publicerat fredag 29 augusti 2008 kl 11.38
Leben im Alter

Senioren in Pflegeheimen bekommen oft nicht genug Nahrung und riskieren Mangelerscheinungen. Das zeigen zwei neue Untersuchungen über die Altenpflege in Schweden. Dem Heimpersonal fehle demnach oft die Zeit, um einzelne Patienten zu füttern. Gerade bei altersdementen Patienten sei nicht gewährleistet, dass sie genug essen.

„Das Essen fließt ihm wieder aus dem Mund, oder geht am Mund vorbei. Erst auf’s Lätzchen, und dann hierhin und dorthin und auf den Boden”, Sten schließt die Eingangstür zur Wohngruppe für Altersdemente sorgfältig hinter sich.

Er hat gerade seinen 91jährigen Vater besucht. Sten erzählt im Schwedischen Rundfunk, dass sein Vater seit einigen Jahren an Alzheimer leidet, nicht mehr selber essen kann und deshalb gefüttert werden muss. „Zuerst fingen seine Hände an zu zittern, da bekam er ein Kunststofflätzchen mit einer Auffangschale dran. So wie kleine Kinder das haben. Inzwischen kann er auch nicht mehr selbst trinken. Wenn er isst, landet das Essen meist auf dem Boden oder auf dem Schoss. Das größte Problem ist der Personalmangel. Seit drei Jahren ist meine Mutter fast jeden Tag im Heim und sorgt dafür, dass er genug zu sich nimmt. Aber jetzt schafft sie das gesundheitlich nicht mehr.”

Stens Mutter, Margareta, wird bald Neunzig. Die adrette, weißhaarige Frau lebt in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Heims, in dem ihr Mann gepflegt wird. Sie füttert ihn, wenn sie merkt, dass das Heimpersonal nicht genügend Zeit hat. „Ich hab festgestellt, dass das Essen ihm schwer fällt. Deshalb bleibe ich da und füttere ihn. Es ist ja wichtig, dass man genügend Nahrung zu sich nimmt. Außerdem isst er ja so gerne!”

Ungeübtes Personal
Margareta hat beobachtet, dass viele Aushilfen im Pflegeheim nicht wissen, wie man Demente füttert. „Das Personal ist ungeübt. Gerade im Sommer kommen viele neue Pfleger, die gar keine Ausbildung auf diesem Gebiet haben und nicht wissen, wie man mit Kranken umgeht, dass man ihnen auch mal gut zureden muss, zum Beispiel, dass man sich viel Zeit nehmen und ruhig bleiben muss. Natürlich habe ich es leichter, ihn zum Essen zu bringen, mich kennt er ja. Aber er weiß nicht mehr, wie ich heiße. Er erkennt mich, wenn ich meine kühle Hand auf seine Warme lege, dann schaut er auf und lächelt.” Aber jetzt verlassen Margareta allmählich die Kräfte. „Ich hab so große Schmerzen im Rücken, dass ich das einfach nicht mehr kann.”

Stiefmütterliche Behandlung der Dementen
Yngve Gustavsson ist einer der führenden Spezialisten für Geriatrie in Schweden. Er hat festgestellt, dass gerade Patienten mit Altersdemenz in Heimen viel zu wenig Nahrung zu sich nehmen. Das Personal muss meist mehrere Patienten gleichzeitig füttern. „Die pflegeintensiven Bewohner werden in allen Seniorenheimen mehr. Diese Patienten essen von sich aus oft nicht genug. Die Malzeit wird kalt und das Personal kann nicht alle richtig füttern. In manchen Heimen bekommen alle Altersdementen ihr Essen gleichzeitig in einem einzigen Speiseraum. Dass sie einander gegenseitig stören, kann man sich ja vorstellen”, bedauert der Experte.

Yngve Gustavsson kennt die Altenpflege aus der Praxis, er ist beratender Arzt in mehreren städtischen Altenheimen. „Manchmal sitzt ein Pfleger und füttert mehrere Patienten gleichzeitig. Menschen mit Altersdemenz können oft auch Geschmack und Geruch nicht mehr richtig spüren. Abgesehen davon sind sie aufgrund ihrer Gehirnkrankheit oft sehr stressempfindlich. Und dann werden sie gefüttert, ohne dass die Person die füttert, sich voll auf einen einzigen Patienten konzentrieren kann. Da ist das Risiko, dass die Patienten sich verschlucken, natürlich groß.”

Erst kürzlich ist ein Fall aus Värmland bekannt geworden: In einem Seniorenheim in Karlstad verschluckte sich ein Patient durch zu schnelles Füttern und geriet in Atemnot. Der Aushilfspfleger fütterte trotzdem weiter, bis Kollegen eingriffen. Der Mitarbeiter wurde suspendiert.

Verwandte sollte nicht das Personal ersetzen
Gegen halb zwölf verlässt Margareta ihre Wohnung, um ihrem Mann beim Mittagessen Gesellschaft zu leisten. Das eigentliche Füttern allerdings übernimmt diesmal ein Pfleger, Margareta kann das heute wegen ihrer Schmerzen nicht.

Es gibt Hausmannskost: schwedisches Bauernfrühstück, so genannten ”Pytt i panna” mit roten Beeten. Maud Förnäs ist die Leiterin des Heims. Sie bestätigt, dass Verwandte manchmal einspringen und die Pfleglinge füttern. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das passiert. Unser Ziel ist selbstverständlich, dass unsere Patienten so viel Nahrung zu sich nehmen, wie sie brauchen und haben möchten. Aber selbstverständlich ist es auch schön, wenn die Angehörigen mithelfen wollen und damit den Kontakt zu unseren Patienten halten. Aber nicht, um mögliche Personalprobleme zu lösen! Obwohl das natürlich vorgekommen sein kann.”

Besonders zur Urlaubszeit könne es schon mal geschehen, dass die Aushilfen ganz auf sich selbst gestellt seien, bedauert Maud Förnäs.

Professor Yngve Gustavsson meint, dass die Patienten nicht nur beim Füttern den Stress des Personals zu spüren bekommen. Viele müssen auch länger ohne Essen auskommen, als gut für sie ist. Das zeigen zwei neue Studien, mit denen er gearbeitet hat.

„Die Zeit zwischen Abendessen und Frühstück betrug im Durchschnitt 14 Stunden. In einigen Fällen sogar über 17 Stunden. Hier sehen wir eines der Hauptprobleme in der schwedischen Altenpflege überhaupt. Die Senioren verhungern. Sie müssen alle nötige Nahrung innerhalb einer sehr kurzen Zeitspanne zu sich nehmen und dann folgt eine lange, lange Pause ohne Essen am Abend und in der Nacht.”

Verantwortung der Angehörigen bleibt
Der 91jährige Bernd ist endlich mit dem Mittagessen fertig. Seine Frau Margareta kehrt in ihre Wohnung zurück: „Jetzt geh ich nach Hause und ruhe mich aus. Ich komme wie gewöhnlich morgen wieder, dann hab ich ein Käsebrot für dich dabei”, verabschiedet sie sich für heute.

„Hmm, Käsebrot ist lecker!”, freut sich Bernd.

63 Jahre sind die beiden nun schon zusammen, ”aber die heiße Liebe, die Leidenschaft, die ist verschwunden”, stellt Margareta sachlich fest. „Jetzt ist das eher Zuneigung. Ich möchte ja, dass der Mensch, den ich liebe, es gut hat. Ich hab mich inzwischen daran gewöhnt, dass er allmählich aus meinem Leben verschwindet. Ich will Bernd überleben. Ich will dafür sorgen, dass es ihm auch am Ende seines Lebens noch gut geht.”

Sybille Neveling

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