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GESUNDHEITSWESEN

Privates Kinderkrankenhaus sorgt für Wirbel

Publicerat tisdag 2 september 2008 kl 09.56
Bítet warten: Im öffentlichen schwedischen Gesundheitswesen braucht man Geduld

In knapp drei Wochen steht in Schweden eine viel beachtete Premiere an: In Stockholm wird das erste private Kinderkrankenhaus des Landes eröffnet. Finanzkräftige Eltern können sich also künftig an den Warteschlangen im öffentlichen Gesundheitswesen vorbeikaufen. Schon lange vor der Eröffnung hat die neue Einrichtung für heftige politische Diskussionen gesorgt. Unter vielen schwedischen Eltern ist das Interesse jedenfalls groβ.

Der kleine Patient schaut etwas zweifelnd, die Krankenschwester lächelt dafür umso zuversichtlicher in die Kamera: Auf seiner Website heiβt das neue Kinderkrankenhaus namens „Martina” seine potenziellen Kunden zwischen null und sechzehn Jahren willkommen. Jedenfalls, wenn sie zahlungswillig sind. Schon eine Kurz-Konsultation wird umgerechnet 150 Euro kosten. Diese Kosten sind entweder in bar zu entrichten oder - auch dies eine Neuerung in Schweden - sie werden über eine private Kinder-Krankenversicherung finanziert. Doch der finanzielle Aufwand scheint die Kunden nicht merkbar abzuschrecken: Nach intensiver Marktforschung rechnet das Krankenhaus mit rund 22.000 Besuchen pro Jahr. Was macht die private Alternative so attraktiv?

Lieber effektiv als gratis

„Unser Ziel ist es, kürzere Wartezeiten und raschere Behandlungszeiten zu bieten und eine sehr hohe Qualität zu gewährleisten”, sagt der Chef des neuen Kinderkrankenhauses, Peter Wasmuth. Das mag nicht sonderlich spannend klingen, ist für die leidgeprüften Schweden aber schon viel. Monatelanges Warten auf Arzttermine und stundenlanges Warten bei Akutbesuchen sind im öffentlichen schwedischen Gesundheitswesen an der Tagesordnung. Dort ist die Behandlung für Kinder zwar kostenlos. Aber: lieber effektiv als gratis, meinen offenbar viele schwedische Eltern. Daher in jüngster Zeit auch ein Ansturm auf die privaten Kinder-Versicherungen, wie Calle Östervall von der Versicherung „If” bestätigt:

”Wir können feststellen, dass unter unseren Kunden ein groβes Interesse besteht, ihre Kinder versichern zu lassen”, so Östervall. „Mit dem neuen privaten Kinderkrankenhaus haben sich für unsere gesamte Branche ganz neue Möglichkeiten eröffnet”, freut er sich. „Jetzt können wir Krankenversicherungen für Kinder ab null Jahren anbieten.”

Kostenpunkt bei „If” für eine solche Versicherung: an die 300 Euro im Jahr, bei anderen Versicherungsgesellschaften wie zum Beispiel Skandia kann man zwischen einer „Light”- und einer Vollvariante wählen, die jeweils um 150 Euro beziehungsweise 300 Euro kosten. Allerdings, so räumt Krankenhauschef Peter Wasmuth ein, kann nicht jeder anstandslos eine solche Versicherung abschlieβen.

Kosten gut kalkuliert

„Es kann da gewisse Ausnahmeregeln geben, die die Versicherungen jeweils im Detail festlegen”, sagt er. Im Klartext: chronisch und schwer kranke Kinder gehören nicht zur erwünschten Kundengruppe der Versicherungen. Und auch nicht zu der des neuen privaten Krankenhauses Martina: „Wir sind kein Krankenhaus, das auf behinderte Kinder oder besonders schwere Krankheiten spezialisiert ist, sondern wir sind spezialisiert auf leichtere Fälle”, stellt Wasmuth klar.

Schwere und chronische Fälle bedeuten nun mal hohe Kosten, und das passt schlecht ins Gewinn-Konzept. Schlieβlich soll sich das Projekt Privat-Kinderkrankenhaus nicht nur für die kleinen Patienten auszahlen, sondern auch für die Betreiber. Die nun stehen seit Monaten in der öffentlichen Kritik. Ist es rechtens, mit höheren Löhnen und Gehältern Personal aus dem öffentlichen Gesundheitswesen „abzuwerben” und den öffentlichen Bereich somit noch mehr zu schwächen? Und vor allem: Ist es rechtens, die Behandlung von Kindern vom Geldbeutel der Eltern abhängig zu machen? Nein, sagt der bekannte Kinderarzt Lars H. Gustafsson. Seiner Auffassung nach verstöβt Schweden mit der Eröffnung des Krankenhauses gar gegen die internationale Kinderschutzkonvention der Vereinten Nationen.

Wunsch und Wirklichkeit

”Ich habe nichts gegen private Behandlungen, solange diese Behandlung jenen Kindern zugute kommt, die sie am dringendsten brauchen. Aber just diese Kinder werden von dieser Möglichkeit ausgeschlossen, weil ihre Eltern die nötigen Versicherungen nicht bezahlen können”, betont der Arzt mit Verweis auf die Ausländerghettos am Rande der schwedischen Groβstädte. „Dies widerspricht meinen ethischen Vorstellungen ebenso wie der UN-Kinderkonvention, die besagt: es soll nach den Bedürfnissen des Kindes gehen, nicht nach dem Geldbeutel der Eltern.”

Soweit die Theorie. In der schwedischen Praxis freilich entspricht monatelanges Warten auf eine Behandlung wohl auch nicht gerade dem Kindesbedürfnis. Insofern ordnet sich das private Kinderkrankenhaus ein in den Trend, der sich überall in der schwedischen Gesellschaft abzeichnet: Trotz hohen Steuerdrucks lassen die öffentlichen Leistungen immer mehr zu wünschen übrig, was eine wachsende Nachfrage nach privaten Alternativen erbringt. Jerry Lyssell, der mit seinem Nachwuchs schon manche Stunde in überfüllten Wartezimmern verbracht hat, kann sich jedenfalls durchaus denken, eine private Versicherung abzuschlieβen:

„Ich finde diese Möglichkeit gut. Sicher, moralisch ist es vielleicht ein bisschen zweifelhaft. Aber ich denke trotzdem: Wer es sich leisten kann, eine solche Versicherung abzuschlieβen, der sollte das tun dürfen.”

Anne Rentzsch

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