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Angst, Depression, Pillen:

Immer mehr Jugendliche werden therapeutisch behandelt

Publicerat onsdag 17 december 2008 kl 10.13
Wer weiß schon genau, wie es ihnen geht?

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben psychische Probleme. Bereits vor zwei Jahren hat der Kinderombudsmann in einem Bericht Alarm geschlagen. Demnach hat sich die Zahl von Kindern und Jugendlichen, denen Antidepressiva verschrieben werden, innerhalb von drei Jahren verdoppelt. Die 15jährige Lydia ist eine der Betroffenen.

Sie macht Feuer in der Holzhütte des Scooterclubs. Die liegt etwas abseits des Dorfes, in dem sie wohnt, an einem See. Obwohl es jetzt im Winter ungemütlich kalt ist hier drinnen, kommt sie mehrmals in der Woche. Hier sucht Lydia Schutz.

Manchmal hat sie die Gitarre mit, sie braucht die Abgeschiedenheit der Hütte: ”Um allein zu sein und nachzudenken. Um den sozialen Herausforderungen zu entfliehen. Die sozialen Herausforderungen sind wahrscheinlich für andere relativ normal, für mich ist es aber schwer, mit Menschen zusammenzusein, die meine Aufmerksamkeit haben wollen und meine Anwesenheit. Die wollen, das ich Ich bin.”

Doch allein dies fällt Lydia unerhört schwer. Die 15-Jährige ist eine attraktive heranwachsende Frau. Die Augen hat sie dick schwarz ummalt. Lydia will nicht gesehen werden, die schwarz geschminkten Augen sind ihre Maske, so wird sie nicht erkannt. So fühlt sie sich nicht so leicht verletzbar. Lydia ist psychisch krank.

”Man nennt das eine generalisierte Angststörung und Panikangst. Das sieht man nicht, deshalb wissen viele nicht, wie sie damit umgehen sollen. Es ist ungerecht, dass manche krank werden und andere nicht. Ok, ich hab keinen Krebs, darüber sollte ich froh sein.”

Drei Prozent der Schweden haben ständig Angst

Unter einer generalisierten Angststörung leiden etwa drei Prozent der schwedischen Bevölkerung. Eine sogenannte Dauerangst, die zu Panikattacken führt. Lydia erinnert sich deutlich an ihre erste Angstattacke.

”Ich war 13, und es passierte im Matheunterricht. Ich verstand nicht, was passiert war, musste den Unterricht verlassen, weil ich am ganzen Körper gezittert habe. Das war richtig, richtig unangenehm. ”

Seitdem kommen die Panikattacken regelmäßig. Hinzu kommen Schlafstörungen, Konzentrationschwächen, mangelnde schulische Leistungen. Deshalb nimmt Lydia täglich anderthalb Tabletten, Antidepressiva und trifft sich zweimal pro Woche mit einer Psychologin. In der kognitiven Verhaltenstherapie soll Lydia lernen, Situationen zu erkennen, die zu Angstattacken führen, um damit besser umgehen zu können.

”Wir machen Entspannungsübungen, damit ich mich weniger ängstlich und gestresst fühle. Wenn ich dann spüre, dass sich eine Angstattacke anbahnt, soll ich bewusst abschalten. Die Tabletten helfen bisher nicht richtig, und es ist richtig blöd, dass ich die einzige in der Klasse bin, die solche Pillen schluckt. Noch schlimmer ist, dass ich nicht weiß, wie es ohne Pillen besser werden soll.”

Besorgniserregende Zustände

Was ist passiert mit den Kindern und Jugendlichen im kinderfreundlichen Land Schweden? Rein theoretisch haben sie alle Möglichkeiten, das Beste aus ihrem Leben zu machen, wachsen in finanziell gesicherten Verhältnisse auf. Der Forscher Michael Westerlund aus Stockholm weist auf ein ernstes Problem hin:

”Es ist sehr beunruhigend, dass im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern die Anzahl jugendlicher Selbstmorde nicht abnimmt. Das ist ein ernsthaftes Problem.”

Lydia denkt viel nach, wenn sie in ihrer Holzhütte sitzt. Über das Leben und die Schwierigkeiten, die Jugendliche mit 15 Jahren zu bewältigen haben.

”Ich glaube, der Druck heutzutage ist zu groß. Man muss zeitig Entscheidungen treffen. Was will man werden? Wo soll man wohnen? Viele wachsen ja in zwei Elternhäusern auf, wenn die Eltern geschieden sind. Ich kenne viele, die nicht ständig zwischen Mutter und Vater pendeln wollen. Man wird irgendwie zu schnell erwachsen.”

Die Jugendlichen stecken in der Zwickmühle: Selbst müssen sie schnell reifen, gleichzeitig erleben sie Erwachsene, die nicht richtig Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen. Lydia versucht, die Widersprüche zu kanalisieren. Sie schreibt ein Internettagebuch, sie schreibt Gedichte. Traurige Gedichte:

„Nur acht Tage bis Weihnachten. Nur acht Tage. Bis ich auf die Wirklichkeit treffe.

Krämpfe in meiner Brust. Aber Lydia, du bist doch fast erwachsen. Fest in einem Zwischending. Die Atemzüge schlagen die Lungen kaputt. Als ob ich Glassplitter und Schotter verschluckt hätte. Kleine alltägliche Widerstände. Die mich zur Raserei bringen. Wie können sie mich stark nennen?”

Lydia war stark genug, Hilfe zu suchen. Die Therapie hilft ihr. Auch wenn die schwarzgeschminkten Augen müde aussehen, so ist sie sicher, dass sie es schaffen wird, das Leben zu meistern. In zwei Jahren vielleicht. Dann ist sie 17.

”Das ist das Wichtigste! Ich will fotografieren, alles nachholen, was ich versäumt habe. Ich will tun können, was ich will, studieren, wieder Spaß am Gitarrespielen haben. Aber der Weg dorthin wird lang und schmerzhaft. Es ist nicht einfach, etwas richtig Anstrengendes loszuwerden.”

Katja Güth

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