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RENTIERZUCHT

Scheidung nach Rentier-Art

Publicerat måndag 5 januari 2009 kl 16.20
Rene im Winterquartier (Foto: Marie Enoksson, Sametinget)

Winterzeit ist Hochbetrieb für die rentierzüchtenden Samen, denn dann werden die Herden zusammengetrieben, gezählt und die Schlachttiere aussortiert. Weil sich die Herden der unterschiedlichen Samendörfer vermischen, kommen die Halter mit groβen Anhängern, um ihre Rentiere wieder abzuholen. Und dann kommt das Schlachtauto. Katja Güth war dabei bei diesem Spektakel, das Rentierscheidung heiβt und das bei klirrender Kälte mitten im Wald nördlich von Luleå stattfand.

Am großen Berg ist das Gehege aufgebaut, es ist mit groben Maschendraht umzäunt. Etwa 500 Rentiere stehen im Gehege und äsen. Gleich nebenan, hinter einem kleineren umzäunten Platz, werden die ersten Rentiere geschieden, wie das heißt. Und diese Scheidung ist ein Kraftakt. Ein Ren ist zwar kleiner als ein Elch, doch es setzt sich zur Wehr, wenn es an den Hörnern gepackt wird. Die Tiere werden erst gezählt, und dann geimpft. Das macht Marina Jägarevind, die gerade einem Ren die große Spritze ins Fell setzt.

“Wir impfen die Tiere gegen Dasselfliegen. Diese Larven können unter die Haut kriechen und sind ekelhaft unangehm für die Rene. Wenn diese Parasiten das Fell angreifen, sieht das fürchterlich aus, und ich glaube, das ist auch fürchterlich für die Rentiere.”

Nach der Impfung werden dem Ren zwei leichte Schnitte mit dem Messer ins Fell verpasst, das ist das Zeichen, dass es geimpft und gezählt wurde. Und dann bekommt es noch ein Farbmarkierung an den Pürzel.

“Das ist, damit wir wissen, wem es gehört,” erklärt Marina Jägarevind. “Wir sind ja ein Konzessionssamendorf und halten die Rentiere für andere. In unserer Kooperative haben wir viele Rentierbesitzer, die uns dafür bezahlen, dass wir die Rentiere halten.”

Unbekannte Tradition

In Schweden ist die Rentierzucht den Samen vorbehalten. Mit der Einführung der Konzessionssamendörfer 1928 wurde dieses Vorrecht beschnitten. Die Rentierzucht ist eine Tradition, die mit der Kolonisation Lapplands begann und die oft für Konflikte sorgt. Auch heute noch wissen viele Schweden nicht, wie die Zucht eigentlich vonstatten geht und wie so eine Rentierscheidung funktioniert. Mattias Sundkvist sieht sich das Treiben zum ersten Mal an:

“Wir haben gerade Gäste aus England, und die wollten Rentiere sehen. Da habe ich gehört, dass heute hier Scheidung ist. Ich bin zwar hier oben aufgewachsen und habe ständig Rentiere vor der Nase, aber so was habe ich noch nicht gesehen. Das ist richtig spannend.”

Spannend anzusehen ist auch, wie stur sich ein Ren anstellen kann, wenn es auf den Anhänger des Schlachtautos soll. Als ob das Tier sein drohendes Schicksal ahnt, stemmt es sich mit allen Vieren dagegen. Es braucht zwei kräftige Männer, das Tier durch die Brettertür zu kriegen. Einer davon ist Svante Renberg. Ihm gehört die Schlachterei, die auf Wild spezialisert ist. Die dicke Jacke ist verschlissen, ihr sieht man die Arbeit in den zahlreichen Scheidungsgehegen an. Svante Renberg macht in dieser Schlachtsaison gute Geschäfte.

“Die Rentiere waren ja knapp geworden. Und traditionell ist es doch so, das eine Flaute immer höhere Fleischpreise nach sich zieht. Und dann gehen die Preise wieder runter. Wir bezahlen gerade 65 Kronen per Kilo.”

Fleischpreise ziehen an

Umgerechnet sechs Euro das Kilo, inklusive Schlachtbeihilfe erbringt ein Schlachttier über 200 Euro. Mit diesen Preisen ist auch Rentierzüchter Lars Eriksson zufrieden:

“Die Preise sind einigermassen angemessen. Wir leben ja in teuren Zeiten, man muss den ganzen Maschinenpark bezahlen, also Scooter und Auto und Telefon, Computer. Wenn wir nur von der Rentierzucht leben wollen, muss ich ungefähr 1.000 Rentiere haben, damit sich das rechnet.”

Lars Eriksson, der stämmige Mann mit weißem Vollbart, hat neben der Rentierzucht ein kleines Tourismusunternehmen. Er betreibt ein Wildniscamp ohne Strom mitten im Wald und berichtet meist ausländischen Touristen über die Rentierzucht. Heute hat er aber dafür keine Zeit, die Scheidung muss vor Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein. Und das ist sie auch, nach vier Stunden sind alle 500 Rentiere gezählt, markiert und knapp 90 davon auf den Schlacht-LKW verfrachtet worden.

Katja Güth

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