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Gesetze, finanzielle Anreize, gutwillige Arbeitgeber

Immer mehr Väter nehmen Erziehungsurlaub

Publicerat torsdag 12 februari 2009 kl 11.10
Foto: Janerik Henriksson/Scanpix.

Nach zwei Jahren Stillstand ist die Zahl der Väter, die mindestens drei Monate Erziehungsurlaub nehmen, im vergangenen Jahr wieder gestiegen - immerhin um ein Prozent. 21,5 Prozent des von der staatlichen Versicherungskasse ausbezahlten Geldes geht damit inzwischen auf die Konten von Vätern. Als 1974 erstmals auch Väter Erziehungsurlaub nehmen durften, waren es erst 0,5 Prozent. Zwanzig Jahre später wurde der erste so genannte Papa-Monat eingeführt, der auch wirklich nur einem Elternteil zusteht. Der Plan ging auf: Der Anteil Elternzeit für Väter stieg umgehend auf zehn Prozent. Doch längst nicht in allen Kreisen gilt der Erziehungsurlaub für Väter im Jahr 2009 als normal. Besonders engagiert sind laut Versicherungskasse die Akademiker.

Es ist kurz nach 11 am Vormittag, Calle Markstedt hat seinem neun Monate alten Sohn Lukas ein Gläschen warm gemacht, seine Frau Monika ist am Telefon und will wissen, ob alles in Ordnung ist. Lukas war nämlich eine Woche krank. Ohrenentzündung und Erkältung, entsprechend appetitlos. Kein Kontrollanruf also, ob Papa zu Hause denn auch alles im Griff hat. Calle war schließlich schon mit Tochter Nellie im Vaterschaftsurlaub.

„Elternzeit ist für mich wichtig, denn ich wollte und will doch mit meinen Kindern zusammen sein. Wenn man die Möglichkeit hat, kann ich nicht nachvollziehen, warum man keinen Vaterschaftsurlaub nehmen sollte. Vom Persönlichen mal abgesehen, finde ich es auch wichtig, sich für Gleichberechtigung in Gesellschaft und Familie einzusetzen, in der Eltern gleichberechtigte Vorbilder sind. Und das macht man, wenn man zu Hause mit seinen Kinder ist. Außerdem verschafft man sich früh Sicherheit in seiner Elternrolle, die einem später von Nutzen ist.”

„Elterzeit soll und kann nicht nur Spaß machen”

Morgens um neun bringt Calle seine dreieinhalbjährige Tochter zum Kindergarten, fast in Sichtnähe. Um 15 Uhr holt er sie schon wieder ab, allzu viel Zeit bleibt da nicht für größere Aktivitäten.

„Jetzt mit Lukas ist mein Tag ganz anders eingeteilt. Damals mit Nellie kamen mir die Tage schon auch mal recht lang vor. Es geht aber bei der Elternzeit nicht darum, von früh bis spät nur Spaß zu haben. Manchmal ist es anstrengend, manchmal fehlen einem andere Erwachsene, das Kind nölt nur rum und es ist nervig, nur auf dem Boden herumzusitzen und zu spielen. Aber das geht doch der Mutter nicht anders. Mit welchem Recht kann man dann sagen: Das ist so sterbenslangweilig, dazu habe ich keine Lust. Dann kommen außerdem wieder andere Tage, an denen es total Laune macht - und die Tage überwiegen.”

Was Geschichts- und Schwedisch-Lehrer Calle über seine Elternzeit sagt, freut wiederum Mats Berggren. Seit zwölf Jahren leitet er in einer staatlichen Einrichtung Kurse für werdende Väter. Leider beobachte er noch immer häufig, dass erst alle ganz wild auf Vaterschaftsurlaub seien, am Ende aber nur ein kleiner Teil bei seinem Vorhaben bleibe.

„Wir halten uns für besser als wir sind. Bis die Kinder kommen, leben wir recht gleichberechtigt, danach landen wir wieder in den alteingesessenen Sofas. Erst wollen alle Väter Erziehungsurlaub nehmen, de facto springen aber viele ab. Fragt man nach, warum, heißt es entschuldigend: Ach, sie hat das so gut zu Hause gemacht, und bei meiner Arbeit lief es auch rund. So verlaufen dann viele gute Ansätze im Sand. Man hat die Wahl, aber viele Väter nehmen sie nicht wahr.”

Zögerliche Väter trotz entgegenkommendem System

Dabei ist kaum ein anderes System so vorteilhaft für beide Eltern wie das schwedische. Elternzeit ist gesetzlich verankert; so lange der Arbeitnehmer zwei Monate vorher Bescheid sagt, kann der Arbeitgeber den Erziehungsurlaub nicht verbieten. 480 Tage stehen den Eltern pro Kind zu bei bis zu 80 Prozent des Gehalts. Das bedeutet, man kann auch nur 40 Prozent seines Lohns beantragen, dafür hat man zwei Tage Elternzeit statt nur einem. Ausgenommen von diesem System sind 90 so genannte Garantie- oder Notfalltage. An diesen Tagen gibt es nur umgerechnet sechs Euro am Tag, gedacht sind sie quasi als unbezahlter Urlaub.

Seit Juli vergangenen Jahres gibt es mit dem Gleichstellungsbonus einen weiteren Anreiz, insbesondere für die noch immer unterrepräsentierten Väter: Je gerechter die Eltern den Erziehungsurlaub untereinander aufteilen, desto mehr Geld gibt es beim Steuerjahresausgleich. Je nach Gehaltsklasse können das mehrere hundert Euro sein.

Wer Elternzeit nimmt, muss möglicherweise seinen Lebensstandard etwas nach unten schrauben. Viele sind jedoch durch den in Schweden üblichen Haus- und Wohnungskauf verschuldet, dazu kommen andere typische Leasing-Objekte wie Auto und eine teure Einrichtung.

Viel Familie statt viel Geld

Magnus Reithner arbeitet bei einer Branchenzeitung für Sportgeschäfte. Normalerweise. Seit Januar ist der Journalist zum zweiten Mal im Vaterschaftsurlaub, diesmal mit seiner einjährigen Tochter Ally, und diesmal sogar für acht Monate. Sein vierjähriger Sohn Elis geht in den Kindergarten.

„Klar ist man jetzt etwas klammer, obwohl ich sogar noch Zulagen von meinem Arbeitgeber bekomme. Aber darauf kann man sich doch einstellen. Viele Vergnügungen von früher, wie abends ausgehen und in der Stadt essen gehen, fallen ja eh weg, wenn man kleine Kinder hat. Da kann man eine Menge einsparen”, sagt Magnus und lacht.

Doch nicht nur die Aussicht auf weniger Geld und das Selbstverständnis als Versorger hält besonders Väter eher vom Erziehungsurlaub ab. Viele ängstigen sich auch vor einem Karriereeinbruch. Für Magnus Reithner ist das kein Problem. Selbst wenn seine Tochter zum Herbst keinen Kindergartenplatz bekommen sollte und er noch länger zu Hause bleiben müsste - bei seinem Chef stößt er stets auf Verständnis.

„Mein Chef hat mir schon vor meiner ersten Elternzeit prophezeit, dass ich ein besserer Mitarbeiter werde und ein besserer Mensch insgesamt - und sicher auch mehr leisten werde. Er ist beiden meiner Erziehungsurlaube sehr positiv gegenüber eingestellt gewesen und sagt selbst, dass die Familie immer vorgeht. Und er hatte Recht! Ich bin viel effektiver geworden. Man hat einfach nicht mehr die Zeit, auch mal Sinnloses zu machen.”

Für Mats Berggren, der sich mit seinen Kollegen jährlich um hunderte werdende Väter in Stockholm kümmert, spielt noch etwas eine Rolle:

„Die Statistik zeigt, dass es in den Familien, in denen der Vater Elternzeit genommen hat, harmonischer zugeht. Die Scheidungsrate sinkt deutlich. Wenn man sich die Arbeit und die Verantwortung gerechter aufteilt und mehr Einsicht ins Elterndasein hat, macht das Zusammenleben mehr Freude und es geht einem besser. Männer sind am nachlässigsten, was ihre Beziehung zu den Kindern angeht. Die Hauptverantwortung für die Kleinkinder überlassen sie ihrer Partnerin und sagen, dass sie das später wieder aufholen. Das stimmt vielleicht sogar. Aber meine Erfahrung zeigt, dass je früher man Zeit mit seinem Kind verbringt, umso fester ist die Beziehung.”

Vaterschaftsurlaub ist die Norm - in gewissen Kreisen

Im Sommer bekommen Magnus und seine Frau ihr drittes Kind. Für den Vollblutvater ist klar, dass er sich auch den Vornamen von Kind Nummer Drei auf den rechten Unterarm tätowieren lassen wird. Und dass er auch im kommenden Jahr wieder mehrere Monate mit seinen Kindern zu Hause verbringen wird.

„Zumindest in meinem Bekanntenkreis werden eher die Väter in Frage gestellt, die sich aus verschiedenen Gründen gegen die Elternzeit entscheiden. Die Frage, warum bloß Erziehungsurlaub, kenne ich nicht, eher die Frage, warum nicht.”

Liv Heidbüchel

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