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Journalistik-Professor: „Mehr Politiker sollten bloggen”

Publicerat måndag 16 februari 2009 kl 10.50
"Alle diese Tage": Außenminister Bildt bloggt überaus erfolgreich

Weil die Politik oftmals nur indirekt, nämlich durch Medien zensiert, zum Wähler spricht, sollten sich weit mehr Politiker an Schwedens Außenminister Carl Bildt ein Beispiel nehmen und ebenfalls einen Blog starten. Dieser Meinung ist Håkan Huitfeldt, Leiter des Journalistikinstituts an der Stockholmer Universität. Dass auch Bildts Blog in persönlichem Stil gehalten ist und vor Ausflügen ins Private nicht zurückschreckt, stört Huitfeldt nicht. Im Gegenteil.

Fast 4,4 Millionen Besucher. In gut zwei Jahren. Die Zahlen sprechen für sich. Auch Journalistikprofessor Håkan Huitfeldt zieht den Hut vor Bildts Blog „Alle diese Tage“: „Würde ich bloggen, ich würde vor Neid erblassen. Zu diesem Erfolg kann man ihm nur gratulieren und hoffen, dass mehr führende Politiker es ihm nachtun. Das ist natürlich nicht ganz einfach, denn nicht jedem geht das Schreiben so leicht von der Hand wie Bildt. Einen Blog schreibt schließlich nicht der Pressesprecher.“

Außenminister Carl Bildts Blog ist angesagt, und das wohl nicht nur wegen der harten politischen Fakten. Aktuelles Beispiel der Eintrag zum Wochenauftakt: Zunächst steht ein Treffen Bildts mit seinem sudanesischen Amtskollegen auf der Tagesordnung, gefolgt von Gesprächen mit den Streitkräften über künftige internationale Einsätze, abends dann wartet eine große Feier im Königlichen Dramatischen Theater „Dramaten“ anlässlich der Abspaltung Finnlands von Schweden vor 200 Jahren.

An anderen Tagen lässt es sich Bildt nicht nehmen auf die Qualität des Hotelzimmers einzugehen oder auf einen weiteren harten Tag in beispielsweise Brüssel hinzuweisen. Als „human touch“ bezeichnet diesen Stil Bildts Pressesekretärin. Im Blog darf es also gern auch mal menscheln.

Auch Blogs erreichen nur bestimmte Kreise
Abgesehen davon, dass das Private nun einmal viele interessiert, begrüßt Professor Håkan Huitfeldt jeden Hinweis auf die harte Arbeit, die das Politikerleben ausmacht: „Ich halte diesen Einblick ins Leben für bedeutsam. Ich glaube außerdem, dass dadurch das Verständnis für politische Arbeit wächst. Das Wort Politiker ist bei vielen - und leider auch vermehrt bei den Medien – fast eine Beleidigung. Das gilt nicht nur für Schweden, sondern für ganz Westeuropa, und dies kann sich möglicherweise durchs Bloggen ändern, indem die Menschen sehen, wie der Alltag von Politikern aussieht.“

Am vergangenen Wochenende leistete sich der eloquente Bildt ausnahmsweise lediglich einen Dreizeiler: Er wolle nur entspannt zu Hause sein, ohne allzu anstrengendes Programm und zu hohe Papierstapel. Das müsse auch einmal sein. Und als bestünde seine Leserschar nur aus guten Freunden wird auch dieser politisch höchst irrelevante Eintrag mit zwölf überaus freundlichen Kommentaren bedacht. Man wünscht ein erholsames Wochenende und lobt ausgiebig den Auftritt des Außenministers in einer beliebten Talkshow am Freitagabend.

Nicht zuletzt an diesem Beispiel zeichnet sich ein grundlegendes Problem ab, das die Blogs in keiner Weise von den konventionellen Medien unterscheidet, erklärt Journalistik-Professor Huitfeldt:

„Die politischen Blogs erreichen die politisch Interessierten und da auch nur die, die dem Bloggen positiv gegenüber eingestellt sind. Politisch Uninteressierte lesen Bildts Blog nicht, was natürlich problematisch ist. Denn der Interessierte bekommt seine Informationen in jedem Fall, während die Unwissenden weit besser informiert werden sollten.“   

Ungefiltert zum Wähler sprechen
Insgesamt aber überwiegen für Huitfeldt die Vorteile des Bloggens. Sicher werde die Blog-Welt von im besten Falle Sinnlosem, im schlimmsten Falle gehässigem Klatsch bevölkert. Für Öffentlichkeit und Demokratie seien die Blogs jedoch ein Segen. 

„Je mehr Kontakt ein Politiker mit den Bürgern hat, umso besser. Einige Journalisten stören sich daran, dass Politiker im Blog ungefiltert zum Wähler sprechen. Ich möchte nichts gegen Journalisten sagen, aber ich finde das gut. Die Wähler können so selbst den Wert dessen beurteilen, was ein Politiker von sich gibt. Im Großen und Ganzen stehe ich dem Bloggen in einer Demokratie sehr positiv gegenüber.“

Auch Handelsministerin Ewa Björling und Verteidigungsminister Sten Tolgfors bloggen inzwischen – um nur zwei Beispiele aus dem bürgerlichen Lager zu nennen. Auch die Opposition bloggt selbstredend.

Bildts Klickzahlen bislang unerreicht
Während Handelsministerin Björling ihre unterschiedlich langen Texte noch mit Fotos belebt, wittert man bei Tolgfors dagegen bei jedem Eintrag zu Verteidigung und Katastrophe eine kleinere Abhandlung. Über Klickzahlen schweigen sich beide vorsichtshalber aus. Es steht zu vermuten, dass die Viermillionengrenze noch in weiter Ferne ist. Seit seinem Start Mitte Januar hat Tolgfors’ Blog jedenfalls noch nicht einen Interessierten oder wenigstens Entrüsteten zu einem Kommentar hinterm Ofen vorgelockt. Dort ist der so direkt und ungefiltert umworbene Wähler bislang auffallend still geblieben.

Liv Heidbüchel

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