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NORDSCHWEDEN

Motorschlitten und Erbsensuppe

Publicerat fredag 6 mars 2009 kl 13.25
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Umweltschädliches Wintervergnügen in Nordschweden
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In manchen Hütten kann man noch ganz traditionell Kaffee kochen

Der Winter ist lang in Nordschweden, da muss man sich die Zeit vertreiben. Nun im März werden die Tage endlich wieder länger, und die Sonne wärmt tagsüber sogar schon ein bisschen. Nun hält es nur die hartgesottenen Faulenzer drinnen. Und jene, die nur ein bisschen bewegungsmüde sind, fahren mit dem Schneemobil (Scooter) zum Eisangeln. Oder in den tiefverschneiten Wald, um dort Bekannte aus den Nachbardörfern zu treffen und Kaffee zu trinken. Eine feste Institution für die Einwohner der Dörfer nördlich von Luleå ist das Erbsensuppen-Essen in der Hütte Kristinakojan.

Am Feuerplatz stehen die Kunden Schlange. Kaffeekocher Rolf Wrisén hat gerade eine neue Kanne mit Wasser gefüllt. Es dauert, bis der Kaffee fertig ist, was niemanden stört. Im Wald hat man es nicht eilig.

„Das ist unsere Art und Weise, sich zu treffen und mal wieder miteinander zu klönen. Ja, man redet viel Mist und darüber, was halt so passiert ist im letzten Jahr. So ist das im Wald.”

Inga-Britt Johansson hat den Treff im Wald jedes Jahr im Kalender vorgemerkt. Erbsensuppe-Essen in der Kristinakojan bedeutet, mal wieder gemütlich mit den Nachbarn zu reden, die man sonst nicht unbedingt trifft. Während Inga-Britt mit Mann Hans draußen in der Kälte auf den Kaffee wartet, drängen sich etwa 20 dick eingehüllte Menschen in der Hütte auf den zwei durchgesessenen Sofas und auf einfachen Holzstühlen. Es riecht nach Erbsensuppe, Benzin und Motoröl. Die Luft ist von der Wärme erfüllt, die etwa 20 dick eingemummelte Körper abgeben.

Das ist nordschwedische Gemütlichkeit. Darauf ein Prosit mit Milch und Wasser. Karin Lantto vom Scooter-Club Vitå hat die ganze Zeit Erbsensuppe ausgeschenkt, jetzt gönnt sie sich eine kleine Pause.

„Wir haben die Suppe zu Hause gekocht, fünf Frauen vom Scooter-Club. Dann haben wir sie eingefroren und hier jetzt wieder aufgekocht.”

Das ist die effektivste Art und Weise, Suppe auf holprigen Wegen unbeschadet zum Ziel zu bringen. Kristinakojan liegt mitten im Wald, fast 100 Kilometer nördlich von Luleå, die nächsten Dörfer sind ungefähr zehn Kilometer entfernt. Im Winter ist die Hütte nur mit dem Scooter oder auf Skiern zu erreichen. Und Scooter parken reichlich vor der Hütte, ungefähr 60 Stück. Und die wollen alle beschaut und besprochen werden. Im Winter ist der Scooter genauso wichtig wie das Auto, mindestens. Mats Lager verkauft üblicherweise Scooter in der Stadt Luleå, nun hat er drei Exemplare in den Wald gefahren. Ein guter Verkäufer ist dort, wo die Kundschaft ist.

„Dieser hier hat eine Zweizylinder-Maschine, 1000 Kubik, 165 PS”, sagt Mats und zeigt auf das imposante Modell Crossfire. Ein Scooter ist ein größerer Motorschlitten, mit zwei Kufen vorne, der sich mit unterschiedlich breiten Gummimatten durch den Schnee frisst. Wer es richtig „tough” mag, schwört auf eine schmale Matte und einen leichten Zweitakter, die etwas Ruhigeren bevorzugen das umweltfreundlichere Modell Viertakt mit breiter Matte.

„Na ja, neuerdings geht ja der Trend zur Touringvariante, also ein bisschen länger, für zwei Personen”, fachsimpelt der Verkäufer mit einem Kunden. „Einem Touring, mit dem man auch Lasten transportieren kann.”

Kunde Bo Gunnar Öhman nickt zustimmend, hat aber gerade einen neuen Scooter gekauft. Sein Blick wandert über die Dutzenden Touring-, Viertakt-, Zweitakt-, Crossmaschinen und bleibt an einem seltsamen Gefährt hängen, einem Zwischending aus Cross-Motorrad und Schneemobil, mit Kufen vorne und Matte hinten statt der Räder. Mikael Wrisén hat das Gefährt an einem Wochenende mit seinem Cousin zusammengebastelt.

„Wir haben eine Scootermatte kleiner geschnitten und die Kufenaufhängung selbst geschweißt. Im Sommer nimmt man die Kufen und die Matte ab und hängt die Reifen wieder ein. Solche Maschinen gibt es zwar zu kaufen, sie sind aber ziemlich teuer, deshalb haben wir einen eigenen gekauft.”

Natürlich zieht Mikael Schnee-Motorrad viele Neugierige an. Am Feuer haben Inga-Britt und Hans Johansson inzwischen den zweiten Kaffee getrunken. Erbsensuppe in der Kristinakojan ist für sie so normal wie die Samstags-Einkaufstour für den durchschnittlichen Kontinentaleuropäer. Und die Erbsensuppe samt Kaffee gibts sogar gratis: Der Scooterklub teilt seine Boni an die treue Kundschaft als Erbsensuppe und Kaffee aus. Und auch Kristinakojan ist offen für alle, erzählt Kaffeekocher Rolf Wrisén.

„Die Hütte ist nie abgeschlossen. Jeder soll sich hier aufwärmen können nach einer längeren Tour im Wald. Jeder weiß, dass man keinen Dreck hinterlässt und hinterher abwäscht und aufräumt.”

Ohne das freiwillige Engagement der Mitglieder im Scooterklub wie in anderen Vereinen wäre auf dem platten Land und in den tiefen Wäldern völlig tote Hose. Aber sie rücken zusammen, und sei es nur, um sich am Feuer mitten im Wald ein wenig zu wärmen. Und während sie am Feuer stehen, denken sie darüber nach, ob dieser Alltag wohl Touristen interessieren würde? Hans Johansson schaut andächtig in seinen leeren Pappbecher:

„Einfach nur rauszufahren und - ja, zu leben! Das ist doch für Urlauber bestimmt interessant und reizvoll.”

Katja Güth

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