Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Fahrzeugindustrie

Autotester in Arjeplog: Hochbetrieb in den Dörfern Lapplands

Publicerat tisdag 10 mars 2009 kl 10.42

In der Abgeschiedenheit Lapplands vollzieht sich jeden Winter eine gigantische Veränderung. Lastwagen bringen Testautos nach Arjeplog, Charterflieger das Testpersonal zum erweiterten Flughafen in Arvidsjaur. Die Einwohnerzahl in den Dörfern verdoppelt sich nahezu. Seit fast 40 Jahren ist jeden Winter Hochbetrieb auf den zugefrorenen Seen um Arjeplog und Arvidsjaur. Dann läuft die Testsaison, und ausländische Autos, allen voran deutsche, sorgen für vergleichsweise dichten Verkehr auf den Straßen. Von Anfang dabei war die Firma Bosch, die ihre Testanlage zehn Kilometer außerhalb von Arjeplog betreibt.

Es ist fast kein Horizont in Sicht. Alles ist weiß und grau, eisig und diesig, auf dem zugeforenen See Uddtjaure. Stefan Bayer sitzt völlig entspannt, den rechten Arm auf die gepolsterte Armlehne gelegt. Die linke Hand steuert ebenso entspannt das Testfahrzeug. Der Testingenieur beschleunigt den BMW auf 130 Stundenkilometer, auf spiegelglatter Fahrbahn. Stefan Bayer testet für Bosch Bremssysteme auf Eis, Schnee und Asphalt. Er reduziert die Fahrt und zeigt nach vorne in die weiße Landschaft.

„Wir fahren jetzt auf die ABS-Strecke, da gibt es beheizten Asphalt in der Mitte und links und rechts poliertes Eis. Hier wird das ABS auf Split und Eis getestet, also auf der einen Seite sehr guter Halt und auf der anderen Seite sehr rutschig. Bremst man hier ohne ABS, bekommt man ein hohes Gear-Moment ins Fahrzeug durch die unterschiedlichen Beläge, und das Fahrzeug dreht sich schlagartig weg.”

Stefan Bayer demonstriert jenes Moment, bei dem sich die Räder auf unterschiedlichen Untergrund unterschiedlich drehen. Das Auto wiederum dreht sich mehrfach im Kreis, das klingt nicht gut. Keine Frage, Anti-Blockier-Systeme, Stabilitätsprogramme, Antriebsschlupfregelung sind wichtige Helfer beim Autofahren und in Schnee und Eis können sie in aller Ruhe weiter entwickelt werden, wie Stefan Bayer erklärt:

„In Deutschland gibt es ja auch ein bisschen Winter, der ist aber schlecht reproduzierbar. Hier gibt es immer ähnliche Bedingungen durch die permanent präparierten Strecken. Das ist in Deutschland nicht der Fall, da schneit es einen Tag, und am nächsten Tag ist der Asphalt wieder frei. Die Bedingungen, die Blitzeis beispielsweise auf der Autobahn mit sich führt, die gibt es in Deutschland nicht verlässlich.”

Wie alles im Eis begann - die Entstehungslegende

Ingenieure von Bosch waren die ersten, die die Möglichkeiten der Wintertests in Lappland erkannten. Jürgen Zechmann ist einer der Pioniere, die im Hotelzimmer arbeiteten, ein Bett war voll mit Rechnern, im anderen wurde geschlafen. Er weiß auch in heiterem Schwäbisch zu berichten, wie die Autotester 1973 nach Arjeplog fanden:

„Die Fahrzeughersteller haben immer ihre Wintererprobung gemacht, also sind in Südeuropa los gefahren, einmal zum Polarkreis und wieder runter, um die Eigenschaften des Autos bei winterlichen Temperaturen zu testen, also Reifen, Bremsen, Heizung und so. Der Legende nach hat die Firma VW eine gebrochene Frontscheibe gehabt, die in Arjeplog in der Werkstatt repariert wurde, das dauerte zwei Tage und solange haben sich die Kameraden rumgetrieben und geguckt, was sonst noch so los ist im Dorf.”

In der Nähe des Dorfes gab es einen Landeplatz für Privatflugzeuge, so sollen die VW-Ingenieure auf die brillante Idee mit den Wintertests gekommen sein. Dasselbe behaupten die Mercedes-Leute aber auch, sagt Jürgen Zechmann noch. Seitdem wird das Dorf Arjeplog mit seinen über 3.000 Einwohnern jeden Winter von über 2.000 Spezialisten aus aller Welt heimgesucht. Einige Hotels und Herbergen wurden gebaut und viele Menschen in Arjeplog vermieten sogar ihre eigenen Häuser an die Tester, wie Jim Holmgren:

„Wir vermieten unser Haus an deutsche Ingenieure. Unsere Familie hat mehrere Häuser in der Gegend, deshalb können wir einfach während des Winters im Haus meiner Schwiegermutter wohnen. Das ist leicht verdientes Geld.”

Etwa 10.000 Euro vor Steuern und Abzügen kommen gut zusammen. Auch wenn es einigen Einwohnern vielleicht zu viel ist, die Testbranche sorgt für gute Umsätze. Und sie hat zwei Berufsgruppen nach Arjeplog geholt, die es sonst nicht gab im Dorf.

Lästige Fotografen

Die unerwünschten Fotografen, die Erl-König-Paparazzi und die Eismacher. In der Bosch-Anlage ist für die Eisbahnen Sten-Åke „Stennis” Nilsson zuständig und ein bisschen wohl auch für die Fotografen. Jedenfalls hat er das Ohr entweder am Handy oder an der Funkanlage. Der Flurfunk verrät häufig, wenn verdächtige Personen am Flugplatz Arvidsjaur gelandet sind. Die Einwohner selbst würden niemals das Foto eines Erlkönigs verkaufen, da ist sich Jürgen Zechmann sicher:

„Das ist das Stück Vertrauen, das uns die Bevölkerung entgegen bringt. Vor ein oder zwei Jahren zum Beispiel hat ein Schüler einen Prototypen fotografiert, und dann hat er das Ding dummerweise ins Internet eingestellt und die Welt gefragt, wer kennt dieses Auto? Das hat einen tierischen Terz gegeben, den hat sich der Bürgermeister kommen lassen und eingenordet. Weil die Bevölkerung akzeptiert: Hier wird nicht fotografiert.”

Bald ziehen die Ingenieure wieder ab. Dann können die Einwohner ein bisschen Ruhe im Dorf genießen, bis dann im Sommer die Touristen kommen und deutsche Wohnmobile für vergleichsweise dichten Verkehr auf den Straßen sorgen.

Katja Güth

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".