Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Bildungswesen

Zentrale Leistungstests für Drittklässler - Lehrerverband befürchtet Handlungsunfähigkeit

Publicerat måndag 16 mars 2009 kl 14.35

Schwedens Drittklässler müssen sich erstmals zentralen Leistungstest stellen. Am heutigen Montag beginnt eine zweimonatige Phase solcher Tests. Vor zwei Jahren setzte die bürgerliche Regierung neue Ziele für Schwedisch und Mathematik durch. Mit den entsprechenden Prüfungen für die Neunjährigen sollen Nachzügler rechtzeitig entdeckt werden - um ihnen beizeiten helfen zu können. Die Tests sind aber genauso für die Schüler ohne Probleme da. Vielen nämlich reichte die schwedische Praxis schon lange nicht mehr, wonach es erst nach Abschluss der hiesigen Grundschule, also in der 9. Klasse, Noten gibt.

„Ich bin etwas nervös, warum, weiß ich eigentlich gar nicht”, erzählt Thea Quant, Drittklässlerin an der Södermalmsskolan in Stockholm. „Ich habe ja keine Ahnung, ob die Aufgaben leicht oder schwer sind.”

Thea und ihre Freundin Alma kennen schon seit Wochen kaum ein anderes Thema. „Alle reden davon. Es sind immerhin 17 verschiedene Tests. Und man merkt schon, dass alle etwas aufgeregt sind.” So wie Alma selbst auch, aber es werde schon gut gehen, muntert sie sich selber auf.

17 Tests in zwei Monaten - das ist nicht gerade wenig für die Drittklässler. Theas und Almas Lehrerin Ann-Katrin Jonsson findet, dass die zentralen Prüfungen über den Wissensstand von Neunjährigen Vor- und Nachteile haben.

„Gut ist in jedem Fall, dass man viel über die pädagogische Entwicklung diskutiert, darüber, was die Schüler können müssen und wie wir als Lehrer das am besten überprüfen können. Aber die gesamte schulische Situation für Schüler in dem Alter wird natürlich enorm von den Tests beeinflusst. Der Druck ist größer als früher.”

Leistungstest kontrollieren vor allem die Lehrer
Leistungsdruck, auch im positiven Sinne - das ist etwas, an das sich Schwedens Schulen erst noch gewöhnen müssen. Längst nicht alle wollen das auch. Lehrerin Jonsson mahnt zunächst einmal zur Entdramatisierung der Prüfungssituation. „Wir bereiten sorgfältig auf die Tests vor und sagen dabei deutlich, um was es geht. Die Prüfungen finden ab jetzt alljährlich statt, und sie dienen in erster Linie dazu sicherzustellen, dass wir auch wirklich wissen, wo alle leistungsmäßig stehen. Damit kontrollieren wir ja nicht zuletzt unsere Leistung als Lehrkräfte.”

Selbst fühlt sich die Lehrerin nicht gestresst durch die neuen Prüfungen, dafür unterrichtet sie schon zu lange. Fest steht aber, dass die Arbeitsbelastung markant gestiegen ist.

„Die ganzen Anweisungen kosten ziemlich viel Zeit. Dann müssen ständig irgendwelche Papiere ausgefüllt werden. Es ist schon deutlich mehr Papierkram zu erledigen als vorher.”

Diese Meinung teilt auch Theas Mutter Johanna Quant, selbst Lehrerin für Erst- bis Drittklässler. Die Vorbereitungen und später wohl auch das Nachbereiten nehmen Stunden und Aberstunden in Anspruch, erzählt sie. Als Mutter steht Johanna Quant der Prüfungsphase weitaus positiver gegenüber.

„Ich hoffe natürlich, dass, wenn der Test zeigen sollte, dass Thea irgendetwas nicht verstanden hat, das Sommerhalbjahr noch ausreicht, um ihr zu helfen. Für mich als Mutter ist es doch nur gut, wenn ich schwarz auf weiß sehe, wo mein Kind Hilfe braucht.”

Viele Fragen offen
Doch dann gewinnt die Lehrerin in ihr wieder die Oberhand, und die Skepsis bricht durch. Ganz klar ist Johanna Quant nicht, ob die Regierung bei der Einführung der Tests auch daran gedacht hat, was konkret mit eventuellen Nachzüglern geschehen soll.

„Tests und Diagnose in allen Ehren, aber man muss doch wissen, was man mit diesen Ergebnissen dann anfangen soll. Ein reines Feststellen reicht doch wohl nicht. Nehmen wir an, ich habe 27 Schüler und 25 bestehen die Tests nicht, was passiert dann? Welche Unterstützung bekomme ich als Lehrerin und welche Hilfen bekommen die betroffenen Schüler? Die Frage nach Sinn und Zweck des Ganzen scheint mir noch nicht beantwortet zu sein.”

Gewisse Zweifel hegt auch Eva-Lis Sirén, Vorsitzende des Lehrerverbandes. Im Schwedischen Rundfunk erinnert sie an die Folgen der prekären wirtschaftlichen Lage: Erst kürzlich wurde die Streichung von 1.000 Lehrerstellen angekündigt, ein Ende der Kündigungen sei noch längst nicht abzusehen. Besonders beunruhigt Sirén, dass auch solche Lehrer betroffen sind, die gerade den Nachzüglern helfen sollen, den Anschluss zu finden. Sollten die zentralen Tests also zeigen, dass etliche Schüler auf die Nachhilfebank müssen, befürchet Sirén, dass für Hilfsmaßnahmen schlicht die Mittel fehlen werden.

„Wir erwarten von der Politik, dass die Testergebnisse entsprechende Maßnahmen nach sich ziehen. Das können spezielle Mathe- oder Schwedischnachhilfestunden sein, Hilfe bei der Sprachentwicklung, beim Muttersprachenunterricht oder auch eine Verkleinerung der Gruppenstärke - alles, was den betroffenen Schülern hilft. Leider befinden wir uns in einer Situation, in der es im schlimmsten Falle bei der Feststellung von Missständen bleibt und wir nichts tun können.”

Kommunen dürfen auf zusätzliche Mittel hoffen
Für die Kommunen ist die Schule der größte Ausgabenposten. Die Aussicht auf kostspielige Maßnahmen dürfte derzeit keinen Kommunalpolitiker entzücken. Lennart Gabrielsson, stellvertretender Vorsitzender von Schwedens Kommunen und Provinziallandtagen, bemüht sich, die Wogen zu glätten: „Es ist Aufgabe der Schulen und damit der Politik, für entsprechende Ressourcen zu sorgen, damit die Lehrkräfte ihrer Aufgabe gerecht werden können. Da sind wir doch einer Meinung. Ich weiß aber auch, wie angespannt die wirtschaftliche Lage ist. Erst vergangene Woche haben wir den Finanzausschuss getroffen und insbesondere Gespräche mit Regierungsvertretern geführt. Das Ergebnis war ein deutliches Signal, dass die Kommunen mit dem Nachtragshaushalt im Frühjahr mehr Mittel bekommen - und dieses Geld ist dringend nötig, nicht nur für die Schulen.”

Liv Heidbüchel

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".