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Militärpolitik

NATO-Manöver im bündnisfreien Schweden

Publicerat torsdag 11 juni 2009 kl 14.25

Die Weiten Nordschwedens eignen sich für Tests aller Art, nun sind auch die Kampfflieger der NATO gekommen. An den nordschwedischen Luftwaffenstützpunkten Luleå und Vidsel hat unter Leitung der NATO die Übung Loyal Arrow begonnen. Zu dem Manöver sind Flugzeuge aus zehn Ländern und der britische Flugzeugträger HMS Illustrious mit tausend Mann Besatzung nach Schweden gekommen. Insgesamt nehmen 2000 Mann an der NATO-Übung teil. Sie bringt 100 Flüge pro Tag, ausgebuchte Hotels und eine Diskussion über die Neutralität Schwedens mit sich. Die Proteste gegen die Aktivitäten des Bündnisses auf allianzfreiem Boden ließen nicht lange auf sich warten. Am Mittwoch und am Donnerstag drangen jeweils mehrere Demonstranten auf das abgesperrte Übungsgelände vor. Bisher gab es sechs Festnahmen.

Als der polnische Kampfjet F 16 startet, versteht man die Bedeutung von ohrenbetäubendem Lärm. Die Pressestelle der NATO-Luftwaffe in Ramstein hat vorsorglich Ohrenschützer verteilt. Als der Flieger in etwa 200 Metern Entfernung anhebt, sind die Schockwellen noch zu spüren. Es ist Medientag der NATO-Übung Loyal Arrow und Piloten und Pressesprecher erklären den Journalisten Übungsgerät und Übungssinn und kommen aus dem Schwärmen über die Beschaffenheit des Übungsgeländes nicht heraus, wie der Pressesprecher des NATO Air Headquarters Andreas Faas:

„Die Nationen haben ja heute nicht mehr die Möglichkeiten zu großen Flugübungen, schon gar nicht im Verbund mit anderen Nationen. Das ist eine einzigartige Gelegenheit für die NATO Response Force, die schnelle Eingreiftruppe der NATO, die ab 1. Juli im Einsatz ist, die Luftwaffenanteile vorher zu trainieren. Falls es zum Einsatz der schnellen Eingreiftruppe der NATO kommt.“

Ideale Bedingungen finden die Teilnehmer vor, einen Übungsluftraum, der sich über 650 Kilometer von Nord nach Süd und 350 Kilometer West-Ost erstreckt. Wo gibt es das in Mitteleuropa noch?

Am Boden des Stützpunktes wird gerade einer der polnischen Hubschrauber betankt, am Boden steht auch der Stratotanker der US-Air Force, der die Flieger in der Luft betanken soll. Die letzten zwei deutschen Kampf- und Aufklärungsflugzeuge Tornado sind gerade angekommen. Alles NATO-Mitglieder auf dem Luftwaffenstützpunkt F 21 in Luleå, im neutralen Schweden. Alles kein Problem, meint Verteidigungsminister Sten Tolgfors:

„Uns ist wichtig, unsere Kenntnisse zu verbessern, um auch weiter an internationalen Einsätzen teilnehmen zu können. Wir können nicht passiv bleiben, wenn die Welt blutet.“

Kritik am Flugwaffentraining

Es geht also um das Training von Einsätzen im Krisengebiet, notfalls mit Gewalt.

Dass die NATO ihre Flieger nach Nordschweden schickt, dass die NATO überhaupt existiert, stößt den Kritikern der Übung auf. Aktivisten spielen Kriegstheater an der Einfahrt zum Luftwaffenstützpunkt F 21 in Luleå, Demonstrationen und Aktionen in der Stadt. Ein Netzwerk „NATO raus aus Schweden“ ist gebildet worden. Kritisch ist auch die Vorsitzende des linken Jugendverbandes Ung Vänster in Norrbotten, Lena Tjäder:

„Wir protestieren gegen die NATO an sich, das ist eine offensive Militärallianz, die Länder attackiert. Wir wollen, dass Schweden seine Allianzfreiheit behält. Wir sehen es als Problem, dass die NATO diese Übung leitet. Eine Zusammenarbeit gab es ja schon länger. Schweden ist jedoch kein NATO-Mitglied und die intensive Zusammenarbeit fürchten wir, hat zum Zweck, dass Schweden am Ende nichts anderes übrig bleibt, als der NATO beizutreten.“

„Natürlich nicht,“ erwidert Verteidigungsminister Sten Tolgfors beim Manöverbesuch. „Das ist hier eine Übung. Schweden nimmt täglich sogar an NATO-geführten Einsätzen im Kosovo und Afghanistan teil. Das führt Schweden doch nicht näher an die NATO, das ist eine andere Diskussion, die zur Zeit nicht geführt wird.“

 

Kalter Krieg – neuer Krieg?

 

Doch auch bei der Bevölkerung trifft die Übung auf geteilte Meinungen. Hoteliers und Autovermietung machen freilich das Geschäft des Jahres. Die einen haben nichts gegen die Übung einzuwenden, denn:

„Ich habe davon gar nichts mitgekriegt,“ sagt eine junge Frau, während ein junger Mann eher kritisch ist: „Wir sollen nichts mit der NATO zu tun haben, das stößt anderen Ländern nur übel auf, Russland zum Beispiel.“

Der kalte Krieg ist für die Menschen in der nördlichsten schwedischen Provinz noch nicht ganz vorbei und vergessen. Russland ist nahe, der Kampf um die Erschließung der Rohstoffe hat begonnen. Und genau darum geht es schließlich auch in der Flugübung. Das fiktive Szenario sieht vor, dass die NATO dem Bothnia helfen soll, dass vom Nachbarn Lapistan bedroht wird. In Bothnia wurden umfangreiche Öl-, und Gasvorkommen entdeckt. Deutsche Tornados sollen helfen. Der Chef der deutschen Übungsmannschaft Stefan Illner:

„Die deutschen Tornados haben den Auftrag der Niederhaltung bodengebundener Luftabwehr, also Radarsysteme, die am Boden stehen und Luftfahrzeuge mit Raketen bekämpfen sollen. Die können wir mit unserem System aufspüren und simuliert bekämpfen.“

 

Testgebiet für Manöver

Soweit das Übungsszenario. Im Übungsalltag hingegen gilt es für die Piloten auch, auf die Rentierherden der Sami im Norden Rücksicht zu nehmen. Die Kühe haben gerade gekalbt und die Rentierzüchter hatten im Vorfeld um erhöhte Rücksichtnahme gebeten, die ihnen auch zugesagt wurde. Aber Kampfjets können nun mal nicht leiser fliegen.

„Das ist unseren Gastgebern sehr ernst,“ erklärt Stefan Illner. „Wir bekommen vor jedem Flug Karten mit den Gebieten, wo wir nicht drüberfliegen. Das sind meistens Ortschaften, aber auch Rentierherden, damit wir die in Ruhe lassen.“

Eine gute Zusammenarbeit mit allen ist auch angezeigt. Denn die Region Norrbotten will sich auch künftig empfehlen als das womöglich beste Übungsgebiet Europas. 

Katja Güth

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