Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/

Sozialdemokratische Parteispitze wusste von Bespitzelung

Publicerat tisdag 28 augusti 2001 kl 13.20
1 av 3
2 av 3
Enn Kokk
3 av 3
Kundgebung gegen Überwachung und IB am 23.10.1973 in Stockholm. (Foto: Ragnhild Haarstad/Scanpix Schweden)

Es war noch gar nicht offiziell vorgestellt worden - da hagelte es auch schon Kritik aus alle Richtungen. Das Weißbuch zum Thema IB hat ein sensibles Thema angepackt. Jahrzehntelang hatte der Geheimdienst mit den zwei Buchstaben linke Sympathisanten in Stasi-Manier bespitzelt - mit Wissen der sozialdemokratischen Führung des Landes. Die Vergangenheitsbewältigung will einfach nicht so recht gelingen.

Der Ministerpräsident und Vorsitzende der Sozialdemokraten Göran Persson hat ihn selbst in Auftrag gegeben, den Bericht über die Aktivitäten des Geheimdienstes IB. Die dunkle Vergangenheit sollte nicht weiter eine neue Zukunft der Sozialdemokratie in Schweden belasten. Von den 50er Jahren bis Ende der 70er hatte IB ein Netz von Mitarbeitern unterhalten, um Linke an ihren Arbeitsplätzen zu bespitzeln.

 Der Auftrag zu untersuchen ging jedoch an einen loyalen Parteigenossen, Enn Kokk jahrzehntelang in der Partei engagiert und Ehemann der Vorsitzenden im Reichstag Birgitta Dahl. Ein Unding, meint Jan Guillou. Der Journalist hatte gemeinsam mit Peter Bratt 1973 die Machenschaften von IB enthüllt: „Er ist ein Parteimann, der über eine Sache schreiben soll, die für seine Partei sehr sensibel ist. Das ist doch klar, dass er von dieser Situation beeinflusst ist."

Landesverrat
Guillou musste damals mit seinem Kollegen ins Gefängnis - wegen Landesverrats. Dabei hatten die beiden nur einen aktuellen und tatsächlichen Zustand im Staat Schweden beschrieben. Peter Bratt über diesen Zustand: „Wir hatten einige Zeit lang ein Modell wie in den osteuropäischen Diktaturen, dass nämlich Partei und Staat sich verbündet haben, um Feinde zu bekämpfen."

Jahrelang hatte die sozialdemokratische Führung die Existenz von IB verschwiegen ja sogar verleugnet. Jetzt - nach Öffnung der Archive sollte die Wahrheit auf den Tisch. Für den Parteisekretär der Sozialdemokraten, Lars Stjernkvist, war Enn Kokk der richtige Mann: „Was Enn Kokk angeht, möchte ich doch sagen, dass es sich hier um eine integre Person handelt. Und ihm ist es zu verdanken, dass soviele Sozialdemokraten überhaupt bereit waren, ein Interview zu geben und über ihre eigene Rolle zu sprechen. Wir haben wirklich versucht, ins Detail zu gehen."

Besseres Verständnis
Das Weißbuch soll also alle Fragen in dieser Affäre ausräumen. Doch genau an diesem Anspruch sei es gescheitert, so Peter Bratt: „IB hat über ein Register aller Kommunisten im Lande verfügt - das waren 100 bis 150.000 Namen. Das einzige Register, dass Enn Kokk nennt ist ein kleines mit 4.000 Namen. Das wurde vom Militär benutzt, um die Verteidigungsindustrie zu schützen."

Im Weißbuch wird auch um Verständnis geworben für die damalige Situation Schwedens im Kalten Krieg. Schweden war zwar neutral, aber dennoch abhängig vom Wohlwollen der NATO. Deswegen könnten die damals bespitzelten Linksextremisten auch keine generelle Wiedergutmachung erwarten, meint Autor Enn Kokk: „Es gibt hier eine klare Tendenz, zu jedem Augenblick eine Entschuldigung zu erwarten. Wenn man die ganze Angelegenheit aus der damaligen Perspektive betrachtet, muss man einfach sagen, dass man verstehen kann, dass was getan worden ist, einfach getan werden musste."

Düsteres Kapitel Parteiegeschichte
Die parteiinterne Aufarbeitung stößt dennoch auf wenig Zufriedenheit. Der Forscher an der Göteborger Universität Dennis Töllborg moniert, dass sich das Buch sich mit Fragen beschäftigt, die keiner gestellt hat: „Es ist doch nie kritisiert worden, dass es eine Sicherheitsbehörde überhaupt gegeben hat. Niemand hat doch gesagt, dass Schweden keinen Geheimdienst oder eine Sicherheitspolizei braucht. Die Kritik richtet sich doch gegen die Lügen und die Falschheit. Diese Frage wird in dem Buch mit keiner einzigen Zeile erwähnt."

Ein Sozialdemokrat hat sich mit einem düsteren Kapitel der eigenen Partei beschäftigt. Der Anspruch auf Gesamtheit und Wahrheit wird bestritten. Vielleicht wird die schwedische Öffentlichkeit ja mit dem unabhängigen Bericht, der zur Zeit in Arbeit ist, gnädiger umgehen.

28.8.2001

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min Lista".