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Schweden und der Holocaust:

Noch immer Wissenslücken

Publicerat onsdag 28 oktober 2009 kl 10.20

Die Diskussion über Schwedens Rolle im Zweiten Weltkrieg und insbesondere über Schweden und den Holocaust ist noch längst nicht abgeschlossen. Dies belegen erneut die Besucherreaktionen auf eine Ausstellung, die derzeit im Verteidigungsmuseum im nordschwedischen Boden zu sehen ist. Die Ausstellung „Schweden und der Holocaust“ tourt seit 2005 durch das Land. Erarbeitet wurde sie nach dem Buch „Darüber sollt ihr erzählen“, das vor über zehn Jahren die Diskussionen über das Verhältnis des neutralen Schweden zum Holocaust in Gang gesetzt hatte. Das Bild unerschütterlicher Neutralität geriet damals arg ins Wanken. Katja Güth hat die Ausstellung in Boden besucht.

Ein wenig schüchtern und unsicher lächelt das Mädchen in die Kamera, ihr Kleid verunziert der aufgenähte Judenstern. Paulette Zelazgneg war sechs Jahre alt, als sie mit dem Judenstern fotografiert wurde. Ob sie in den Gaskammern der Nazis den Tod fand, verrät das Bild nicht. Die sechsjährige Paulette begrüßt die Besucher der Ausstellung „Schweden und der Holocaust“. Und es sind bereits am ersten Tag sehr viele Besucher, jung und alt, staunend und still die meisten, hier und da ist ein ungläubiges Kopschütteln zu sehen.

Die Rentner Nils-Erik Ågren und Birgitta Hedberg aus Luleå haben mehrfach ungläubig den Kopf geschüttelt: „Ich bin 1936 geboren und in der Schule haben wir es nicht bis zum Zweiten Weltkrieg geschafft,“ erklärt Nils Erik Ågren. „Nicht mal über den Krieg selbst haben wir in der Schule etwas gelernt, in meiner Kindheit hat noch nicht einmal der Holocaust eine Rolle gespielt, in unserem kleinen Dorf wurde darüber nicht gesprochen.“

Mehrere Jahrzehnte nach Nils-Erik Ågrens Schulzeit hatte sich herausgestellt, dass die Hälfte aller schwedischen Schüler von der Judenvernichtung kaum oder keine Ahnung hatten. Die erschütternden Wissenslücken waren damals Anlass für die Gründung des Forums für lebendige Geschichte. Die Ausstellung des Forums ist sehr anschaulich und plastisch, sie wurde von einem Filmteam konzipiert. Neben den üblichen Schautafeln mit Fotos und Text sorgen zwei Gruppen von Plastiken für mehr Anschauung und Verständnis. Die der Mörder mit dem Fenolspritzen, Mengeles Todesspritzen, ziehen die meisten Besucher an. Der Fokus der Ausstellung liegt klar auf der deutschen Geschichte, wie es zum Holocaust kommen konnte, von den Nürnberger Rassengesetzen bis zum Konzentrationslager.

Wissenslücken gefüllt?
Hat die Ausstellung seit ihrer Premiere zu mehr Aufklärung beigetragen? Der Historiker Bertil Frank vom Forum von Lebendige Geschichte kann das nur hoffen: „Das ist schwer zu messen. Wir haben aber unglaublich intensiv mit den Ausstellungen gearbeitet und mit Schulklassen und Weiterbildungen für Lehrer. Ich kann es nicht beweisen, aber das Wissen um den Holocaust muss gewachsen sein seitdem.“

Magdalena Fredriksson aus Boden, in den siebziger Jahren zur Schule gegangen, meint im Geschichtsunterricht ausreichend gelernt zu haben. „Die Ausstellung hat mir nicht so viel Neues gebracht. Wir haben in der Schule über den Holocaust, die Judenvernichtung gesprochen. Das meiste wusste man ja.“ Und Schwedens Rolle? „Darüber haben wir sicher nicht ausreichend gelernt.“

Die Rassenbiologie, eine schwedische Erfindung
Dabei gibt es zu diesem Thema einiges zu erzählen – zum Beispiel, dass in der schwedischen Universitätsstadt Uppsala bereits 1921 ein Rassenbiologisches Institut gegründet wurde. Das westliche Land ist in Gefahr, befand der Rassenbiologie Herman Lundborg, der das Institut leitete. Er reiste mit seinem Schädelvermessungsinstrument durch das Land und versuchte die Überlegenheit der nordischen Rasse gegenüber den Lappen, Finnen und baltischen Typen nachzuweisen. Von 1935 bis 1975 wurden Frauen zwangsweise sterilisiert, von denen wegen Alkoholmissbrauch oder einfach „Geistesschwäche“ unerwünschte Mitbürger zu erwarten waren.

Gegenüber den Tafeln mit der Statistik der Zwangssterilisierung ein wandgroßes Bild der schwedischen Militärführung, die Hitler zum 50. Geburtstag gratuliert. Davor steht die elfjährige Emma Tomas mit ihrer Pflegemutter: „Wir haben das mit Hitler gelernt, dass er durchs Land fahren durfte.“ Nun, es war nicht Hitler selbst, sondern die Züge mit Eisenerz aus Nordschweden, die Nachschub für deutsche Kanonen lieferten.

Feige Schweden?
Bei Pflegemutter Marlene Lundberg aus Boden hat die Ausstellung eine nachhaltige Wirkung hinterlassen: „Mit all dem Wissen nun hätte ich mir gewünscht, dass Schweden mehr dagegen gewesen wäre. Das man mehr Widerstand gewagt hätte, mehr gekämpft hätte. Aber Schweden ist nun mal leider das Land Lagom, alles muss angemessen sein, nicht zuviel, nicht zuwenig. Wir stehen nicht ein für unsere Ansichten und wir kämpfen nicht dafür. Menschen in anderen Ländern kriegen das doch auch hin.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Lund ein Experiment gestartet, das der Kariesforschung dienen sollte. 800 so genannte „unbildbare Geistesschwache“ wurden damals gezwungen, Riesenbonbons zu kauen, um den Einfluss von Zucker auf die Entstehung von Karies zu beweisen. Auch das so ein dunkler Fleck in der schwedischen Geschichte, für die Rentner Birgitta Hedberg und Nils-Erik Ågren war das neu: „Nein, das haben wir nicht gewusst. Das ist unfassbar!“

„Das Zuckerexperiment war wirklich neu für mich. Die Frage bleibt doch, wie normale Menschen so was anzetteln, mitmachen und darüber schweigen können?“, fragt Nils-Erik Åberg.

Dass Schweden auch in der Waffen-SS gekämpft haben, spielt keine Rolle in der Ausstellung. Dass von Luleå aus der Nachschub für die Truppen in Norden betrieben wurde, wird nur kurz erwähnt. Das wäre eine eigene Ausstellung wert. Es gibt noch einige Wissenslücken zu füllen.

Katja Güth

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