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Ausbildung von Lehrlingen

Goldene Zukunft für das Handwerk?

Publicerat fredag 29 januari 2010 kl 10.04

Schwedens Bildungswesen ist im Umbruch. Die Ausbildung soll künftig stärker praxisbetont sein. Bildungsminister Jan Björklund will mehr Fachhochschulen einführen und die bislang nur geringfügig vorhandene Lehrlingsausbildung ausweiten. Seit Herbst 2008 gibt es im Modellversuch die gymnasiale Lehrlingsausbildung. Im nordschwedischen Luleå werden auf diesem Wege medizinische und technische Berufe ausgebildet. Der Unterschied zur bisherigen Ausbildung: Theorie und Praxis finden zu gleichen Teilen statt.

 

Im städtischen Altersheim ist die Lehrerin Kerstin Juntti mit ihren Lehrlingen des Krankenpflegezweiges verabredet. Zweimal die Woche ist Praxistag. Dann sind die 16-jährige Starry Ringh und ihre Schulkameraden im Altenheim. Starry hat einen sicheren Gang und ein bestimmtes Auftreten, dass sie hier „nur“ der Lehrling ist, sieht man ihr nicht an. Die Betreuerin weiß, dass Starry von den Kollegen sehr gelobt wird. Und Kollegin Sonja Lundberg ist sogar ein bisschen neidisch, dass Starry die heutige Lehrlingsausbildung durchläuft. „Ich habe ja meinen Abschluss 1993 gemacht, zu der Zeit bekam man das Wissen wie bei der Wurst reingestopft. Da saß man die ganze Zeit im Klassenzimmer und wurde dann ins mehrwöchige Praktikum geschickt, ins Altenheim oder die Psychiatrie. Was man da in der Praxis brauchte, hatte man vor ein, zwei Jahren in der Theorie. Ich finde das viel besser jetzt, mit der Wiederholung des Wissens in der Praxis direkt.“ Und während die Kollegin mit den Mittagsvorbereitungen beginnt, misst Lehrling Starry Ringh einer Patientin den Blutdruck, natürlich unter den wachsamen Augen der Betreuerin, die sogleich darauf hinweist, dass die Manschette zum Blutdruckmessen viel enger am Arm sitzen muss.

Wichtiges Praxiswissen
Die Patienten im Altenheim sind Kunden, das hat Lehrling Starry gelernt und manches anderes, was man in der Schule eben nicht lernt. „Es ist richtig gut, in die Praxis zu kommen und nicht nur auf der Bank zu sitzen und in die Bücher zu gucken. Was ich hier am meisten lerne, ist, wie ich mit den Kunden umgehe. Dass ich hier mit Menschen arbeite, um die ich mich kümmere.“
Dazu gehört auch, die meist sitzenden Kunden aus der Hocke anzusprechen. Was die Krankenpflegerinnen alle tun, wenn sie den Patienten das Mittagessen servieren, Gemüsesuppe und Pfannkuchen als Nachspeise.

Lehrlingsausbildung kaum verbreitet
Zu den Besonderheiten des schwedischen Bildungssystems gehört, dass alles auf die gymnasialen Oberschulen konzentriert ist, auch die Berufsausbildung. Auch Friseure und Schweißer zum Beispiel lernen ihr Handwerk an der Gymnasialschule. Ein Lehrlingssystem wie in Deutschland mit der dualen Ausbildung gibt es nicht. Die Rektorin des Modell-Gymnasiums, Ingrid Backfjärd, erklärt: „Historisch gesehen hatten wir das sogenannte Zunftwesen, das 1864 abgeschafft wurde. Dort lernte man den Beruf und legte die Meisterprüfung ab. Mit der Entwicklung des Schulwesens und der Einführung der Schulpflicht wurden Berufsschulen eingerichtet, das Lehrlingssystem gab es nur noch für sehr wenige Berufe.“
Und die Berufsschule wurde 1971 abgeschafft. Mit Deutschland vergleichbare Handwerksausbildungen gibt es nur sehr vereinzelt, ein Handwerkzentrum in Dalarna und in Stockholm zum Beispiel. Die Berufshochschule will die bürgerliche Regierung nun wieder aufwerten. Die Praxisferne der theorieintensiven Ausbildung rächt sich, Schweden hat in Sachen Jugendarbeitslosigkeit eine der höchsten Quoten in Europa. Eine Tatsache, die neben dem starken Kündigungsschutz, der Neueinsteiger auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt, eben auch dem mangelndem Praxiswissen der Jungen zugeschrieben wird.

Lehrlingsausbildung als Rekrutierung
Im Altenheim in Luleå sind alle von den Vorteilen der Ausbildung überzeugt. Leiterin Birgitta Holmkqvist: „Wir haben ja die Möglichkeit, die Schüler soweit zu beeinflussen und zu formen, dass sie jene guten Arbeitskollegen werden, die wir gerne hätten. Und wir brauchen jede Menge neuer Kollegen, weil ja bis 2035 die Zahl älterer Menschen extrem ansteigen wird.“ Der einzige Nachteil der Lehrlingsausbildung ist das viele Pauken, findet Starry Ringh. Denn nach der Arbeit im Altersheim warten noch die Hausaufgaben. Und das sind genauso viele wie für ihre Schulkameraden, die in der ganzen Woche an der Schule sind.

Katja Güth

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