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MEDIZIN

Kampf gegen Antiobiotika-Resistenz

Publicerat måndag 1 februari 2010 kl 17.37
Viel hilft nicht immer viel

Laut Weltgesundheitsorganisation ist die Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika eine der größten Gefahren für die Menschheit. Die resistenten Bakterien breiten sich vor allem in Asien, Afrika, den USA und mehreren südeuropäischen Ländern aus. Aber auch für schwedische Ärzte sind sie ein wachsendes Problem. Alle schwedischen Institute und Krankenhäuser arbeiten, um sie einzudämmen. Die Methoden dabei reichen von schlichten Hygieneanweisungen für das Pflegepersonal bis zu hochkarätigen Forschungsprojekten. Ärzte im Krankenhaus von Södra Älvsborg an der schwedischen Westküste beispielsweise versuchen per Computer die Verwendung von Breitband-Antibiotika zu unterbinden. Am Karolinischen Institut bei Stockholm, denken Spezialisten über die Immunisierung von Operationspatienten gegen Bakterieninfektionen nach.

In Stockholm werden pro 1000 Einwohner 470 Rezepte für Antibiotika pro Jahr ausgestellt. Aber Patienten, die heute vor Operationen mit Antibiotika behandelt werden, könnten in Zukunft stattdessen durch eine Art Impfung gegen Bakterien immunisiert werden, prophezeit Jan Andersson, Immunologe am Karolinischen Institut. „Ich bin überzeugt davon, dass völlig neue Wege entwickelt werden, um den Körper auf die bevorstehende Operation und den damit verbundenen Bakterienangriff vorzubereiten", sagt Andersson. Wenn der Organismus sich selbst verteidigen kann, braucht er weniger oder gar kein Penizillin.

Der Körper schafft es selbst

„Der Körper hat Sensoren für all diese Bakterien. Man kann einen Patienten ein oder zwei Tage vor der Operation mit Teilen dieser Bakterien impfen. Der Körper des Patienten wehrt diesen vermeintlichen Bakterienangriff ab, indem er Antikörper bildet, ungefähr so, als entstünde eine echte Bakterieninfektion", erläutert Jan Andersson. Danach kann der Körper Bakterienangriffe, denen er durch die Operation ausgesetzt wird, selbst bekämpfen. Die Wirkung dieser kurzzeitigen Impfung hält ungefähr eine Woche an. Wenn man die körpereigene Abwehr angeregt, sind Antibiotika vor Operationen so gut wie überflüssig, meint Jan Andersson. Dem Patienten bleiben die Nebenwirkungen von Medikamenten erspart, und die Bakterien werden nicht so schnell resistent, wie es jetzt häufig der Fall ist.

Dem Immunologieexperten schweben noch weitere Möglichkeiten zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz vor: Beispielsweise eine Weiterentwicklung von Tests. Mit schnellen DNA-Tests von Bakterien könnte man gezielter gegen die jeweiligen Krankheitserreger vorgehen. Denn wenn man genau weiß, welches Bakterium den Patienten krank macht, brauchen keine breitbandigen Antibiotika eingesetzt zu werden. „Mit den neuen Methoden können wir Bakterien innerhalb von zwei Stunden genetisch identifizieren. Wenn wir sehen, dass eine Wunde am Rand leicht gerötet ist, nehmen wir etwas Flüssigkeit ab und wissen ein paar Stunden später exakt, welche Bakterienart die Infektion ausgelöst hat", blickt Immunologiespezialist Jan Andersson vom Karolinischen Institut in die Zukunft.

Kluge Wahl

Auch in anderen Instituten und Kliniken arbeiten Mediziner gegen die Ausbreitung multiresistenter Bakterien. Ärzte am Krankenhaus Södra Älvsborgs Sjukhus in Borås haben eine einfache Möglichkeit gefunden: Dort wird ein Drittel aller Patienten mit Antibiotika behandelt. Anders Lundkvist, Oberarzt der Infektionsabteilung, betreibt seit Oktober das Projekt „Klokt antibiotikaval" also „Kluge Wahl von Antibiotika". Durch dieses Projekt verschreiben die Ärzte am Krankenhaus Södra Älvsborg bei weitem nicht mehr so viel Antibiotika der Sorte Cephalosporine wie früher. „Die Anwendung von Cephalosporinen ist um zwei Drittel gesunken", sagt Lundkvist. Cephalosporine sind sehr nützlich, sie werden bei Hautinfektionen und Erkrankungen der Atemwege zum Beispiel Bronchitis, Mandelentzündung, Nasennebenhöhlenentzündung, und Mittelohrentzündung erfolgreich eingesetzt. Aber eine bestimmte Sorte aggressiver Darmbakterien wird immer resistenter gegen Cephalosporine und andere Antibiotika. Mehr Todesfälle, längere Krankheitsdauer und mehr Kosten für das Krankenwesen sind unter anderem die Folge. Jedes Mal, wenn ein Arzt am Krankenhaus von Södra Älvsborg Antibiotika verschreibt und das per Computer in der Krankenakte vermerkt, erscheint ein Frageformular auf dem Bildschirm. „Die erste Frage ist ob die Entzündung durch Behandlung oder ohne Behandlung entstanden ist. Da klicke ich das Entsprechende an und dann mache ich mit der Diagnose weiter. Harnblasenentzündung, Lungenentzündung oder Blutvergiftung..."

Nochmals überdenken

Das Ausfüllen dauert ungefähr 15 Sekunden. Die Fragen sollen den Arzt lediglich dazu veranlassen, noch einmal zu überdenken, ob das verordnete Medikament wirklich das Beste ist. Die Anwendung von Breitbandantibiotika ist durch diesen einfachen Schritt deutlich geringer geworden. Die Ärzte verordnen nun vermehrt Medikamente, die gezielt gegen die jeweilige Entzündung des Patienten wirken und nicht breit gefächert gegen alle möglichen Erreger. Das Computersystem erstellt außerdem für jede Abteilung eine Statistik über die Verschreibung von Antibiotika. Anders Lundkvist meint, die Ärzte müssten sich nur umgewöhnen. „Das ist vor allem die Macht der Gewohnheit, glaube ich." Vermutlich seien auch andere Krankenhäuser an diesem einfachen System interessiert. „Ich denke, dass viele das System einführen werden. Aber manche sind auch frustriert, weil nicht alle Techniker zulassen, dass diese Systeme installiert werden."

Sybille Neveling

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