Du måste aktivera javascript för att sverigesradio.se ska fungera korrekt och för att kunna lyssna på ljud. Har du problem med vår sajt så finns hjälp på http://kundo.se/org/sverigesradio/
Urteil gegen Arbeitsamt

Handschlag muss nicht sein

Publicerat tisdag 9 februari 2010 kl 13.47

Das Urteil des Amtsgerichts Stockholm, das das Arbeitsamt zur Zahlung von umgerechnet 6000 Euro Schadenersatz an einen muslimischen Arbeitssuchenden verurteilte, hat eine Debatte ausgelöst. Die Behörde hatte das Arbeitslosengeld eingezogen, weil der Mann sich bei einem Anstellungsgespräch geweigert hatte, der Chefin die Hand zu schütteln. Er hatte sich stattdessen leicht verbeugt.

Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 2005. Im Rahmen eines Arbeitsmarktprojektes bewarb sich der junge Muslim für ein Praktikum als Schweißer. Eingeladen zum Vorstellungsgespräch verweigerte der Mann der Chefin des Unternehmens den Handschlag zur Begrüßung. Den Praktikumsplatz bekam er nicht, vor allem, weil seine Qualifikationen nicht ausreichten. Doch anstatt einen anderen Platz zu suchen, zog das örtliche Arbeitsamt das Arbeitslosengeld ein.

Arbeitsverweigerung
„Das Arbeitsamt gründete seinen Beschluss auf Angaben, denen zufolge der Mann die Chefin überhaupt nicht begrüßt hat, dass er sie ignoriert haben soll, den Augenkontakt verweigert“, erklärt der Jurist des Arbeitsamtes, Niklas Wallentin. Dies sei einer Verweigerung gleichzustellen und daher ein Grund, das Geld einzuziehen. Vor Gericht argumentierte das Amt allerdings damit, der Mann habe sich für das Projekt insgesamt nicht geeignet, daher habe man die Zusammenarbeit abgebrochen. „Das Arbeitsamt hat ja argumentiert, dass man die Ausbildung des Mannes aus anderen Gründen abgebrochen habe, also nicht wegen seiner Religion. Aber die Behörde hat dafür keine Belege geltend machen können“, erklärt Richter Axel Taliciero zur Begründung des Urteils.

Erleichterung über Urteil
Immam Abd al Haq-Kieran ist mit dem Urteil zufrieden: „Der Gruß, die Hand ans Herz zu führen und sich leicht zu verbeugen ist in der islamischen Welt eine ganz normale Geste, Menschen zu begrüßen, die man nicht so gut kennt.“ Auch Diskriminierungsombudsman Katri Linna, deren Behörde den Prozess betrieben hat, freut der Erfolg: „Ich bin erleichtert, denn es ist oft nicht einfach für gläubige Menschen, und besonders für solche, die ihren Glauben nach außen hin durch Kleidung und Verhalten dokumentieren, ihren Glauben im Alltag zu leben. Es passiert leicht, dass man vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen wird“.

Fundamentalismus und Fremdenfeindlichkeit
Unter Schwedens Muslimen ist das Urteil jedoch umstritten. Nalin Pekgül, gebürtige Kurdin und sozialdemokratische Politikerin, die sich sehr um die Integration von Einwanderern bemüht, reagierte nahezu erzürnt: „Das Urteil stärkt den islamischen Fundamentalismus. Die Gesellschaft akzeptiert, dass diese Leute anderen Menschen noch nicht einmal ordentlich die Hand geben. Und damit stellt sich die Gesellschaft gegen alle anderen Muslime. Viele Muslime in Schweden sind heute sehr ärgerlich über dieses Urteil. Im Koran steht nirgendwo, dass ein gläubiger Muslim einer Frau nicht  die Hand schütteln darf. Dieses Urteil stärkt auch die fremdenfeindlichen Kräfte, die sagen: Moslems sind unmöglich, mit denen kann man halt nicht zusammen leben.“

Sicherheit an erster Stelle
Für die betroffene Chefin des Unternehmens, Jeanette Löding, trifft das Urteil den Kern des Problems überhaupt nicht. Der verweigerte Handschlag habe sie eigentlich wenig gekümmert. Er habe jedoch ihr Augenmerk darauf gelenkt, welche Probleme noch hätten entstehen können. Nun habe sich der Mann ja sowieso nicht für das Praktikum geeignet. Aber wenn doch, so hätte sie ihn vielleicht dennoch nicht angestellt, sagt Jeanette Löding. „Bei uns im Unternehmen müssen alle Angestellten Herz-Lungen-Wiederbelebung leisten können. Zu dem fraglichen Zeitpunkt hatten wir mehrere weibliche Angestellte. Mir kamen Bedenken, ob der Mann im Notfall einer Kollegin Herz-Lungen-Wiederbelebung leisten würde. Ich muss an erster Stelle an die Sicherheit meiner Mitarbeiter denken. Ich hätte dafür auch eine Anzeige wegen Diskriminierung riskiert.“

Grunden i vår journalistik är trovärdighet och opartiskhet. Sveriges Radio är oberoende i förhållande till politiska, religiösa, ekonomiska, offentliga och privata särintressen.
Har du frågor eller förslag gällande våra webbtjänster?

Kontakta gärna Sveriges Radios supportforum där vi besvarar dina frågor vardagar kl. 9-17.

Du hittar dina sparade avsnitt i menyn under "Min lista".