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Gesundheitswesen

Woche der Psychiatrie in Norrbotten

Publicerat fredag 8 oktober 2010 kl 11.12
Die Psychiatrie im Krankenhaus Luleå.

Immer mehr Menschen leiden unter psychischen Störungen, vor allem bei Jugendlichen steigt die Zahl der Erkrankungen. Die Psychiatrie ist in die Kritik geraten, die steigende Zahl der Patienten nicht ausreichend zu versorgen, nicht zuletzt seit der umstrittenen Aktion der Künstlerin Anna Odell. Sie hatte vorgetäuscht, Selbstmord begehen zu wollen, um die Reaktion der Umwelt und Ärzte aufzuzeigen. In Norrbotten hat das Gesundheitswesen zu einer Woche der Psychiatrie eingeladen, um ihre Einrichtungen vorzustellen und Behandlungsmöglichkeiten zu zeigen.

„Willkommen in der Abteilung für Essstörungen“. Krankenschwester Paula Vottonen empfängt an der Tür der Psychiatrie im Zentrum der Stadt Luleå. Der Zustrom an diesem publikumsoffenen Abend hält sich allerdings sehr in Grenzen, mehr Personal als Gäste sind in der geschmackvoll eingerichteten Essstörungsabteilung. Im Gegensatz zu den Abteilungen in Stockholm sind die Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz in Norrbotten bedeutend kürzer. In der Sofaecke brennen Kerzen , Schwester Paula zeigt auf eine Matratze am Boden, die mit einer besonderen Decke ausgestattet ist:

„Das ist die Balldecke, unter die kann man kriechen, wenn man eine Panikattacke bekommt. Es sind viele kleine Bälle in einem Bettenbezug, die den Körper beruhigen. Viele Patienten bekommen nach dem Essen Angstattacken. Man fürchtet sich davor zuzunehmen.“

Das Essen wieder lernen können die Patienten in der Küche nebenan. Minimalziel: den Teller leer zu essen, optimal, wenn man das Essen behält. Es sind überwiegend Mädchen und junge Frauen, die in der Abteilung für Essstörungen behandelt werden, erklärt Krankenschwester Paula:

„Drei Jungen haben wir hier bisher gehabt, sonst nur junge Frauen. Die Zahl der Patienten hat nicht unbedingt zugenommen, aber die Betroffenen werden immer jünger. Aber man sucht auch öfter Hilfe.“

Überlastete Ärzte, überforderte Patienten?

Zur selben Zeit im Krankenhaus Sunderbyn hält Psychiater Francisco Barca einen Vortrag über psychische Erkrankungen: Depressionen, bipolare Störungen, Behandlungsmöglichkeiten. Im Publikum sitzen viele Angehörige von psychisch Kranken und Betroffene wie Sara Beckmann Larsson:

„Ich wollte mich mal selbst erkundigen, Doktor Barca ist ja wirklich ein Spezialist auf seinem Gebiet. Er hat mich in meinem Verdacht bestätigt, dass ich für meine Depression bisher nicht die richtige Therapie bekommen habe. Ich habe den Eindruck, dass mir nicht ausreichend geholfen wird.“

Die Situation in der Psychiatrie wird oft kritisiert: zu wenig Personal, zu wenig gut ausgebildetes Personal. Vor zwei Jahren kündigten fünf Ärzte im Krankenhaus Sunderbyn, wegen zu hoher Arbeitsbelastung bei vergleichsweise geringem Lohn.  Und zu oft werden einfach nur Psychopharmaka verschrieben, ohne Gesprächs- oder Verhaltenstherapie, das bestätigt auch der Psychiater Francisco Barca, Chefarzt der Psychiatrie in Piteå:

„Durchaus geht der Trend zur Verschreibung von Medikamenten. In unserer modernen Gesellschaft wollen wir Probleme schnell lösen, und viele haben einen Überglauben an Medikamente. Es gibt inzwischen auch sehr gute Psychopharmaka, mit denen man sehr schwere psychische Krankheiten behandeln kann. Aber Medizin und Therapie müssen sich die Waage halten. Jugendliche zum Beispiel mit Angststörungen müssen lernen, geeignete Methoden zu entwickeln, um Widerstände im Leben zu meistern.“

Gestörte Jugendliche

Gerade Jugendliche entwickeln immer mehr psychische Störungen, weiß der Psychiater. Angstzustände und Depressionen, oft im Zusammenhang mit der Einnahme von Drogen, die man einfach im Internet bestellt. Viele Jugendliche sind bereits abhängig. Warum? Wo doch Schweden immer gerne als fortschrittlich und gut entwickelt gilt? Francisco Barca:

„In Ländern mit hohem Lebensstandard erwartet man, dass vieles leichter ist. Viele Jugendliche aber sind sehr einsam, Vielen fehlt der Kontakt zu erwachsenen Bezugspersonen und erwachsene Vorbilder. Gruppendruck, der leichte Zugang zu Drogen und Aufgeschlossenheit neue Sachen zu probieren, lässt einige Jugendliche früh in der Abgängigkeit landen.“

Zurück in der Abteilung für Essstörungen. Dort suchen jedes Jahr 60 bis 80 neue Patienten Hilfe, bei der Behandlung von Magersucht oder Bulimie leiden. Solche Krankheiten können unterschiedliche psychosoziale Auslöser haben, weiß Krankenschwester Paula Vottonen. Doch ganz allgemein tun die Erwartungen der Gesellschaft ihr Übriges:

„Die Gesellschaft ist doch sehr auf gutes Aussehen und Körperbau fixiert. Und die ganzen Berichte und Tipps, wie man aussehen sollte und wie man besten abnimmt und dann diese Modelwettbewerbe. Das wirkt sich ja auch auf das Verhalten der Jugendlichen aus.“

Katja Güth

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